Südsudan: Stipendien für mehr Geflüchtete denn je
Gemeinsam mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk fördert der LWB junge Menschen im Südsudan durch ein Stipendienprogramm. Er trägt so zu dem globalen Ziel bei, den Anteil von Geflüchteten, die Zugang zur Hochschule erhalten, bis zum Jahr 2030 weltweit auf 15 Prozent zu erhöhen.
Abschlussfeier für DAFI-Online-Stipendiatinnen und Stipendiaten an der UNICAF-Universität. Foto: Kenyi Beneth Emmanuel
Stipendien für einen besseren Zugang zu Arbeit und Bildung
(LWI) – Zu Beginn des neuen Schuljahres wurden Hunderte von Geflüchteten, Rückkehrenden und Studierenden aus der Aufnahmegesellschaft im Südsudan für ein Stipendienprogramm ausgewählt. Damit sollen die jungen Menschen mit Hilfe von hochwertiger Bildung und beruflichen Perspektiven die Möglichkeit bekommen, zum Wiederaufbau in ihren Gemeinschaften beizutragen.
Der Lutherische Weltbund (LWB) setzt im Südsudan in Partnerschaft mit dem UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) die Deutsche Akademische Flüchtlingsinitiative Albert Einstein, besser bekannt als DAFI-Stipendienprogramm, um. In diesem Jahr wurden 650 neue Studierende als Stipendiatinnen und Stipendiaten des Programms ausgewählt. Sie können somit bis zu vier Jahre lang an anerkannten Universitäten oder anderen Bildungseinrichtungen im ganzen Land studieren.
Der neue Jahrgang wurde aus rund 1.400 Bewerberinnen und Bewerbern ausgewählt, die in Flüchtlingslagern oder in der Hauptstadt Juba leben. Erstmals gehören auch Stipendiatinnen und Stipendiaten aus den Aufnahmegesellschaften dazu. Dadurch sollen die Beziehungen zwischen den Geflüchteten und ihren Aufnahmegemeinden gestärkt werden. Nach Angaben des UNHCR decken die Stipendien Studiengebühren, Reisekosten, Verpflegung, medizinische Versorgung und Unterkunft für die Dauer der Ausbildung ab.
DAFI-Stipendiatinnen und Stipendiaten an der Africa Zeal University in Juba, Südsudan. Foto: Kenyi Beneth Emmanuel
Der regionale Programmkoordinator des LWB für Ostafrika und das Horn von Afrika, Jacques Sagna, verweist auf die Bedeutung der Stipendien als ein wesentlicher Bestandteil der gesamten „Bildungswertschöpfungskette im Kern unserer Arbeit im Südsudan“. Das DAFI-Programm, so sagt er, schließe den Kreis von der frühkindlichen Bildung über die Primar- Sekundar- bis hin zur tertiären Bildung und ermöglicht jungen Menschen so einen erfolgreichen Einstieg in den Arbeitsmarkt. Gleichzeitig leistet es einen wesentlichen Beitrag zum Ziel des UNHCR, den Anteil von Geflüchteten, die Zugang zur Hochschule erhalten, bis zum Jahr 2030 weltweit auf 15 Prozent zu erhöhen.
Auf globaler Ebene wurde das DAFI-Programm 1992 ins Leben gerufen. Seitdem wurden mehr als 27.000 Studierende in Ländern auf der ganzen Welt gefördert. Im Südsudan wurde es im Jahr 2016 eingeführt und hat seitdem insgesamt 414 Studierende unterstützt – was bedeutet, dass dieses Jahr mehr Studierende gefördert werden als in den letzten neun Jahren insgesamt.
DAFI-Stipendien sind ein wesentlicher Bestandteil der gesamten Bildungswertschöpfungskette und sind der Kern unserer Arbeit im Südsudan.
Jacques Sagna, regionaler Programmkoordinator des LWB für Ostafrika und das Horn von Afrika
„Das Ziel des Programms ist es, sicherzustellen, dass die geflüchteten Studierenden sowie die Rückkehrenden und nun auch die Mitglieder der Aufnahmegesellschaften in die Lage versetzt werden, Zugang zu Beschäftigung zu erhalten, um ihren Familien und den Menschen vor Ort zu helfen“, sagt Kenyi Beneth Emmanuel, Leiter des LWB-Bildungsprojekts im Südsudan.
„Wir wollen zudem Führungskräfte ausbilden, die später zurückkehren und zum Wiederaufbauprozess beitragen können“, so sagt er. Ein weiteres Ziel sei es, „Vorbilder hervorzubringen, die auch für andere Geflüchtete Impulse für den Wandel geben können“. Insbesondere weibliche Studierende spielten eine entscheidende Rolle bei der Rückkehr in ihre Gemeinschaften und wenn es darum geht, anderen jungen Frauen und Mädchen den Wert von Bildung zu vermitteln, so Beneth Emmanuel.
Im Südsudan leben derzeit über eine halbe Million Flüchtlinge und Asylsuchende, die vorwiegend vor Konflikten im benachbarten Sudan, aber auch aus der Demokratischen Republik Kongo, Äthiopien und Eritrea geflohen sind. Der LWB ist seit 1973 im Südsudan präsent und unterstützt Bevölkerungsgruppen, die von Konflikten, Vertreibung und klimabedingten Krisen betroffen sind.
Ein Einführungs- und Orientierungsworkshop für DAFI-Stipendiatinnen und Stipendiaten im Südsudan. Foto: UNHCR