Bibelgeschichten und Missbrauch im virtuellen Raum: Einsatz für Veränderungen in Kirche und Gesellschaft

30 Okt 2026

Ein Workshop zur Advocacyarbeit für Frauenrechte im Senegal vermittelt den Teilnehmenden wichtige Kompetenzen, um ihr Engagement für ein Ende der Gewalt gegen Frauen und die Förderung der gleichen Würde von Frauen zu stärken.

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Teilnehmende an dem Workshop zur Advocacyarbeit für die Menschenrechte von Frauen in Dakar diskutieren über Themen, die in ihren Ländern gerade aktuell sind. Foto: LWB/P. Hitchen

Teilnehmende an dem Workshop zur Advocacyarbeit für die Menschenrechte von Frauen in Dakar diskutieren über Themen, die in ihren Ländern gerade aktuell sind. Foto: LWB/P. Hitchen

Workshop zu Advocacy für Menschenrechte von Frauen vermittelt praktische Tools zur Förderung von Geschlechtergerechtigkeit in Kirche und Gesellschaft

(LWI) – Was ist technologiegestützte geschlechtsspezifische Gewalt und was hat sie mit der Geschichte von König David im Alten Testament zu tun, der Batseba heimlich vom Dach seines Palastes aus beobachtet? Um diese (2.Samuel 11-12) und viele andere Geschichten aus der Bibel ging es bei einem Workshop zur Advocacyarbeit für Frauenrechte, der vom 19. bis 23. Oktober vom Lutherischen Weltbund (LWB), dem Ökumenischen Rat der Kirchen und Finn Church Aid in Dakar, der senegalesischen Hauptstadt, veranstaltet wurde.

Die Diskriminierung von Frauen und Mädchen und Gewalt gegen sie geschieht vollkommen unabhängig von ihrem Alter, ihrer Herkunft, Religion oder Nationalität. Deshalb wird schon seit elf Jahren jedes Jahr ein Workshop zur Advocacyarbeit für Frauenrechte organisiert. Die Teilnehmenden werden dadurch dabei unterstützt, sich in ihren Kirchen und Gesellschaften wirksamer für Geschlechtergerechtigkeit und ein Ende der Diskriminierung von Frauen einzusetzen. In diesem Jahr fand der Workshop zum ersten Mal nicht in Genf statt und ermöglichte den Teilnehmenden damit, an der Tagung der Afrikanischen Kommission für Menschenrechte und die Rechte der Völker teilzunehmen, die in Dakar stattfand.

Einige der 30 Workshop-Teilnehmenden arbeiten bereits seit Jahrzehnten an diesen Themen, andere – Männer wie Frauen – stehen inspiriert durch die Heilige Schrift, durch Geschichten, die sie gehört haben, oder durch Herausforderungen in ihrem persönlichen Leben erst am Anfang. Alle aber sind sie überzeugt, dass Kirchen und Glaubensgemeinschaften viel mehr tun können, um Gewalt zu verhindern und Sicherheit, Würde und Chancengleichheit für alle Frauen und Mädchen zu fördern.

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Kisha Nakamendu aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Sambia (re.) mit Elizabeth Fortich Rivas aus der methodistischen Kirche in Kolumbien (li.). Foto: LWB/P. Hitchen

Kisha Nakamendu aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Sambia (re.) mit Elizabeth Fortich Rivas aus der methodistischen Kirche in Kolumbien (li.). Foto: LWB/P. Hitchen

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Patrick Musembi Muteti, Jugendreferent der Kenianischen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Foto: LWB/P. Hitchen

Patrick Musembi Muteti, Jugendreferent der Kenianischen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Foto: LWB/P. Hitchen

LoeRose Mbise von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania (ELKT) ist Generalsekretärin der Lutherischen Gemeinschaft in Zentral- und Ostafrika (LUCCEA). Sie war früher Mitglied im LWB-Rat und einst stellvertretende Generalsekretärin ihrer Kirche und engagiert sie sich schon seit den frühen 1980er Jahren für Geschlechtergerechtigkeit. „Als Frau in einer Führungsposition in meiner Kirche wurde ich immer wieder gebeten, vor Frauengruppen zu sprechen, und ich habe viel über die Dinge, über die sie sich freuen, und ihre Nöte gehört“, erinnert sie sich. „Das Frauenreferat der ELKT wurde in den 1970er Jahren eingerichtet, noch bevor Frauen in unserer Kirche ordiniert wurden, um als Interessenvertretung für alle Themen rund um die Gleichberechtigung und Zurüstung von Frauen zu mehr Selbstbestimmung zu fungieren“, berichtet sie.

Obwohl sie bereits mehrmals an den Tagungen der Afrikanischen Kommission teilgenommen hat, nimmt Mbise in diesem Jahr zum ersten Mal an dem Advocacy-Workshop teil. „Ich lerne hier, wie ich systematischer vorgehen und Männer und Jungen in diese wichtige Arbeit einbinden kann“, erzählt sie. „In meiner Arbeit bei LUCCEA stelle ich immer wieder fest, dass es viele Kirchen gibt, in denen Geschlechtergerechtigkeit bereits weit fortgeschritten ist, dass andere jedoch noch Nachholbedarf haben – darunter auch einige, die Frauen im ordinierten Amt nach wie vor nicht akzeptieren. Dieser Workshop vermittelt mir die Fähigkeiten, diese Themen anzugehen und Veränderungen effektiver herbeizuführen.“

