Afrika: Glaube und Advocacy-Arbeit für Frauen
Bei einer Schulung zur „Menschenrechtsarbeit für Frauen“ im Senegal lernen Teilnehmende, wie sie mit ihren eigenen Erfahrungen regional und global für Gendergerechtigkeit kämpfen können.
Teilnehmende der Schulung zum Thema Menschenrechte für Frauen besuchen die Afrikanische Kommission in Dakar, Senegal. Foto: LWB/P. Hitchen
Schulung zur Menschenrechtsarbeit für Frauen betont die wichtige Rolle von religiösen Organisationen im Kampf gegen Rückschritte bei Frauenrechten
(LWI) – Bereits zum 11. Mal fand vom 19. bis 23. Oktober in Dakar, Senegal, eine Schulung zur Menschenrechtsarbeit für Frauen statt. Für die Teilnehmenden ist die Veranstaltung eine einzigartige Möglichkeit, in der Afrikanischen Kommission für Menschenrechte und Rechte der Völker mitzuwirken. Der Lutherische Weltbund (LWB), der Ökumenische Rat der Kirchen, die Allafrikanische Kirchenkonferenz, Finn Church Aid und andere Partnerorganisationen haben die Schulung gemeinsam mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika organisiert.
Zum Auftakt der Veranstaltung sprachen die Teilnehmenden aus Ländern in ganz Afrika, Asien, Europa und Lateinamerika mit der Sonderberichterstatterin für die Rechte der Frau in Afrika (SRRWA), Janet Romatoulie Sallah-Njie. Diese betonte die wichtige Rolle von religiösen Verantwortlichen angesichts des wachsenden Einflusses von Kräften, die mithilfe von Religion hart erkämpfte Menschenrechte zurückdrängen wollen.
Ferner gab es eine Begegnung mit Hannah Forster, der Direktorin des Afrikanischen Zentrums für Demokratie und Studien für Menschenrechte und Sprecherin des Forums der Nichtregierungsorganisationen (NGOs) bei der Kommission. Thema war die Bedeutung der Afrikanischen Charta der Menschenrechte und der Rechte der Völker, und ihres Maputo-Protokolls, die gleichermaßen die Prinzipien Gerechtigkeit, Inklusion, Gleichheit und Nichtdiskriminierung verankern, an denen sich die Arbeit der Kommission orientiert.
Hannah Forster (rechts), Direktorin des Afrikanischen Zentrum für Demokratie und Studien für Menschenrechte und Sprecherin des NGO-Forums bei der Afrikanischen Kommission, hier mit Ann Kioi (links), Direktorin für Gender, Frauen, Jugend und nachhaltiges Bevölkerungswachstum bei der n Kirchenkonferenz. Foto: LWB/P. Hitchen
Die finnische Botschafterin in Senegal, Gambia und Côte d‘Ivoire, Katja Ahlfors, beantwortet Fragen von Teilnehmenden der Schulung zu den Menschenrechten von Frauen. Foto: LWB/P. Hitchen
Die Sonderberichterstatterin der Afrikanischen Kommission für die Rechte der Frau in Afrika, Janet Romatoulie Sallah-Njie (rechts), mit Sikhonzile Ndlovu, der leitenden Referentin für Gendergerechtigkeit beim LWB. Foto: LWB/P. Hitchen
Die finnische Botschafterin im Senegal, in Gambia und in Côte d‘Ivoire, Katja Ahlfors, appellierte an die Teilnehmenden, beim Aufbau von Bündnissen mit zivilgesellschaftlichen Organisationen „kreativ und vorurteilsfrei“ zu sein, um dem weltweiten Gegenwind für die Frauenrechte entgegenzuwirken. Sie wies darauf hin, dass Frauen trotz positiver Entwicklungen weltweit immer noch weniger als 30 Prozent der Parlamentssitze innehaben, Online-Belästigung und -Missbrauch gegenüber Journalistinnen und anderen Personen des öffentlichen Lebens jedoch alarmierende Ausmaß angenommen haben. Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, gelte es jetzt, koordiniert vorzugehen und Kräfte zu bündeln“, und eine angemessene Beteiligung von Frauen auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung sicherzustellen, sagte sie.
Auch der Generalsekretär der Lutherischen Gemeinschaft in Zentral- und Westafrika (LUCCWA) und ehemaliger Präsident der Evangelisch-Lutherischen Kirche des Senegals, Mamadou Thomas Diouf, nahm an der Schulung teil, weil er lernen möchte, wie er sich wirksamer für die Rechte und die Würde von Frauen und Kindern in seinem Land einsetzen könne. „Ich möchte lernen, wie man einen Dialog führt, um diese Ziele zu erreichen, damit Frauen von häuslicher Abhängigkeit befreit werden, Mädchen in die Schule gehen können und Jungen nicht zum Betteln auf die Straße geschickt werden“, sagte er.
Diese Veranstaltung ist sehr aufschlussreich, weil sie mir ein besseres Bild davon vermittelt, worum es bei Advocacy-Arbeit geht, und mir die biblischen Texte, die unsere Arbeit und unseren Glauben miteinander verbinden, besser verständlich macht.
LWB-Ratsmitglied Susan Matroos, Evangelisch-Lutherische Kirche im Südlichen Afrika.
LWB-Ratsmitglied Susan Matroos, Bildungs- und Gesundheitsstatistikerin in der Regierung von Botswana, ist Mitglied der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Südlichen Afrika und Frauenbeauftragte der Lutherischen Gemeinschaft im südlichen Afrika (LUCSA). Sie beschrieb die Veranstaltung als sehr aufschlussreich, „weil sie mir ein besseres Bild davon vermittelt, worum es bei Advocacy-Arbeit geht, und mir die biblischen Texte, die unsere Arbeit und unseren Glauben miteinander verbinden, besser verständlich macht.“
Eine Teilnehmerin aus West-Papua, die ihren Namen nicht nennen wollte, sagte, die Schulungen seien wichtig für sie, damit die Stimmen marginalisierter Frauen und Mädchen in ihrem Land stärker Gehör finden. Sie ist Mitbegründerin einer Frauenrechtsorganisation und arbeitet seit vielen Jahren in abgelegenen Gemeinden mit Menschen, die von Konflikten und Binnenvertreibung betroffen oder Opfer von Landraub und Abholzung für Bergbauprojekte sind. „Diese Schulung hilft mir, strategischer vorzugehen und zu verstehen, wie die Arbeit unserer kleinen Projekte regional und international bekannter werden kann“, sagte sie.
„Alle unsere Teilnehmenden bringen eine Fülle an Fähigkeiten und Erfahrungen mit, die sie durch ihr Engagement für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung in ihren Ortskirchen und Gemeinden gesammelt haben“, sagte die leitende Referentin für Gendergerechtigkeit beim LWB, Sikhonzile Ndlovu. „Mit dieser Schulung sollen diese Fähigkeiten gestärkt werden, damit sie voneinander lernen und sich wirksamer mit Menschenrechtsmechanismen auf nationaler, regionaler und globaler Ebene auseinandersetzen können“, so Ndlovu.