Ratstagung: Mutig Zeugnis ablegen und Hoffnung vermitteln

17 Jun 2026

In seinen Öffentlichen Erklärungen bezieht der LWB-Rat Stellung zu Unrecht und anhaltenden Krisen weltweit, zu eskalierender Gewalt, zu einer inklusiven globalen Regierungsführung und zum christlichen Auftrag, in schwierigen Zeiten Zeugnis für die Hoffnung abzulegen.

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Pfarrer Jussi Luoma aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finnlands, Vorsitzender des Ausschusses für Advocacy und öffentliche Verantwortung, spricht bei der Tagung des LWB-Rates in Founex, Schweiz. Foto: LWB/Albin Hillert

Pfarrer Jussi Luoma aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finnlands, Vorsitzender des Ausschusses für Advocacy und öffentliche Verantwortung, spricht bei der Tagung des LWB-Rates in Founex, Schweiz. Foto: LWB/Albin Hillert

Rat veröffentlicht Erklärungen zu Themen von Bedeutung für Kirchen und Welt insgesamt

(LWI) – Am Ende seiner diesjährigen Tagung am 15. Juni verabschiedete der Rat des Lutherischen Weltbundes (LWB) sechs Öffentliche Erklärungen zu einigen der drängendsten globalen Herausforderungen unserer Zeit. Zugleich würdigte er die öffentliche Stimme der Kirchengemeinschaft und bekräftigte, dass die Advocacyarbeit eine tragende Säule des Zeugnisses und Dienstes des LWB ist.

Der Rat rief zu mehr Unterstützung für die Advocacyarbeit nach dem Rahmenwerk für die Advocacyarbeit 2025–2031 auf. Er forderte ein neuerliches internationales Engagement, mehr Schutz für die Zivilbevölkerung, die Achtung des Völkerrechts, mehr humanitäre Hilfe und ein mutiges öffentliches Zeugnis. Die Erklärungen des Rates wurden vom Ausschuss für Advocacy und öffentliche Verantwortung gemeinsam mit dem Team des LWB-Programms „Einsatz für Gerechtigkeit“ erstellt.

In der „Erklärung zu anhaltenden Krisen und menschlichem Leid“ äußert der Rat tiefe Besorgnis über Krisen, die schon lange unermessliches Leid verursachen, von der internationalen Staatengemeinschaft jedoch nicht ausreichend beachtet und bearbeitet werden. Der Rat ruft die internationale Staatengemeinschaft – die Vereinten Nationen (UN), Regierungen, multilaterale Institutionen und humanitäre Organisationen – auf, sich stärker für die Bewältigung anhaltender Krisen zu engagieren, die politisch und medial nur begrenzte Aufmerksamkeit erfahren. [Vollständige Erklärung auf Englisch hier lesen]

Mit Blick auf die gravierende Finanzierungslücke in der humanitären Hilfe betont der Rat, dass Politik, Praxis und Friedensarbeit unbedingt „ohne Diskriminierung auf die Bedürfnisse und Rechte aller vulnerablen und von Krisen betroffenen Menschen eingehen“ müssten. Die Achtung des humanitären Völkerrechts und der internationalen Menschenrechtsgesetzgebung sei unerlässlich, um der rechtlichen Verantwortung zum Schutz von Menschen gerecht zu werden, die von Krisen betroffenen sind.


 

Der Rat formuliert zudem tiefe Trauer über das anhaltende Leid infolge des Krieges gegen die Ukraine zum Ausdruck. Er fordert Russland auf, sich aus den ukrainischen Gebieten zurückzuziehen, und verlangte unabhängige Untersuchungen sowie die strafrechtliche Verfolgung von Verstößen gegen das Völkerrecht und von Verbrechen. In seiner „Erklärung zum Krieg gegen die Ukraine“ ruft er Regierungen und die internationale Staatengemeinschaft auf, „die diplomatischen Bemühungen um eine Beendigung des Krieges zu verstärken“, das humanitäre Völkerrecht und die internationale Menschenrechtsgesetzgebung „ohne Ausnahme“ zu achten und die Hilfe und den Schutz für die betroffene Bevölkerung auszubauen. Der Rat fordert „unerschütterliche Solidarität mit den Betroffenen“ und betont: „Schweigen und Gleichgültigkeit angesichts des Leids untergraben unsere Menschlichkeit, die uns allen gemein ist.“ [Vollständige Erklärung auf Englisch hier lesen] 

