Zukünftige Führungskräfte befähigen, Menschen aufzunehmen und zu begleiten
LWF-Stipendiatinnen und -Stipendiaten, die ein Studium der Diakonie absolvieren, reflektieren über Migration, Glauben und den Willkommensdienst der Kirchen.
Armbänder mit der Aufschrift „Say no to human trafficking“ im Projektbüro von LKCN Symbols of Hope in Abuja, Nigeria. Foto: SoH Nigeria
LWF-Stipendiatinnen und -Stipendiaten im Austausch über die Antwort der Kirche auf Migration
(LWI) – Eine vertriebene junge Mutter ohne Ausweispapiere bittet Sie um Hilfe; eine von Missbrauch betroffene migrierte Haushaltshilfe bittet in Ihrer Gemeinde um Unterstützung; eine vor Gewalt geflüchtete Familie kommt in einer kirchlichen Schule an. Wie würden Sie als Beschäftigte in der Diakonie reagieren? Wenn Migrantenkinder Schwierigkeiten bei der Integration haben oder eine Gemeinde in der Frage der Aufnahme von Migrierten gespalten ist, wie sollte man sich dann angemessen verhalten?
Diese Fragen standen im Mittelpunkt zweier kürzlich stattgefundener Online-Workshops im Rahmen der Reihe „Coming Together“, die der Lutherische Weltbund (LWB) für seine Stipendiaten und Stipendiatinnen im Bereich der diakonischen Studien unter dem Thema „Kirchen für Menschen auf der Flucht“ veranstaltet hat. Die 50 Teilnehmenden aus Afrika, Asien, Lateinamerika und der Karibik reflektierten über Migration sowohl als globale Realität als auch als theologisches Anliegen. Sie setzten sich damit auseinander, wie Kirchen auf Migrierende, Geflüchtete, Binnenvertriebene und andere Menschen in prekären Situationen reagieren – mit Gastfreundschaft, Fürsprache, Schutz und praktischer Unterstützung.
„Migration ist kein Thema, das irgendwo da draußen stattfindet. Sie ist Teil unserer Familien, Gemeinwesen und Kirchen“, sagte Ashenafi Haile, Programmreferent für Diakonie und Entwicklung beim LWB. „Sie hat viele Gesichter – Angst, Hoffnung, Widerstandsfähigkeit, Krise, Unruhe, Überleben und Chance“, fügte er hinzu.
Die Faktoren, die zu Migration führen wie Krieg und Konflikte, extreme Wetterereignisse, Arbeitslosigkeit, Menschenrechtsverletzungen und Verfolgung –, seien in allen Gesellschaften weit verbreitet, erklärte Haile.
Eine biblische Perspektive
LWF-Stipendien werden für Diplom-, Bachelor- und Masterstudiengänge in den Heimatländern und -regionen der Bewerberinnen und Bewerber vergeben. Die ausgewählten Studiengänge entsprechen den strategischen Prioritäten der Kirche und ihrem Personalbedarf. Bei der Sitzung am 23. Juni konzentrierten sich die Teilnehmenden des Studiengangs Diakonie und Entwicklung auf Migration als ein wiederkehrendes Thema in der Bibel.
Pfarrerin Dr. Anupama Hial, Programmreferentin für Globale Öffentliche Theologie beim LWB, leitete Diskussionen über Gastfreundschaft, Gerechtigkeit, Menschenwürde und Gottes Gegenwart unter Menschen auf der Flucht.
Kirchen sind dazu aufgerufen, Fremde willkommen zu heißen, praktische und seelsorgerische Unterstützung zu leisten, sich für Gerechtigkeit einzusetzen und die Würde aller Menschen als Ebenbilder Gottes zu bekräftigen
Pfarrerin Dr. Anupama Hial, Programmreferentin für Globale Öffentliche Theologie beim LWF
„Kirchen sind dazu aufgerufen, Fremde willkommen zu heißen, praktische und seelsorgerische Unterstützung zu leisten, sich für Gerechtigkeit einzusetzen und die Würde aller nach Gottes Ebenbild geschaffenen Menschen zu bekräftigen“, sagte sie.
Die Teilnehmenden stellten fest, dass Geflüchtete mehr als nur Soforthilfe benötigen. Sie brauchen Schutz, Möglichkeiten, ihr Leben in Würde neu aufzubauen, und Hoffnung für die Zukunft. Die Gemeinden wiederum können von der Widerstandsfähigkeit, dem Mut und der Beharrlichkeit der Migranten und Migrantinnen lernen.
Kirchen bewirken etwas
Ein früherer Workshop im Mai konzentrierte sich auf praktische Antworten auf Migration. Haile und Pfarrer Emmanuel Subewope Gabriel von der Lutherischen Kirche Christi in Nigeria (LKCN) stellten Beispiele aus dem LWF-Programm „Symbole der Hoffnung“ (SoH) vor. Diese Initiative unterstützt Kirchen in Äthiopien, Nigeria und Simbabwe dabei, irreguläre Migration und Menschenhandel im Inland und im Ausland zu verhindern – durch Advocacy-Arbeit und Perspektiven für die Existenzsicherung von Migrationswilligen und zurückkehrenden Migranten.
Mit Unterstützung des ELCS-Projekts „Symbols of Hope“ kann Shanani Mahuntse, die aus Südafrika in ihre Heimat zurückgekehrt ist, nun ihre Familie durch ihren landwirtschaftlichen Betrieb versorgen. Foto: SoH Simbabwe
Lidya Nkiruka Udekwe in ihrem Bekleidungsgeschäft in Abuja, das mit Unterstützung des „Symbols of Hope“-Projekts in Nigeria errichtet wurde. Foto: SoH Nigeria
Eine solche Erfolgsgeschichte erzählte Shanani Mahuntse. Sie ist nach Simbabwe zurückgekehrt, nachdem sie zwei Jahre lang vergeblich versucht hatte, im benachbarten Südafrika, wohin sie ohne Reisepass gereist war, eine feste Arbeit zu finden. Durch das SoH-Projekt des „Lutherischen Entwicklungsdienstes“, der diakonischen Organisation der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Simbabwe (ELKS), erhielt sie eine Ausbildung und Startkapital, um mit Gartenbau und Fischzucht zu beginnen. Heute erwirtschaftet sie mit dieser Arbeit genug Einkommen, um ihre Familie zu versorgen und das Schulgeld für die Kinder zu bezahlen.
Im Jahr 2025 erreichten die Radiosendungen von SoH, die über die Gefahren irregulärer Migration aufklären, rund 20.000 Menschen in Simbabwe, 60.000 in Nigeria und fast 3.400 in Äthiopien. Mahuntse gehörte zu den 87 jungen Erwachsenen, die in Simbabwe eine berufliche Ausbildung und Startkapital erhielten. In Äthiopien bekamen über 250 Jugendliche eine solche Unterstützung, und SoH Nigeria half 47 Überlebenden von Menschenhandel oder Rückkehrenden.