Ratstagung: In unruhigen Zeiten Narrativ der Hoffnung formulieren

12 Jun 2026

LWB-Generalsekretärin spricht über die Aufgabe, uns für die Würde aller Menschen einzusetzen, Gottes Schöpfung zu bewahren und uns der Instrumentalisierung des christlichen Glaubens zu widersetzen.

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LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt legt dem Rat ihren Bericht vor. Foto: LWB/Albin Hillert

LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt legt dem Rat ihren Bericht vor. Foto: LWB/Albin Hillert

Generalsekretärin Burghardt berichtet, wie LWB seine Berufung umsetzt, Zeugnis abzulegen und gute Früchte hervorzubringen

(LWI) – Der Lutherische Weltbund (LWB) erdulde Wandel in unruhigen Zeiten nicht nur, sondern trage dazu bei, „ein alternatives Narrativ zu formulieren, ein Narrativ, das zum Wohl der Welt in Gottes Gnade wurzelt, für Gerechtigkeit eintritt und von Hoffnung getragen ist“. In ihrem Bericht an den Rat legte LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt dar, wie die weltweite Kirchengemeinschaft in den vergangenen zwölf Monaten konkret bemüht war, diese Berufung im Namen ihrer Mitgliedskirchen umzusetzen.

Direkt am ersten Tag der diesjährigen Ratstagung, am 11. Juni, berichtete Burghardt ausführlich über die Arbeit, die im Einklang mit den vier in der LWB-Strategie formulierten Prioritäten – verantwortungsbewusste Theologie fördern, Kirchen unterstützen, aufzublühen und zu gedeihen, für Gerechtigkeit und Frieden eintreten sowie den Dienst an unseren Nächsten und die Würde aller Menschen fördern – durchgeführt wurde.

Sie analysierte die aktuellen globalen Herausforderungen und betonte, dass hierzu unter anderem „eine schwindende Solidarität über Ländergrenzen hinweg, die Missachtung des Völkerrechts und des humanitären Völkerrechts und die mangelnde Bereitschaft [zählen], selbst grundlegende Menschenrechte zu schützen“. Mit Blick auf die Polarisierung und Desinformation in der breiteren Gesellschaft, aber auch in den Kirchen selbst, erklärte sie, der LWB sei berufen, für die Menschenwürde einzutreten, Gottes Schöpfung zu bewahren und „klar Stellung zu beziehen“ gegen die Instrumentalisierung und Verfälschung des christlichen Glaubens.

In Bezug auf die zunehmende Schwächung des Multilateralismus erklärte die LWB-Generalsekretärin, es sei wichtig, ein gegenkulturelles Zeichen zu setzen und die Zusammenarbeit innerhalb der LWB-Gemeinschaft und mit anderen christlichen Kirchen und Organisationen auszubauen. Das Rahmenkonzept des LWB für die Mitgliedskirchen für deren gegenseitige Verantwortlichkeit, das so genannte „Mutual Responsibility Framework“, das derzeit konkret erarbeitet werde, sagte Burghardt, solle eine Orientierungshilfe dafür sein, wie wir die Tatsache, dass wir eine Kirchengemeinschaft bilden, in gegenseitigem Respekt konkret praktisch leben können. Uns gemeinsam ein Urteil zu bilden und unterschiedliche Sichtweisen respektvoll erörtern zu können, betonte sie, „sollte ein zentrales Merkmal unserer Bekenntnistradition sein, die stets besonderen Wert auf Urteilsfindung und kritisches Denken gelegt hat“.

In Bezug auf die Bemühungen, eine verantwortungsbewusste Theologie zu fördern, erklärte Burghardt, die „theologische Reflexion ist Grundlage für alles, was der LWB tut. Und verantwortungsbewusste Theologie bedeutet, unser Zeugnis in der Heiligen Schrift und den lutherischen Bekenntnisschriften zu verankern und gleichzeitig im treuen Zeugnis für unseren Glauben auf die Herausforderungen von heute zu reagieren.“ In einer Welt, die von Fragmentierung, Ausgrenzung und Angst geprägt sei, so Burghardt, müsse „Theologie eine lebendige, kontextsensible und befreiende Kraft sein“. Dieser besondere Akzent fände Ausdruck in den LWB-Studienprozessen zur Theologie des Kreuzes, zu Frieden und Versöhnung und zu den Vorbereitungen für das 500-jährige Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses, die zusammen „eine kohärente theologische Agenda“ darstellten, erklärte sie.

