Osterbotschaft 2026: Unser altes Selbst hinter uns lassen
Eine Einladung darüber nachzudenken, was Ostern in der heutigen Zeit bedeutet – ein Aufruf zu einer erneuerten Identität und zu einem verwandelten Leben, das von Gerechtigkeit und Liebe geprägt ist.
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LWB-Ratsmitglied Pfarrerin Rinki Soren, Evangelisch-Lutherische Kirche Nepals, ruft christliche Gläubige auf, verwandeltes Leben zu führen
In der diesjährigen Osterbotschaft schreibt die nepalesische Pastorin Rinki Rachel Soren über die Verwandlung, die durch Christi Auferstehung möglich geworden sei und die Gläubige von der Sünde befreit habe, durch die sie ihr altes Selbst hinter sich lassen und ihre Identität in ihm neu definieren könnten.
Das LWB-Ratsmitglied lädt uns ein, uns in einer Welt, die von Gewalt, Ungleichheit und zerbrochenen Beziehungen geprägt ist, für Gerechtigkeit statt Ungerechtigkeit, für Liebe statt Spaltung und für Hoffnung angesichts all der Hoffnungslosigkeit zu entscheiden, und gewiss zu sein, „dass Gott weiterhin am Werk ist“.
Lesen die Botschaft im vollständigen Wortlaut:
Unser altes Selbst hinter uns lassen
Osterbotschaft 2026
Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen” (Römer 6,6).
Geliebte Geschwister in Christus, über Nationen, Kulturen und Sprachen hinweg: „Grüße aus einem Land inmitten einer multireligiösen Gesellschaft, in der die Fastenzeit nur von den großen Kirchen begangen wird. In Nepal feiern wir Ostern, indem wir zu einer Kundgebung gehen, bei der alle Christinnen und Christen zusammenkommen, ob konfessionell oder nichtkonfessionell, um allen die Auferstehung Christi zu verkünden. Wir bereiten uns im Licht von Ostern vor, dem Fest des Lebens, das den Tod besiegt, der Hoffnung, die die Verzweiflung überwindet, und der Gnade, die über die Sünde triumphiert. Diese herrliche Wahrheit aus dem Römerbrief führt uns zur Erkenntnis, dass es an Ostern nicht nur darum geht, was mit Jesus geschehen ist, sondern auch um die Veränderungen, die in uns selbst stattfinden.
Wie der Apostel Paulus erklärt, wurde unser „altes Selbst“ mit Christus gekreuzigt. Das bedeutet, dass durch die Kreuzigung Christi am Kreuz bereits etwas Tiefgreifendes im Herzen aller Gläubigen geschehen ist. Die Fesseln, die uns gebunden hielten – wie Sünde, Angst, Schuld und Gebrochenheit –, haben, auch wenn wir sie noch spüren, keine endgültige Macht mehr über uns. Diese Wahrheit ermöglicht es uns allen Gläubigen, in geistlicher Reife zu wachsen. Ob wir in Städten oder auf dem Land leben, in Frieden oder in Konflikt, im Überfluss oder im Kampf – die Wahrheit, nicht mehr „der Sünde versklavt“ zu sein, vereint uns alle als Christinnen und Christen.
Wir sollten uns daran erinnern, dass Ostern Gottes Verkündigung der Freiheit für die gesamte Menschheit ist, die weltweit durch keine geografischen oder kulturellen Grenzen eingeschränkt wird.
Doch die Frage bleibt: Was bedeutet das für uns in der heutigen Welt?
Erstens fordert es Identität. Wir werden nicht durch unsere vergangenen Fehler definiert, denn unsere Identität ist in Christus verwurzelt durch sein Blut, das er für uns am Kreuz vergossen hat. Dieses verleiht armen Menschen Würde, unterdrückten Menschen Hoffnung und verlorenen Menschen Sinn.
Zweitens fordert es Verwandlung. Mit dem gekreuzigten Christus ist auch unser altes Selbst gekreuzigt, und wir sind eingeladen, ein verwandeltes Leben zu führen. Im Glauben entscheiden wir uns für Gerechtigkeit statt Ungerechtigkeit, für Liebe statt Spaltung in einer Welt, die von Gewalt, Ungleichheit und zerbrochenen Beziehungen geprägt ist.
Drittens fordert es Einheit. Das Kreuz und die Auferstehung Christi haben die ethnischen, sozialen und kulturellen Barrieren niedergerissen, denn in ihm sind wir ein Leib. Deshalb erinnert uns Ostern daran, dass wir, unabhängig von unserer Herkunft, unter derselben Gnade und derselben Hoffnung stehen.
Und schließlich fordert es Hoffnung. Selbst wenn wir Leid oder Verlust erfahren, sollten wir uns daran erinnern, dass der Tod nicht das letzte Wort hatte. Stattdessen versichert uns die Auferstehung Christi, dass Gott weiterhin am Werk ist.
Lasst uns also an diesem Osterfest die Freiheit feiern, die uns bereits geschenkt wurde, sowie die fortwährende Reifung auf unserem Weg, als Gottes Geliebte zu leben. Lasst uns nicht nur ein Ereignis feiern, sondern die Wirklichkeit des neuen Lebens in Gott annehmen und unser altes Selbst hinter uns lassen.
Denn Christus ist auferstanden!
Von Pfarrerin Rinki Rachel Soren, Mitglied der Jugend im Rat des Lutherischen Weltbundes. Im Jahr 2025 wurde sie als erste ordinierte Pastorin der Evangelisch-Lutherischen Kirche Nepals eingesetzt.