Venezuela: Ein Monat seit Ausrufung des Notstands
Einen Monat nach den beiden Erdbeben in Venezuela gedenkt der LWB der Opfer und spendet den Überlebenden Hoffnung, während die frühe Aufbauhilfe für die betroffenen Familien weitergeht.
Allan Calma, Koordinator für die weltweiten humanitären Einsätze des LWB, bei einem Besuch in Macuto im Bundesstaat La Guaira, wo das LWB-Team Hilfspakete verteilte und die Auswirkungen der Erdbeben auf die Infrastruktur und die Gemeinden dokumentierte. Foto: LWF/Freisy González
Licht fällt durch die Risse
(LWI) – Es ist einen Monat her, seit die beiden Erdbeben am 24. Juni das Leben Tausender Familien in La Guaira, Caracas und anderen Teilen des Landes zerstört haben. Für den Lutherischen Weltbund (LWB) ist dies ein Moment, innezuhalten, um derer zu gedenken, die ihr Leben verloren haben, und denen beizustehen, die nun den Verlust eines geliebten Menschen, eines Zuhauses und die lastende Gewissheit eines ganz anderen Alltags ertragen müssen. Dieses Gedenken ist auch unsere Verpflichtung.
Denn neben den materiellen Schäden hinterließ die Katastrophe auch weniger sichtbare, aber ebenso gravierende Folgen: die emotionale und psychosoziale Belastung der betroffenen Bevölkerung. Deshalb war uns vom ersten Tag an klar, dass dies keine Hilfsmaßnahme sein würde, die sich in Wochen, sondern in Monaten bemisst – Monate, um nicht nur Häuser, sondern auch das soziale Gefüge wiederaufzubauen; um nicht nur auf der materiellen, sondern auch auf der emotionalen Ebene zu heilen; um Schritt für Schritt das Vertrauen, die Sicherheit, die Hoffnung und die Würde jeder Familie wiederherzustellen.
In Gemeinden wie La Páez und der „Refugio Comunidad 10 de Marzo“ in Catia La Mar haben wir erneut gesehen, dass der Wiederaufbau nicht isoliert geschieht, sondern in der Gemeinschaft. Es sind Führungspersonen aus den Gemeinden, Nachbarschaftsnetzwerke und Familien, die Tag für Tag mit ihrer humanitären Hilfe die Lebensumstände der Menschen verbessern. Unsere Arbeit zielte darauf ab, diese bestehenden Netzwerke zu stärken, anstatt sie zu ersetzen und damit anzuerkennen, dass die Gemeinwesen selbst die größte Ressource für Resilienz sind.
In diesem ersten Monat hat die Ersthilfe auf die größte Not reagiert und Lebensmittel, lebensnotwendige Güter, Wasser und Hygiene-Sets (einschließlich Artikeln für die Monatshygiene) verteilt und die Bedingungen in den Notunterkünften verbessert. Doch hinter jedem ausgegebenen Set und jeder Maßnahme mit Kindern und Familien gibt es eine emotionale Geschichte, die ebenfalls Aufmerksamkeit erfordert. Deshalb hat unser psychosoziales Team neben der materiellen Hilfe Räume für Bildung in Notsituationen und für psychosoziale Unterstützung für Kinder und Jugendliche eingerichtet.
Andrea Sandoval, eine Überlebende des Erdbebens, die Angehörige verloren hat und deren Haus zerstört wurde. Foto: LWF/Freisy González
Wir wissen auch, dass Notsituationen nicht alle Menschen gleichermaßen treffen. Frauen, Mädchen, Jungen, Jugendliche, Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen sind mit unterschiedlichen Risiken, Bedürfnissen und Belastungen konfrontiert. In Krisensituationen übernehmen Frauen oft eine größere Verantwortung für die Versorgung ihrer Familien, während sie gleichzeitig mit zusätzlichen Hindernissen beim Zugang zu Ressourcen, Schutz und Wiederaufbaumöglichkeiten konfrontiert sind. Ein geschlechtersensibler Ansatz ermöglicht es uns, sicherzustellen, dass die Hilfe den spezifischen Bedürfnissen jeder Gruppe gerecht wird und dazu beiträgt, Schutzrisiken während der gesamten Hilfsmaßnahme zu verringern.
Der LWF bekräftigt sein Engagement, den betroffenen Bevölkerungsgruppen weiterhin durch umfassende Hilfsmaßnahmen zur Seite zu stehen – humanitär, psychosozial und auf den frühen Wiederaufbau ausgerichtet –, die so lange aufrechterhalten werden, wie sie in Venezuela erforderlich sind.
„Unsere Herzen sind gebrochen. Wir haben Familienmitglieder, Freunde und geliebte Menschen verloren. Unser ganzes Haus wurde dem Erdboden gleichgemacht. Meine Kinder (11 und 9) sind sehr verängstigt und können kaum schlafen. Beide sind in psychologischer Betreuung. Aber trotzdem sind wir Gott dankbar, dass wir noch am Leben sind und weitermachen können“, sagt Andrea Sandoval, eine Überlebende des Erdbebens.
Wir sind untröstlich. Wir haben Familienmitglieder, Freunde und geliebte Menschen verloren. Unser ganzes Haus wurde dem Erdboden gleichgemacht. … Aber trotzdem sind wir Gott dankbar, dass wir noch am Leben sind und weitermachen können.
Andrea Sandoval, eine Überlebende des Erdbebens
Ohne Sie wäre all dies nicht möglich gewesen. An unsere Partner, Verbündeten, Spender und Glaubensgemeinschaften, die uns in diesem ersten Monat begleitet haben: Vielen Dank. Ihre Solidarität hat sich in Nahrung, Unterkünfte, sichere Orte für Kinder und helfende Hände verwandelt, die diejenigen stützen, die es am dringendsten brauchen.
Vielen Dank auch an unsere Teams für ihre unermüdliche Arbeit und ihre Führungsstärke angesichts dieser Herausforderungen, und ganz besonders an das Kolumbien-Venezuela-Programm, dessen Engagement und Einsatz das Herzstück dieser Hilfsmaßnahmen bildeten.
Die Notlage ist heute noch nicht vorbei, und deshalb laden wir Sie ein, uns weiterhin zur Seite zu stehen: Spenden Sie weiter, unterstützen Sie uns weiter, beten Sie weiter für Venezuela und für jede Familie, die noch immer daran arbeitet, ihr Leben wiederaufzubauen. Jede Geste der Solidarität lässt das Licht am Ende des Tunnels heller leuchten.
Nach aktuellen Zahlen des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten sind nach den Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 am 24. Juni 5.398 Menschen ums Leben gekommen, weitere 16.740 wurden verletzt und 17.907 Menschen haben ihr Zuhause verloren.
Hier erfahren Sie mehr über die Nothilfe des LWB in Venezuela.