In seiner „Erklärung zur Reform des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen (UN)“ spricht sich der LWB-Rat erneut für ein System globaler Regierungsführung aus, das repräsentativer und inklusiver, transparenter und wirksamer sowie stärker rechenschaftspflichtig ist. Er ruft Regierungen und die internationale Staatengemeinschaft auf, sich mit neuer Kraft für die Stärkung der UNO einzusetzen, sich guten Willens und konstruktiv an den Verhandlungen über die Reform des Sicherheitsrates und an der umfassenderen Reformagenda zu beteiligen, vorrangig auf Diplomatie und Dialog zu setzen und festgefahrene strukturelle Ungerechtigkeiten anzugehen. Der LWB fordert, die Arbeit des Sicherheitsrates transparenter zu gestalten und ihm bessere Möglichkeiten zu geben, den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren. [Vollständige Erklärung auf Englisch hier lesen] 

In seinem „Aufruf zu Gerechtigkeit, Frieden, Versöhnung und Menschenwürde im Nahen Osten“ äußert der Rat tiefe Besorgnis über die eskalierende Gewalt in der gesamten Region und beklagt deren verheerende humanitäre Folgen. Er fordert einen dauerhaften Waffenstillstand zwischen den USA, Israel und dem Iran sowie unmittelbar anschließende Friedensverhandlungen. Es sei unerlässlich, die konzertierten internationalen Bemühungen um Dialog und Diplomatie zu verstärken und auf eine friedliche Beilegung der Krise hinzuwirken. Ziel müsse es sein, „einen gerechten und dauerhaften Frieden voranzubringen, der auf den Menschenrechten und der Würde aller Menschen beruht“, erklärt der Rat. [Vollständige Erklärung auf Englisch hier lesen] 

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Mitglieder des Ausschusses für Advocacy und öffentliche Verantwortung während einer Ausschusssitzung im Rahmen der LWB-Ratstagung in Founex, Schweiz. Foto: LWB/Albin Hillert

Mitglieder des Ausschusses für Advocacy und öffentliche Verantwortung während einer Ausschusssitzung im Rahmen der LWB-Ratstagung in Founex, Schweiz. Foto: LWB/Albin Hillert

In der „Erklärung zu Gerechtigkeit und Frieden in Palästina“ formuliert der LWB große Besorgnis über die anhaltende Besatzung palästinensischer Gebiete durch Israel, den Ausbau der Siedlungen, die von Siedlerinnen und Siedlern ausgeübte Gewalt sowie die Militäroperationen im Gazastreifen und im Westjordanland einschließlich Ostjerusalems. Der Rat fordert „den Rückzug des israelischen Militärs aus dem Gazastreifen“ sowie ein Ende der Besatzung, der Annexion und der Gewalt durch Siedlerinnen und Siedler im Westjordanland und in Ostjerusalem. Er betont, dass humanitäre Hilfe ungehinderten Zugang zum Gazastreifen und zu anderen betroffenen Gebieten erhalten müsse. Darüber hinaus seien humanitäre Korridore erforderlich, damit Patientinnen und Patienten zu notwendigen medizinischen Behandlungen evakuiert werden könnten. Der Rat bekräftigt die seit Langem bestehende Forderung des LWB nach einem „stärkeren und wirksameren Engagement“ der internationalen Staatengemeinschaft für eine Zweistaatenlösung für Palästina und Israel, und für die Gewährleistung von „Gerechtigkeit, Frieden und Rechenschaftspflicht.“ [Vollständige Erklärung auf Englisch hier lesen]

In seinem Aufruf „In Krisenzeiten Hoffnung vermitteln“ äußert der Rat Besorgnis über die zunehmende Militarisierung und eine Politik, die immer stärker auf Macht und Drohgebärden setzt. Gemäß dem Leitwort der diesjährigen Ratstagung regt er die LWB-Mitgliedskirchen sowie andere Kirchen und Glaubensgemeinschaften an, „einander zu ermutigen, den Leidenden beizustehen und beharrlich und mutig öffentlich Zeugnis abzulegen gegen Gewalt und Ungerechtigkeit“. Der LWB-Rat ruft außerdem zu einer vertieften theologischen Reflexion und zu einem stärkeren praktischen Engagement für Friedensarbeit, Versöhnung und einen respektvollen Dialog auf. [Vollständige Erklärung auf Englisch hier lesen]

LWB/P. Mumia
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