Seminar fördert Führungskompetenzen von nicht-ordinierten Menschen in LWB-Gemeinschaft

20 Mai 2026

Das Seminar des LWB für nicht-ordinierte Führungspersonen 2026 ist am Donnerstag zu Ende gegangen. Die Rolle der Kirche im öffentlichen Raum und ihr prophetisches Eintreten für Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung wurden besonders betont.

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12. Mai 2026, Genf, Schweiz: Kennenlernrunde beim 9. Internationalen Seminar für nicht-ordinierte Personen in kirchlichen Führungsfunktionen. Die Teilnehmenden am Seminar, das vom 7. bis 15. Mai 2026 in Wittenberg und Genf stattgefunden hat, kamen aus allen Regionen der weltweiten Kirchengemeinschaft des Lutherischen Weltbundes. Foto: LWB/Albin Hillert

12. Mai 2026, Genf, Schweiz: Kennenlernrunde beim 9. Internationalen Seminar für nicht-ordinierte Personen in kirchlichen Führungsfunktionen. Die Teilnehmenden am Seminar, das vom 7. bis 15. Mai 2026 in Wittenberg und Genf stattgefunden hat, kamen aus allen Regionen der weltweiten Kirchengemeinschaft des Lutherischen Weltbundes. Foto: LWB/Albin Hillert

Generationenübergreifender Dialog und prophetische Stimme der Kirche

Vom 7. bis 15. Mai sind mehr als 20 nicht-ordinierte Führungspersonen aus Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes (LWB) aus allen sieben LWB-Regionen in Wittenberg und Genf zum 9. Internationalen Seminar für nicht-ordinierte Führungspersonen zusammengekommen.

Ein solches Seminar für nicht-ordinierte Führungspersonen findet jedes Jahr statt.

Seminar für Ausbildung von Führungskompetenzen in zwei Städten der Reformation

Nach dem ersten Abschnitt des Seminars im LWB-Zentrum Wittenberg, Deutschland, haben die nicht-ordinierten Führungspersonen eine Zeit in und um Genf – eine weitere Stadt der Reformation – verbracht, sich gemeinsam Gedanken über verschiedene Themen gemacht und weitergebildet, immer bemüht, gute Führungspraktiken herauszuarbeiten, die Selbstwahrnehmung im eigenen Führungswirken zu verbessern, die eigenen Führungskompetenzen und das eigene Verständnis dessen auszubauen, was es für eine Kirche – und damit auch für sie als nicht-ordinierte Führungspersonen – konkret bedeutet, Hoffnung zu verbreiten und sich mit prophetischer Stimme für Gerechtigkeit und Frieden in der Welt von heute einzusetzen.

Pfarrer Dr. Sámuel Nánási, der Studiendirektor im LWB-Zentrum Wittenberg, betonte, wie wichtig es sei, lutherische Führungspersonen in den beiden Reformationsstädten zu verwurzeln.

„In Wittenberg, wo sozusagen alles begann, also die Geschichte der Reformation, kommen Menschen zusammen, um gemeinsam die Stadt zu erkunden, das Umfeld, in dem die Reformation ihren Anfang nahm, aber auch das ‚theologische Herz‘“, sagte Nánási.

„Gleichzeitig vermittelt das LWB-Büro der Kirchengemeinschaft hier in Genf die Präsenz der heutigen LWB-Mitgliedskirchen und verkörpert diese, bringt Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebenskontexten an einem Ort zusammen und lässt spürbar werden, wer wir sind und was wir in dieser Welt tun sollen“, unterstrich er.

„Unsere Theologie ist Grundlage für alles“

„Unsere Theologie ist Grundlage für alles“, erklärte die Programmverantwortliche des LWB für Veränderung ermöglichendes Leitungswirken, Pfarrerin Katariina Kiilunen, bei der Ankunft der Gruppe in Genf.

