Ratstagung: Epidemie der Einsamkeit durch gegenseitige Ermutigung bekämpfen

12 Jun 2026

Beim Eröffnungsgottesdienst der LWB-Ratstagung wurde thematisiert, wie wichtig es ist, einander zu stärken und von der eigenen Verletzlichkeit zu berichten.

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Eröffnungsgottesdienst zur LWB-Ratstagung in der Kirche Saint Robert in Founex, Schweiz. Foto: LWB/Albin Hillert

Eröffnungsgottesdienst zur LWB-Ratstagung in der Kirche Saint Robert in Founex, Schweiz. Foto: LWB/Albin Hillert

Technologie kann menschliche Nähe niemals ersetzen, betonte Pfarrerin Mesrawati Telaumbanua im Eröffnungsgottesdienst

(LWI) – Die Kirche Saint Robert in Founex, unweit von Genf direkt am Genfer See gelegen, bot einen malerischen Rahmen für den Eröffnungsgottesdienst zum Auftakt der Ratstagung des Lutherischen Weltbundes (LWB). Überschrieben ist die Tagung vom 11. bis 15. Juni mit Worten aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom: „Seid ermutigt durch den Glauben, der euch verbindet.“

Dieses biblische Motto „ist hochaktuell und enthält eine eindringliche Botschaft für uns alle“, unterstrich Pfarrerin Mesrawati Telaumbanua, eine junge Pastorin der Protestantisch-Christlichen Kirche in Indonesien und Mitglied im LWB-Rat. Sie schlug in ihrer Predigt eine Brücke von den Schmerzen und Herausforderungen der Gemeinde in Rom im 1. Jahrhundert nach Christus, an die der Apostel Paulus schrieb, zur „globalen Epidemie der Einsamkeit“, die viele Menschen in unserer digital vernetzten Welt heute erleben.

„Menschen können in der virtuellen Welt Tausende ‚Freunde‘ oder ‚Follower‘ haben und sich in der realen Welt trotzdem völlig allein fühlen“, sagte sie. Ein deutliches Zeichen dieser Epidemie sei „unsere extreme Sucht nach Handybildschirmen“. Dort suchen wir nach „oberflächlicher Bestätigung“ und spüren doch eine Leere in unseren Herzen, sagte sie. „Warum geschieht das? Weil Technologie Daten übertragen, aber niemals die Wärme echter Verbundenheit ersetzen kann.“

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Pfarrerin Mesrawati Telaumbanua von der Protestantisch-Christlichen Kirche in Indonesien (BNKP) hält im Eröffnungsgottesdienst zur LWB-Ratstagung in Founex, Schweiz, die Predigt. Foto: LWB/Albin Hillert

Pfarrerin Mesrawati Telaumbanua von der Protestantisch-Christlichen Kirche in Indonesien (BNKP) hält im Eröffnungsgottesdienst zur LWB-Ratstagung in Founex, Schweiz, die Predigt. Foto: LWB/Albin Hillert

So wie Paulus wollte, dass die frühen christlichen Gläubigen in der Gemeinde in Rom „einander in schweren Zeiten trösten und ermutigen“, müssten Gläubige heute lernen, „den Blick nach außen zu richten“, fuhr Telaumbanua fort. Sie müssten den Mut haben, über persönliche Krisen und die eigene Vulnerabilität zu sprechen und anderen in ihrem Schmerz und in ihrer Freude zuzuhören.

Besonders Pfarrpersonen und kirchliche Leitungspersonen hätten „oft Angst, schwach zu wirken“. Viele seien „am Ende erschöpft, gestresst und ausgebrannt“ und blieben damit allein und isoliert. „Bitte verschweigt nicht die Krisen, mit denen ihr kämpft“, appellierte sie, denn „eure Ehrlichkeit könnte Unterstützung für einen anderen Menschen in seinem Wirken sein. Wir brauchen einander wirklich.“

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Die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher versammeln sich im Rahmen des Eröffnungsgottesdienstes zur LWB-Ratstagung vor der Kirche Saint Robert in Founex zum Abendmahl. Foto: LWB/Albin Hillert

Die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher versammeln sich im Rahmen des Eröffnungsgottesdienstes zur LWB-Ratstagung vor der Kirche Saint Robert in Founex zum Abendmahl. Foto: LWB/Albin Hillert

Um die Bedeutung stärkerer Verbundenheit und gegenseitiger Ermutigung sichtbar zu machen, sprachen die Teilnehmenden einander den Friedensgruß zu, während sie aus der Kirche gingen und draußen einen Kreis bildeten, um einander das Heilige Abendmahl zu reichen. „Wir stärken einander mit den Gaben von Brot und Wein und zeigen damit, dass wir aufeinander angewiesen sind“, sagte Pfarrerin Allison Werner Hoenen, LWB-Koordinatorin für Liturgiewissenschaft. „Und nach dem Gottesdienst wollen wir dieses Miteinander beim gemeinsamen Kaffeetrinken fortsetzen. Damit unterstreichen wir, wie wichtig es ist, einander im Alltag ebenso wie in unserem Wirken in der Kirche zu ermutigen und zu unterstützen“, fügte sie hinzu.

Die im Jahr 1898 erbaute Kirche Saint Robert wird von verschiedenen katholischen Gemeinden vor Ort im Schweizer Kanton Waadt am Westufer des Genfersees genutzt.

LWB/P. Hitchen
Land:
Schweiz
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