Italien: Mit dem „Schmetterlingseffekt“ Familien stärken und Zukunft gestalten

31 Jul 2026

Ein von der lutherischen Gemeinde in Neapel unterstütztes Projekt hilft italienischen Kindern und Kindern mit Migrationshintergrund im spanischen Viertel der Stadt dabei, ihre schulischen Leistungen zu verbessern und gleichzeitig Selbstwertgefühl, Resilienz und soziale Integration zu entwickeln.

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Kinder nehmen an Aktivitäten im Zentrum der Association Quartieri Spagnoli (AQS) in Neapel teil, das von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien (CELI) unterstützt wird. Foto: AQS

Kinder nehmen an Aktivitäten im Zentrum der Association Quartieri Spagnoli (AQS) in Neapel teil, das von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien (CELI) unterstützt wird. Foto: AQS

Die lutherische Gemeinde in Neapel durchbricht den Teufelskreis der Armut für Kinder und bietet pädagogische und psychologische Unterstützung

(LWI) – Biagio, ein kleiner italienischer Junge, lebt mit seinen Eltern in einem der ärmsten Viertel von Neapel. Zu Beginn seiner Schulzeit hatte er Schwierigkeiten mit den Grundlagen: Buchstaben erkennen oder auch einfache Fragen zu beantworten fiel ihm schwer. Nach dem Tod seines Onkels litt er unter psychischen Problemen, nachdem ihm zunächst gesagt worden war, der Mann sei nur „weggegangen“. Doch dank des Nachhilfeunterrichts, den er er im Rahmen des Projekts „Butterfly Effect“ (Schmetterlingseffekt) bekommen hat, das von der gemeinnützigen Organisation Associazione Quartieri Spagnoli (AQS) mit Unterstützung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien (ELKI) durchgeführt wird, macht er große Fortschritte in der Schule und wird psychologisch betreut, um den Schmerz über den Verlust in seiner Familie zu verarbeiten.

Ginevra ist ein junges Mädchen aus Kap Verde und war als Kind mit ihrer Mutter nach Italien gekommen. Sie geht in Neapel zur Schule und kommt nachmittags regelmäßig in das von der lutherischen Kirche mitfinanzierte AQS-Zentrum, da ihre Mutter arbeitet und es daher niemanden gibt, der sie abholt oder sich um sie kümmert. In den fast vier Jahren hat sich Ginevra sehr gut entwickelt: Sie ist selbstständiger geworden, übernimmt Verantwortung für sich selbst und kann gute Beziehungen sowohl zu Gleichaltrigen als auch zu den Erwachsenen in ihrem Umfeld aufbauen.

Beide Geschichten zeigen die langfristige Wirkung des Projekts „Butterfly Effect“ bei der Durchbrechung des Teufelskreises aus Armut, Benachteiligung und sozialer Ausgrenzung für Einheimische und Menschen mit Migrationshintergrund im Spanischen Viertel von Neapel. Der Lutherische Weltbund (LWB) unterstützt die Initiative im Rahmen seines Programms für Projekte von Mitgliedskirchen. Über 30 Kinder und ihre Familien erhalten Unterstützung durch sportliche Aktivitäten, Bildungs- und Mentoring-Angebote sowie bei Bedarf auch psychologische Betreuung. Ziel ist es, den Schulabbruch von Kindern zu verhindern und dabei nicht nur ihre schulischen Fähigkeiten, sondern auch ihre soziale und emotionale Entwicklung zu stärken.

„Die Schulabbrecherquote ist in dieser Region sehr hoch. Deshalb möchten wir die Kinder durch individuellen Nachhilfeunterricht dabei unterstützen, ihre Lernfähigkeiten zu entwickeln, damit sie ihre schulischen Leistungen verbessern und einen Abschluss zu machen, der ihnen in Zukunft berufliche Chancen eröffnet“, sagte Projektkoordinatorin Caroline von der Tann. „Als wir anfingen, arbeiteten wir hauptsächlich mit neapolitanischen Familien, aber wir stellen fest, dass immer mehr Kinder mit Migrationshintergrund wie Ginevra zu uns ins Zentrum kommen“, ergänzt sie.

Neben der schulischen Förderung zielt das Projekt darauf ab, den Kindern auch emotionales und soziales Wohlbefinden zu vermitteln. Dafür bietet das Zentrum Fußballtraining für Mädchen und Jungen an, bei dem sie Werte wie Regeln, Respekt gegenüber Gleichaltrigen und Teamfähigkeit lernen. „Viele dieser Kinder kommen aus benachteiligten Verhältnissen, oftmals mit einem Elternteil, der im Gefängnis sitzt oder mit einer Sucht zu kämpfen hat. Unser Ziel ist es daher, ihnen einen sicheren Raum zu bieten, in dem sie lernen können, mit ihren Emotionen umzugehen und ihren Frust und ihre Aggressionen konstruktiv zu kanalisieren“, erklärte von der Tann.

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5 gegen 5: Jungen beim Fußballspiel auf dem Gelände des Zentrums der Associazione Quartieri Spagnoli (AQS). Foto: AQS

5 gegen 5: Jungen beim Fußballspiel auf dem Gelände des Zentrums der Associazione Quartieri Spagnoli (AQS). Foto: AQS

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Kinder verkleiden sich im Zentrum der Associazione Quartieri Spagnoli (AQS) für Halloween. Foto: AQS

Kinder verkleiden sich im Zentrum der Associazione Quartieri Spagnoli (AQS) für Halloween. Foto: AQS

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Das Zentrum der Associazione Quartieri Spagnoli (AQS), das von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien unterstützt wird, bietet Kindern und Jugendlichen aus dem Spanischen Viertel in Neapel eine bessere Zukunft. Foto: AQS

Das Zentrum der Associazione Quartieri Spagnoli (AQS), das von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien unterstützt wird, bietet Kindern und Jugendlichen aus dem Spanischen Viertel in Neapel eine bessere Zukunft. Foto: AQS

„Um echte Veränderungen für diese Kinder zu bewirken, ist auch die Einbindung der Familien sehr wichtig; daher ist unsere Zusammenarbeit mit einem Psychologen sehr hilfreich, um an der Stärkung der Resilienz und des Selbstwertgefühls zu arbeiten“, fügte sie hinzu. „Wir haben gute Fortschritte festgestellt: Die schulischen Leistungen der Kinder, die an den Nachmittagskursen teilnehmen, haben sich verbessert, aber auch der Zusammenhalt, die soziale Integration und das Gemeinschaftsgefühl sind gewachsen“ – so ihr Fazit.

LWB/P. Hitchen
Thematiken:
Land:
Italien