„Das heißt auch unser Verständnis vom Priestertum aller Gläubigen“, sagte sie und betonte, dass die Berufung des LWB, Führungspersonen in den Mitgliedskirchen zu begleiten und zu fördern, nicht nur auf die Schulung von Geistlichen und die Ausbildung ihrer Führungskompetenzen begrenzt sei.

Rebekka Meissner, die Programmverantwortliche des LWB für Diakonie und Entwicklung und Mitausrichterin des Seminars in Genf, unterstrich die wichtige Rolle von nicht-ordinierten Führungspersonen im Leben und Zeugnis der Kirche.

„Gesunde und prosperierende Kirchen sind ohne nicht-ordinierte Führungspersonen undenkbar. Die Gaben von nicht-ordinierten Führungspersonen, ihr Engagement für den Dienst am Nächsten und ihr Herz für die Menschen in ihrem Umfeld sind ein wichtiger Ausdruck dessen, was es in den verschiedenen Kontexten heißt, Kirche zu sein“, sagte Meissner.

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Nicht-ordinierte Führungspersonen aus verschiedenen Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes besichtigen die Genfer Innenstadt und das Reformationsdenkmal. Foto: LWB/Albin Hillert

Nicht-ordinierte Führungspersonen aus verschiedenen Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes besichtigen die Genfer Innenstadt und das Reformationsdenkmal. Foto: LWB/Albin Hillert

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Die Programmverantwortliche des LWB für Veränderung ermöglichendes Leitungswirken, Pfarrerin Katariina Kiilunen, und die Programmverantwortliche des LWB für Diakonie und Entwicklung, Rebekka Meissner, moderieren eine Veranstaltung im Château de Bossey. Foto: LWB/Albin Hillert

Die Programmverantwortliche des LWB für Veränderung ermöglichendes Leitungswirken, Pfarrerin Katariina Kiilunen, und die Programmverantwortliche des LWB für Diakonie und Entwicklung, Rebekka Meissner, moderieren eine Veranstaltung im Château de Bossey. Foto: LWB/Albin Hillert

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13. Mai 2026, Genf, Schweiz: Pfarrerin Dr. Anupama Hial und der örtliche Gemeindepastor Pfr. Andy Willis verteilen im Rahmen eines Abendmahlsgottesdienstes in der Evangelisch-Lutherische Kirche Genf Brot und Wein. Foto: LWB/Albin Hillert

13. Mai 2026, Genf, Schweiz: Pfarrerin Dr. Anupama Hial und der örtliche Gemeindepastor Pfr. Andy Willis verteilen im Rahmen eines Abendmahlsgottesdienstes in der Evangelisch-Lutherische Kirche Genf Brot und Wein. Foto: LWB/Albin Hillert

Zusammenarbeit verschiedener Altersgruppen und Wandel bewirkendes Leitungswirken

Im Château de Bossey vor den Toren Genfs haben sich die Teilnehmenden mit verschiedenen Themen rund um das Wirken des LWB heute beschäftigt.

Die verschiedenen Lebenskontexte und Erfahrungen der Teilnehmenden waren eines der zentralen Elemente des Lernprozesses dort.

„Unsere verschiedenen Erfahrungen prägen uns. Wir kommen aus ganz unterschiedlichen Lebenskontexten. Wir sind unterschiedlich alt. Dadurch kommen hier unterschiedliche Blickwinkel zusammen, und dass wir voneinander lernen und uns dadurch weiterentwickeln können, ist ein ganz wunderbares Geschenk“, sagte Nahema-Bea Tchokonté Deudjeu, eine nicht-ordinierte Führungsperson aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kanada.

András Liska aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn unterstrich, dass die Zusammenarbeit der verschiedenen Generationen und Altersgruppen, die der LWB ermögliche, etwas sei, dass er seinerzeit als junge Führungsperson vermisst habe. Er habe sich damals sehr allein gefühlt.

„Für mich war wichtig, zu verstehen, dass es keine große Bedeutung hat, aus welchem Teil der Welt jemand kommt, oder wie alt wir sind. Manche jungen Menschen hier sind vielleicht Mitte 20, aber ihr Glaube ist so stark, dass mir das Kraft gibt“, sagte er.

