Projekte der Mitgliedskirchen: Möglichkeit, Wissen miteinander zu teilen
Die Projekte der LWB-Mitgliedskirchen ermöglichen einen Austausch über bewährte Praktiken und bieten Gelegenheit, innerhalb der Kirchengemeinschaft voneinander zu lernen.
Mitglieder des LWB-Ausschuss für Projekte der Mitgliedskirchen und LWB-Mitarbeitende in São Leopoldo, Brasilien. Foto: LWB
LWB-Ausschuss genehmigt neue Projekte und betont Bedeutung von bewährten Praktiken
(LWI) – Wie können Projekte lokaler Kirchengemeinden Lernorte werden, um sich innerhalb der lutherischen Kirchengemeinschaft auszutauschen und voneinander zu lernen? Mit welchen Methoden lassen sich Erfahrungen und bewährte Praktiken von einer Kirche oder Region auf eine andere übertragen?
Mit diesen Fragen befasste sich der Ausschuss des Lutherischen Weltbundes (LWB) für Projekte der Mitgliedskirchen bei seiner Tagung in São Leopoldo, Brasilien, bei dem 18 neue Projekte für den Zeitraum 2027–2029 bewilligt und die künftige Ausrichtung solcher Initiativen erörtert wurden.
Der LWB fördert derzeit mit Unterstützung seiner Mitgliedskirchen und Partnerorganisationen in 40 Ländern weltweit insgesamt 61 Projekte, die alle auf die lokalen Bedürfnisse von Kirchen und Gemeinden zugeschnitten sind. Diese Projekte seien „nicht nur ein Maßnahmenkatalog, sondern Ausdruck von Beziehungen“, die Vertrauen stärkten, ein Zusammengehörigkeitsgefühl schufen und die Solidarität zwischen den Mitgliedskirchen und in der gesamten lutherischen Kirchengemeinschaft deutlich machten, so die Ausschussmitglieder.
Der Ausschussvorsitzende, Bischof Emeritus Atahualpa Hernández Miranda von der Evangelisch-Lutherischen Kirche Kolumbiens, verwies darauf, dass die Kirchen im LWB viel voneinander lernen können. „Ich bin beeindruckt von der großen Kreativität und dem großen Engagement, etwas in unserer Welt bewegen zu wollen. Und ich sehe vor allem eine gemeinsame Aufgabe, die Hoffnung, die uns als lutherische Kirchen antreibt, durch konkretes Handeln zum Ausdruck zu bringen“, sagte er.
Wenn wir über die Zukunft des Programms „Projekte der Mitgliedskirchen“ nachdenken, wird deutlich, dass „unsere Kirchengemeinschaft viel mehr ist als bloße internationale Begegnungen“, so Atahualpa. Sie zeige sich konkret in der Verbundenheit und Solidarität, die in den Projekten in den einzelnen Ländern gelebt werden.
Ich sehe eine gemeinsame Aufgabe, die Hoffnung, die uns als lutherische Kirchen antreibt, durch konkretes Handeln zum Ausdruck zu bringen.
Bischof Emeritus Atahualpa Hernández Miranda, Evangelisch-Lutherische Kirche Kolumbiens
Frieden schaffen, Lebensgrundlagen stärken und Nachhaltigkeit fördern
Bei den laufenden und bereits bewilligten Projekten lassen sich in allen LWB-Regionen ähnliche Bedürfnisse und entsprechende Maßnahmen beobachten. In Myanmar soll die Evangelisch-Lutherische Kirche der Mara die Lebensgrundlagen der Menschen stärken, indem sie den Anbau einer hochwertigen, klimaresistenten und ertragreichen Kaffeesorte fördert. Außerdem wird die Gemeindeentwicklung in abgelegenen Regionen unterstützt, die immer wieder unter Dürren, Erdrutschen und Nahrungsmittelknappheit leiden.
In Gambia möchte sich die Evangelisch-Lutherische Kirche mit einer neuen Initiative für Frieden und sozialen Zusammenhalt einsetzen und sich mit den zahlreichen Menschenrechtsverletzungen während des autoritären Regimes in der Vergangenheit des Landes befassen. Die mit dem LWB verbundene Kirche will sich vorrangig auf Versöhnung an der Basis, Dialog und Heilung konzentrieren und so die Rehabilitation und gesellschaftliche Eingliederung von Überlebenden, Verursachern und Mittätern von Hexenjagden, Opfern von Zwangsarbeit, willkürlicher Verhaftung, Folter und sexualisierter Gewalt möglich zu machen.
