Ratstagung: Hoffnung ermutigt zu gemeinsamem Glauben und Handeln

12 Jun 2026

In seiner Begrüßung der Ratsmitglieder thematisiert LWB-Präsident Henrik Stubkjær das Thema der diesjährigen Ratstagung: die Berufung „Seid ermutigt durch den Glauben, der euch verbindet“.

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LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjær hält im Eröffnungsplenum der LWB-Ratstagung eine Ansprache. Foto: LWB/Albin Hillert

LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjær hält im Eröffnungsplenum der LWB-Ratstagung eine Ansprache. Foto: LWB/Albin Hillert

Präsident Stubkjær eröffnet Ratstagung und spricht über Thema „Seid ermutigt durch den Glauben, der euch verbindet“

(LWI) – In einer Welt, die von ineinandergreifenden Krisen geprägt ist, seien der Lutherische Weltbund (LWB) und seine Mitgliedskirchen aufgerufen, „Hoffnung zu verkörpern, einander durch den Glauben zu ermutigen, der sie verbindet, und die Last der anderen mitzutragen“. Das betonte LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjær in seiner Rede zur Eröffnung der diesjährigen Ratstagung vom 11. bis 15. Juni in Founex bei Genf in der Schweiz, in der er auch über die Arbeit der weltweiten Kirchengemeinschaft zur Unterstützung der „gemeinsamen Anstrengungen in Mission, Bildung, ökumenischen Dialogen, Advocacy-Arbeit und diakonischer Unterstützung von Menschen“ sprach.

Mit Blick auf das Thema der Tagung aus dem Römerbrief des Apostels Paulus – „Seid ermutigt durch den Glauben, der euch verbindet“ – betonte Stubkjær, den Ratsmitgliedern wäre „bewusst, wie wichtig es ist, einander im kirchlichen Dienst zu unterstützen, sich den anderen gegenüber verantwortlich zu zeigen, füreinander Verantwortung zu tragen, sich gemeinsam ein Urteil zu bilden und gemeinsam zu entscheiden“. Angesichts einer zunehmend „konfliktbeladenen und unsicheren Zukunft“ helfe die lutherische Ausrichtung auf die Kreuzestheologie dabei, „Christus im Angesicht von Leid und Schmerz zu erkennen“ und zugleich die Welt „im Licht der Auferstehungshoffnung“ wahrzunehmen.

Stubkjær benannte einige der großen Herausforderungen, vor denen Kirchen in verschiedenen Teilen der Welt stünden: militärische Konflikte, gesellschaftliche und politische Krisen, die Polarisierung von Gesellschaften, steigende Arbeitslosigkeit, die sich verschärfende Klimakrise und die Instrumentalisierung religiöser Überzeugungen. Der LWB wolle die lutherischen Kirchen zurüsten „und befähigen, sich kritisch mit der Instrumentalisierung des christlichen Glaubens und anderer Religionen zur Rechtfertigung von Militarismus und Nationalismus auseinanderzusetzen“.

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LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjær von der Evangelisch-Lutherischen Volkskirche in Dänemark im Eröffnungsgottesdienst der LWB-Ratstagung. Foto: LWB/Albin Hillert

LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjær von der Evangelisch-Lutherischen Volkskirche in Dänemark im Eröffnungsgottesdienst der LWB-Ratstagung. Foto: LWB/Albin Hillert

Zeugnis ablegen für das Evangelium des Friedens

In Zeiten geopolitischer Instabilität und gesellschaftlicher Spaltung könnten Kirchen eine wichtige Ressource sein, so der LWB-Präsident weiter. Konkret verwies er beispielsweise auf die Drohungen der USA vor Kurzem, Grönland zu annektieren, und auf den anhaltenden Konflikt im Gazastreifen und im Westjordanland. Der LWB habe öffentlich dazu aufgerufen, die Würde der Menschen und internationale Konventionen zu achten. Zugleich hätten auch andere Kirchen den Menschen in Grönland während der Krise wichtige Unterstützung zukommen lassen, Ermutigungen formuliert und „Alternativen zur Wiederaufrüstung als Machtdemonstration“ aufgezeigt.