Kisha Nakamendu ist Mitglied der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Sambia und arbeitet an einem Projekt zur Förderung von Resilienz und Nachhaltigkeit für Frauen und junge Erwachsene in abgelegenen und ländlichen Gebieten des Landes. Derzeit studiert sie im vierten Jahr Jura an der Universität von Sambia und hofft, dass der Workshop ihr helfen wird, Bündnisse mit anderen zu schmieden, die sich für die Verteidigung der Rechte von Frauen und Kindern einsetzen. „Ich stehe noch ganz am Anfang“, sagt sie, „aber ich weiß, dass sich Menschen, die sich für Menschenrechte einsetzen, oft sehr allein fühlen können.“

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Pfarrerin Rose Bangura, die kürzlich in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Sierra Leone ordiniert wurde, empfängt beim Workshop zur Advocacyarbeit für die Menschenrechte von Frauen den Segen der anderen Pfarrerinnen und Pfarrer. Foto: LWB/P. Hitchen

Pfarrerin Rose Bangura, die kürzlich in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Sierra Leone ordiniert wurde, empfängt beim Workshop zur Advocacyarbeit für die Menschenrechte von Frauen den Segen der anderen Pfarrerinnen und Pfarrer. Foto: LWB/P. Hitchen

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Pfarrerin Evangeline Hounmenou aus der Protestantisch-Methodistischen Kirche von Benin. Foto: LWB/P. Hitchen

Pfarrerin Evangeline Hounmenou aus der Protestantisch-Methodistischen Kirche von Benin. Foto: LWB/P. Hitchen

„Ich arbeite im Bereich Kapazitätsaufbau und vermittle unternehmerische und buchhalterische Fähigkeiten, vor allem an alleinerziehende Mütter, Witwen und Mädchen, die die Schule abgebrochen haben – manchmal, weil sie zu einer frühen Heirat gezwungen wurden“, erklärt sie. „Manche gründen anschließend ihr eigenes Unternehmen, zum Beispiel eine Hühnerzucht oder einen kleinen Lebensmittelladen, und werden so zu Vorbildern für andere in ihren Gemeinwesen“, sagt sie. „Hier in Dakar lerne ich, wie Aktivistinnen und Aktivisten in anderen Ländern mit diesen Themen rund um Geschlechtergerechtigkeit umgehen, wie man respektvoll, aber überzeugend mit Führungspersonen in den Gemeinwesen spricht und wie man mit den Gegenreaktionen umgeht, denen wir manchmal ausgesetzt sind.“

„In den Medien sehe ich oft Berichte über geschlechtsspezifische Gewalt, etwa über Studentinnen an der Universität, die von ehemaligen Partnern angegriffen und sogar getötet werden“, erzählt auch Patrick Musembi Muteti, Jugendkoordinator der Kenianischen Evangelisch-Lutherischen Kirche und Mitglied der humanitären Arbeitsgruppe der ACT Alliance. „Durch meine Jugendarbeit in der Kirche sehe ich es als meine Aufgabe, Mädchen zu mehr Selbstbestimmung zuzurüsten, insbesondere jene, die am stärksten davon bedroht sind, in eine Frühehe gezwungen zu werden“, betont er.

„Ich habe selbst erlebt, dass Mädchen, denen geholfen wurde, einer frühen Verheiratung zu entkommen und wieder zur Schule zu gehen, die wirkungsvollsten Fürsprecherinnen sein können, wenn sie mit ihren Eltern über die Bedeutung von Bildung und Chancen für ihre Töchter sprechen“, sagt er. „Im Workshop lerne ich noch mehr über diese Arbeit, über Konventionen und Chartas und wie die Bibel und andere Instrumente dazu beitragen können, Veränderungen herbeizuführen“, fügt er hinzu.

Pfarrerin Evangeline Hounmenou ist Pastorin der Protestantisch-Methodistischen Kirche von Benin und arbeitet in Cotonou. Sie erzählt, sie habe viel über praktische Möglichkeiten gelernt, wie sie Frauen unterstützen kann, die Opfer von Gewalt wie Vergewaltigung in der Ehe und Schlägen geworden seien. Diese Formen von Gewalt würden in vielen traditionellen Kulturen zuweilen als gutes Recht eines Ehemanns angesehen. „Früher hielt ich Vorträge und hängte Plakate für die gleiche Würde von Frauen in der Kirche auf, wusste aber nicht, wie ich die Täter zur Rechenschaft ziehen konnte. Ich konnte immer nur sagen, dass es gegen das Gesetz verstößt, aber hier habe ich gelernt, was ich konkret machen kann, um sicherzustellen, dass sie für ihre Verbrechen bestraft werden“, sagt sie.

Pfarrerin Rose Bangura ist Koordinatorin für Geschlechtergerechtigkeit und Klimawandel bei der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Sierra Leone. Sie wurde am Tag vor Beginn des Workshops in das Pfarramt ordiniert und wurde von anderen Pastorinnen und Pastoren, die an den Veranstaltungen teilnahmen, im Rahmen des Workshops gesegnet. „In der Bibel ist von vielen einflussreichen Frauen zu lesen: von Debora, Lydia und Priscilla beispielsweise, und wir können diese Geschichten nutzen, um die Ansichten und Überzeugungen der Menschen zu verändern“, sagt sie. „Meistens versuchen wir gar nicht wirklich, Bibelgeschichten mit unserem Alltag in Verbindung zu bringen, aber es ist doch klar, dass das, was David Batseba angetan hat, eine Sünde war, und dafür wurde er bestraft. Genauso ist es heute eine Sünde, unsere Handys zu benutzen, um Frauen und Mädchen zu filmen, zu belästigen oder auszubeuten.“

„Hier in Dakar dabei zu sein“, fasst Bangura zusammen, „hat mich wirklich motiviert, meinen Einfluss als Pastorin und Dozentin zu nutzen, um andere zuzurüsten, um sich für Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und die Rechte aller Frauen und Mädchen einzusetzen.“

LWB/P. Hitchen
Land:
Senegal
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