In Anlehnung an das Leitwort der Dreizehnten LWB-Vollversammlung „Ein Leib, ein Geist, eine Hoffnung“ haben junge Menschen in den LWB-Mitgliedskirchen in Kroatien, Serbien und Slowenien einen Dialog und friedensfördernde Aktivitäten angestoßen. Damit wollen sie den aus den Balkankonflikten der 1990er Jahre herrührenden Stereotypen und der Polarisierung entgegenwirken. Sie werden jährliche internationale Treffen veranstalten und Informationsmaterial wie Kurzvideos produzieren, um für mehr Inklusion und neue, auf Zusammenarbeit basierende Narrative zu werben.
In Lateinamerika gibt es mehrere Initiativen für mehr Nachhaltigkeit in den Kirchen. Die Bolivianische Evangelisch-Lutherische Kirche und die Lutherische Kirche Perus führen Schulungen und andere Maßnahmen durch, mit denen die Kirchen- und Gemeindeleitungen unterstützt werden sollen.
Die Teilnehmenden aus Brasilien hatten Gelegenheit, von der Lutherischen Diakoniestiftung (FLD) mehr über die Ausstellung „Not So Sweet Home“ zu erfahren, die auch der breiteren lutherischen Kirchengemeinschaft zur Verfügung gestellt werden könnte. Die Wanderausstellung befasst sich mit der Prävention von häuslicher Gewalt und Femiziden u.a. durch die Bereitstellung von Schutzräumen für Überlebende, kleinere Projektzuschüsse und Sensibilisierungsworkshops. Sie ist Teil eines vom LWB mitfinanzierten Projekts der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (EKLBB).
Die Ausschussmitglieder berieten über die zukünftige Ausrichtung der von den örtlichen Kirchen durchgeführten Projekte. Foto: LWB
Cibele Kuss, Exekutivdirektorin der Lutherischen Diakoniestiftung (FLD), stellt die Arbeit der EKLBB-Organisation vor. Foto: LWB
Gaben teilen in der Gemeinschaft
„Bei der Präsenztagung stand die Gestaltung der Zukunft der Projekte im Mittelpunkt“, erklärte Rebekka Meissner, Programmreferentin für Diakonie und die Projekte der Mitgliedskirchen beim LWB. „Einen Einblick in die Bedürfnisse der Kirchen in den verschiedenen Regionen zu erhalten, zu erfahren, wie Projekte auch über den lokalen Kontext hinaus relevant sein können, und zu sehen, wie wir weiterhin Hoffnung vermitteln können – all das war sehr ermutigend“, so Meissner.
Den Geist der Gespräche auf der Tagung brachte Meissner mit einem Zitat des ehemaligen LWB-Präsidenten, Bischof Josiah Kibira aus Tansania, und dessen Vision vom LWB auf den Punkt: „Keine Kirche ist so groß oder reich, dass sie nicht von den Gaben anderer abhängig wäre. Keine Kirche ist so klein oder arm, dass sie nicht andere bereichern könnte.“
Weitere Ausschussmitglieder bei der Tagung vom 23. bis 26. April waren: Bettina Westfeld, Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens, Pfarrerin Veronica Pålsson, Schwedische Kirche, Bischof Emeritus Dr. Tamás Fabiny, Evangelisch-Lutherische Kirche in Ungarn, Bischof Steven Lawrence, Evangelisch-Lutherische Kirche in Malaysia, Pauline Dasse, Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika, sowie Oberkirchenrätin Astrid Kleist, Geschäftsführerin des Deutschen Nationalkomitees des LWB. Von Seiten des LWB nahmen darüber hinaus teil: Pfr. Dr. Sivin Kit, Direktor der Abteilung für Theologie, Mission und Gerechtigkeit, Pfarrerin Sonia Skupch, Regionalreferentin für Lateinamerika und die Karibik sowie Nordamerika, und Yann Bovey, Programmreferent für Diakonie und Entwicklung.