Der LWB lege auf verschiedene Weise Zeugnis ab für das Evangelium des Friedens, etwa „durch humanitäre Hilfe in Kriegsgebieten, die Trainingsworkshops für Friedensbotschafterinnen und -botschafter und die Studiengruppe zu Frieden und Versöhnung“. Dieses Zeugnis mache nicht nur den unmittelbar daran Beteiligten Mut, sondern auch der Kirchengemeinschaft insgesamt, fügte er hinzu. Es vertiefe sich „unser gemeinsames Engagement für einen transformierenden Frieden, der nicht nur in der Abwesenheit bewaffneter Konflikte besteht, sondern Bedingungen schafft, unter denen Menschen aufblühen und ihre Gaben in die Gemeinschaft einbringen können.“

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Die Ratsmitglieder und Gäste der Ratstagung hören der Eröffnungsansprache von LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjær konzentriert zu. Foto: LWB/Albin Hillert

Die Ratsmitglieder und Gäste der Ratstagung hören der Eröffnungsansprache von LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjær konzentriert zu. Foto: LWB/Albin Hillert

Der Präsident sprach auch einige theologische Herausforderungen im Zusammenhang mit der lutherischen Identität an, wie beispielsweise die anhaltende Anziehungskraft des Wohlstandsevangeliums, den zunehmenden christlichen Nationalismus, der die Grenzen zwischen politischen Auseinandersetzungen und religiösen Konflikten verwische, sowie die allgemeinere Aushöhlung von Gendergerechtigkeit und Frauenrechten. Lutherische Kirchen stünden in der Verantwortung, diesen Herausforderungen zu begegnen und irreführenden Theologien durch Bildung und Glaubenserziehung ordinierter wie nicht-ordinierter Leitungspersonen entgegenzutreten.

Bildung, Glaubenserziehung und ganzheitliche Mission

Mit Verweis auf das wachsendes Interesse von Laiinnen und Laien in den Gemeinden, „mehr über ihren Glauben zu erfahren und sich kritisch mit ihm auseinanderzusetzen“, rief Stubkjær die LWB-Mitgliedskirchen auf, sich gemeinsam für eine bessere Finanzierung theologischer Bildung einzusetzen, in Stipendien zu investieren und Materialien in lokalen Sprachen zugänglich zu machen. Bildungsorte wie das LWB-Zentrum Wittenberg und das umorganisierte Institut für Ökumenische Forschung in Straßburg seien Räume, in denen Menschen einander durch ihren Glauben ermutigen.

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LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjær eröffnet die Ratstagung mit einer Ansprache. Foto: LWB/Albin Hillert

LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjær eröffnet die Ratstagung mit einer Ansprache. Foto: LWB/Albin Hillert

Die lutherische konfessionelle Identität entstehe nicht allein durch die Kenntnis lutherischer Lehren oder die Lektüre zentraler Texte, sagte er. Sie sei auch „das persönliche Erleben, das durch gemeinschaftliche Praxis, Gottesdienste und Liturgie, Gebet und Dank sowie dadurch geprägt werde, dass wir die Last der jeweils anderen mittragen“. Er verwies exemplarisch auf Modelle ganzheitlicher Mission, die er bei Besuchen in Äthiopien und Tansania kennengelernt habe, und fragte: „Wie können wir lernen, Kirchen in Mission zu sein, mit Menschen anderer Religionen den öffentlichen Raum zu teilen und uns gemeinsam mit ihnen dauerhaft für gerechten Frieden und Menschenwürde einzusetzen?“

Wenn es Spannungen zwischen Kirchen gebe, so Stubkjær, sei es wichtig, sich den siebten Artikel des Augsburger Bekenntnisses ins Gedächtnis zu rufen, wo es heißt: „Denn das genügt zur wahren Einheit der christlichen Kirche, dass das Evangelium einträchtig im reinen Verständnis gepredigt und die Sakramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden.“ Im Kern, so sagte er, „finden wir unsere Mitte nicht in einem Mittelweg zwischen verschiedenen politischen Lagern, zwischen konservativ und liberal; unsere Mitte ist das Bekenntnis und die Feier des Evangeliums Christi, die Rechtfertigung allein aus Glauben und die gemeinsame Teilhabe am Leib und Blut Christi.“

Wenn wir uns bewusst machen, dass „die Mitte unserer konfessionellen Identität allein in Christus“ zu verorten ist, ermögliche uns das auch, unsere eigenen Irrtümer klarer zu sehen, sagte der Präsident. So öffne sich der Weg von Selbstbezogenheit zu Inklusion, von Abgrenzung zu Offenheit und vom Abstrakten zum Konkreten. Hoffnung, so schloss er, sei „im auferstandenen Christus verkörpert“ und werde in Brot und Wein geschenkt, „gebrochen und uns gegeben, um uns über unsere Spaltung und menschlichen Irrtümer hinweg miteinander zu verbinden.“

Download the Address of the President to the LWF Council

LWB/P. Hitchen
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