Venezuela: LWB betet mit Kirche, während Rettungs- und Hilfsmaßnahmen weitergehen
Nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela, die enorm viel Schmerz und Verzweiflung verursacht und viele Todesopfer gefordert haben, hat das LWB-Büro der Kirchengemeinschaft eine Online-Andacht veranstaltet, um Solidarität mit den Menschen in dem südamerikanischen Land zu bekunden.
In Zusammenarbeit mit lokalen Partnern wie den Kirchen stellen Mitarbeitende des LWB am 30. Juni Hilfspakete zusammen, die in den Notunterkünften an der Caribbean Maritime University in Catia La Mar in der Region La Guaira, Venezuela, verteilt werden sollen. Foto: LWB/Freisy Gonzalezin
„Gott ist nicht im Erdbeben, sondern im stillen, sanften Sausen“
„Gott ist nicht im Erdbeben, sondern im stillen, sanften Sausen“ – mit diesen Worten versuchte der Präsident der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Venezuela (IELV), Pfr. Gerardo Hands, den betroffenen Menschen in Venezuela in einer Online-Andacht Trost zu spenden. Der Lutherische Weltbund (LWB) hatte die Andacht am 30. Juni organisiert, um seine Solidarität mit dem südamerikanischen Land zu bekunden, das am 24. Juni von zwei dicht aufeinanderfolgenden schweren Erdbeben erschüttert wurde.
Unter der Überschrift „Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben“ (Psalm 46,2) war ein virtueller Raum für Gebete und Weggemeinschaft mit einem Land geschaffen worden, in dem sich eine Tragödie ereignet: Bislang wurden fast 2.000 Todesopfer bestätigt, tausende Menschen sind verletzt und tausende weitere werden noch vermisst; zudem ist das Ausmaß der Zerstörung erheblich, im Epizentrum der Katastrophe in der Nähe der Hauptstadt Caracas sind unzählige Wohngebäude eingestürzt und die Infrastruktur ist stark beschädigt. Unter den Teilnehmenden bei der Andacht waren LWB-Ratsmitglieder aus den Regionen Lateinamerika und die Karibik (LAK) sowie Nordamerika, Kirchenleitende und Mitarbeitende aus dem Büro der Kirchengemeinschaft.
Unter Leitung von Pfr. Atahualpa Hernández von der Evangelisch-Lutherischen Kirche Kolumbiens begann die Andacht mit einer Anrufung Gottes, in der Gott darum gebeten wurde, Zuversicht und Stärke für alle zu sein, die Angehörige, ihr Zuhause oder ihr gesamtes soziales Umfeld verloren haben. Auch wurde für all jene gebetet, die die Rettungs- und Bergungsbemühungen organisieren oder daran beteiligt sind und für alle, die in dieser Notsituation Hilfe leiste: „Weise den politischen Verantwortungstragenden in Venezuela und allen Helfenden den richtigen Weg und schenke Ihnen deine Weisheit, spende allen trauernden und leidenden Menschen Trost und gib uns allen Mut und Hoffnung, um die vor uns liegenden Herausforderungen gemeinsam anzugehen“, betete Pfarrerin Sonia Skupch, die Regionalreferentin für die Regionen LAK und Nordamerika.
„Ihr seid nicht allein“
LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt versicherte die Kirche und die Menschen in Venezuela der Solidarität der lutherischen Kirchengemeinschaft und betonte, dass das Leid einer Kirche von der gesamten Kirchengemeinschaft mitgetragen werde. Außerdem unterstrich sie das Bekenntnis der Kirchengemeinschaft zur humanitären Hilfe. „Ihr seid nicht allein. Im Leib Christi gilt: Wenn ein Glied leidet, leidet der ganze Leib. Es fällt schwer, Worte zu finden für das, was gerade passiert. Wir beten für euch und tun durch den LWB-Weltdienst alles, was im Rahmen unserer Möglichkeiten ist“, sagte sie.