Cristian Andrés Munoz Roa aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Chile betonte: „Wir dürfen den sanften Aspekt des Evangeliums, den sensiblen Teil, nicht vergessen, den Teil, dass unsere Schwestern und Brüder aus anderen Lebenskontexten selbst in einfachen Alltagsdingen eine Wirkung erzielen, auch Theologie, eine verantwortungsbewusste Theologie betreiben. Und wir müssen auf diese Lebenserfahrungen achten, um eine Synthese herzustellen. In diesem Sinn ist es eigentlich das Wichtigste, zu verstehen, dass ich von den Lebenserfahrungen anderer lernen kann und diese mir helfen können.“

„Letzten Endes sind wir Führungspersonen von Kirchen, die reifen und sich als Institution weiterentwickeln wollen, um bessere Kirchen zu werden und der Welt besser dienen zu können“, sagte er.

Engagement im öffentlichen Raum ist „Berufung der Kirche“

Beim Besuch im LWB-Büro der Kirchengemeinschaft am 13. Mai setzte sich die Gruppe mit den vielen Herausforderungen und Nöten in der Welt von heute – Kriege und Gewalt, Armut, mangelnde Gleichberechtigung der Geschlechter und die sich immer weiter verschärfende Klimakrise beispielsweise – und der Aufgabe der Kirche auseinander, für Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung einzutreten.

„Es ist wichtig, dass sich die Kirche im öffentlichen Raum engagiert, um eine Stimme bei der Bewältigung der vielfältigen Herausforderungen in unserer heutigen Welt zu haben“, erklärte Enobong Etim Ikang aus der Lutherischen Kirche Nigerias.  „Wir leben in dieser Welt und wir müssen Lösungen formulieren“, sagte er.

Ingrid Monjencs aus der Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Österreich nannte das Engagement der Kirche im öffentlichen Raum einen „Teil der Aufgabe, die wir als Kirche zu erfüllen haben, weil sie unsere Berufung ist“.

In Bezug auf die prophetische Rolle der Kirche sagte sie: „Ich glaube, die Kirche ist dann wirklich prophetisch, wenn sie nicht immer darauf wartet, Anerkennung zu erfahren. Sie ist prophetisch, wenn es Widerstand gibt, wenn man spürt, dass es nicht so einfach ist, die eigene Botschaft zu vermitteln.“ Und trotzdem betont Monjencs: „Wir müssen uns gegen Ungerechtigkeit erheben. Wir müssen für gleiche Rechte für alle Menschen eintreten.“

„Wir alle müssen demütig sein und begreifen, dass wir letzten Endes nicht immer diejenigen sind, die Recht haben; vielmehr muss die Kirche für die Geknechteten eintreten, muss sicherstellen, dass die Stimme der Geknechteten Gehör findet, dass es Gerechtigkeit gibt für alle Unterdrückten, sie muss mutig und offen sein und den Mächtigen gegenüber die Wahrheit aussprechen“, sagte Anna Godwin Kaduma aus der Nordöstlichen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Südafrika.

Mark Hustedt aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika kam zu folgendem Schluss: „In der Botschaft des Evangeliums von Jesus Christus, in Jesu Botschaft, Jesu Wirken geht es um Inklusion, um Liebe. In unseren Gemeinden Hoffnung zu fördern, heißt, zu erfahren, mit wem wir eine Gemeinschaft bilden, zu erfahren, was sie beschäftigt, mit welchen Herausforderungen, welchem Leid, welchem Schmerz, welchen komplexen Problemen in unseren Gesellschaften sie ringen, gemeinsam mit ihnen zu lernen, im Umgang mit ihren Herausforderungen an ihrer Seite zu sein, sich gemeinsam für kollektive Zufriedenheit, für Solidarität einzusetzen und nach Frieden zu streben.“

LWB/A. Hillert
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