Im Hinblick auf die Unterstützung des LWB für die Mitgliedskirchen durch Weggemeinschaft, die Weiterentwicklung von Führungspersonen und Initiativen, die eine generationenübergreifende Teilhabe fördern, verwies Burghardt auf die zahlreichen seelsorgerischen Besuche der Regionalreferentinnen und -referenten in den vergangenen zwölf Monaten und die Kirchenleitungskonferenzen, Schulungen und Tagungen der Netzwerke von Frauen und jungen Erwachsenen. Sie erwähnte die Tagungen, die zur Unterstützung von verschiedenen Kirchen organisiert wurden, die schwierige Zeiten durchstehen oder in Konfliktsituationen wirken müssen, wie die Kirche in Grönland nach den Annexionsdrohungen der USA, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Jordanien und im Heiligen Land und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Manipur.

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Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt informiert über die Arbeit des LWB in den vergangenen zwölf Monaten. Foto: LWB/Albin Hillert

Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt informiert über die Arbeit des LWB in den vergangenen zwölf Monaten. Foto: LWB/Albin Hillert

Gerecht handeln, Barmherzigkeit lieben und demütig sein vor Gott

Die Advocacyarbeit des LWB für Gerechtigkeit und Frieden, so unterstrich die LWB-Generalsekretärin, sei von der „prophetischen Tradition der Bibel inspiriert, die von gläubigen Menschen fordert, gerecht zu handeln, Barmherzigkeit zu lieben und demütig vor Gott zu sein“. Sie nahm Bezug auf die im Rahmenwerk für die Advocacyarbeit des LWB niedergeschriebenen Arbeitsfelder, zu denen die Förderung und der Schutz der Menschenrechte, die Förderung des Engagements für Gendergerechtigkeit, die Bewältigung des Klimanotstands, das Eintreten für Gerechtigkeit und Frieden, die humanitäre Advocacyarbeit und die Stärkung der prophetischen Stimme der Kirchen zählen.

Mit Blick auf den vierten Arbeitsschwerpunkt des LWB – Dienst an den Nächsten und Menschenwürde – betonte sie, dass dieser in einer bestimmten Vision wurzele, einer Vision, die nichts mit Almosen zu tun habe, sondern mit konkretem Eintreten für den Schutz der Menschenwürde durch praktizierte Nächstenliebe. In Bezug auf das diakonische Engagement der Kirchen sowie das humanitäre Engagement, die Entwicklungsarbeit und die Nothilfe der Länderprogramme des LWB-Weltdienstes, hob sie hervor, dass Millionen von Geflüchteten und Binnenvertriebenen sowie die Bevölkerungen, die diese bei sich aufgenommen hätten, und andere vulnerable Menschen in Ländern, die mit Kriegen und Konflikten, Ernährungsunsicherheit, Naturkatastrophen aufgrund des Klimawandels oder Umweltzerstörung zu kämpfen hätten, Hilfe erfahren hätten.

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Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt beantwortet Fragen von Ratsmitgliedern. Foto: LWB/Albin Hillert

Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt beantwortet Fragen von Ratsmitgliedern. Foto: LWB/Albin Hillert

Einen weiteren Teil ihres Berichts widmete die Generalsekretärin der institutionellen und finanziellen Zukunftsfähigkeit des LWB in einem Jahr, das von zahlreichen großen Herausforderungen geprägt gewesen sei. Die Mittelbeschaffung habe hohe Priorität, erklärte sie, und man sei bemüht, die Finanzierungsquellen weiter zu diversifizieren. In einer Zeit „großer Veränderungen“, sagte sie abschließend, „sind wir berufen, als eine Kirchengemeinschaft zusammenzustehen, die die Würde aller Menschen achtet, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern bekräftigt, sich im treuen Glauben um die Bewahrung der Schöpfung bemüht und Zeugnis ablegt für das bleibende Kernstück unseres theologischen Erbes: die zentrale Bedeutung und Vorrangstellung der Gnade Gottes“.

Download the Report of the General Secretary to the LWF Council

LWB/P. Hitchen
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