„Uns erfüllt tiefe Trauer, weil tausende Menschen ihr Zuhause und Angehörige verloren haben“, sagte Burghardt weiter. „Wir versichern euch hier und heute unserer Solidarität und laden alle LWB-Ratsmitglieder, die in Lateinamerika und der Karibik sind, ein, enger an der Seite Venezuelas zu stehen.“
Ihr seid nicht allein. Im Leib Christi gilt: Wenn ein Teil leidet, leidet der ganze Leib. Es fällt schwer, Worte zu finden für das, was gerade passiert.
Pfarrerin Dr. Anne Burghardt, Generalsekretärin des Lutherischen Weltbundes
Zwischen Schmerz und Hoffnung
Der venezolanische Kirchenpräsident berichtete den Teilnehmenden von den dramatischen Auswirkungen der Katastrophe auf das Land und die Menschen. „Es ist nicht leicht, über etwas so Komplexes wie ein Erdbeben zu sprechen, denn es verschärft das menschliche Leid in unserem Land“, sagte er, würdigte gleichzeitig aber auch die sofortigen Zeichen der Solidarität aus der ganzen Welt.
Dann formulierte Kirchenpräsident Hands Worte, die die Stimmung der Veranstaltung insgesamt widerspiegelten: „Ich verharre in Stille und Trauer angesichts des Verlustes so vieler Menschenleben und so viel Schmerzes, aber ich danke auch Gott, denn selbst in dieser Katastrophe ist Gott bei uns. Gott ist nicht in den Erdbeben oder in den Tsunamis oder in den Hurrikanen, sondern im stillen, sanften Sausen, in der Liebe und Solidarität... in euch allen und in euren Zeichen der Solidarität und eurem Dienst. Es ist in dieser Zeit tröstlich zu wissen, dass wir von so vielen Schwestern und Brüdern geliebt werden“, sagte er.
Seine Worte brachten zum Ausdruck, was Millionen von Menschen in Venezuela derzeit fühlen. Es geht nicht nur um materielle Verluste: Unzählige Familien haben ihre Mütter, Väter, Kinder, Freundinnen und Freunde oder ihr gesamtes soziales Umfeld verloren. Scheinbar gegensätzliche Gefühle wie Schmerz und Hoffnung bestehen nebeneinander, denn ein Volk, das für seine Stärke und Resilienz bekannt ist, findet Halt und neuen Mut in der Solidarität, die ihnen entgegengebracht wird, und in den Berichten über Überlebende und Wunder, die im Zuge der Rettungs- und Wiederaufbauarbeiten doch noch immer wieder bekannt werden.
Carmen Garcia, die Koordinatorin des LWB-Programms in der LAK-Region, unterstrich, dass man trotz der komplexen Lage in Venezuela „auch angesichts des großes Schmerzes Hoffnung und Stärke finden“ könne. Sie sprach über die humanitäre Hilfe des LWB und betonte, dass es eine Gelegenheit sei, „den Menschen in Venezuela zu helfen und uns daran zu erinnern, wozu wir in dieser Welt berufen sind“.
El Junquito ist eines der am stärksten betroffenen Gebiete. Foto: LWB/Freisy Gonzalezin
Ein Psalm für turbulente Zeiten
Zum Abschluss der Andacht wurde Psalm 46 im Wechsel gelesen und Skupch sprach Fürbitten, in denen sie Gott bat, Barmherzigkeit und Güte zu bestärken und den Menschen Kraft zu geben, einander angesichts der großen Zerstörung beizustehen. „Hilf uns, einander mit Barmherzigkeit und liebender Güte zu begegnen, deine Stimme unter all den Klagen über Verluste zu vernehmen und gemeinsam zum Wohl aller zu wirken“, betete sie, bevor sie die Teilnehmenden aus aller Welt aufforderte, gemeinsam das Vaterunser in der jeweils eigenen Muttersprache zu sprechen.