Neue Initiative für junge Erwachsene verbindet Glauben und gesellschaftliches Engagement

10 Jun 2026

Junge Erwachsene erkunden, wie Theologie den Kampf gegen Ungerechtigkeit prägt und ein stärkeres gesellschaftliches Engagement für Menschenrechte fördert.

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Junge Erwachsene aus LWB-Mitgliedskirchen nehmen aktiv an verschiedenen lokalen, regionalen und globalen Aktivitäten der lutherischen Kirchengemeinschaft teil. Hier zu sehen: Teilnehmende bei einem Vorbereitungstreffen zur LWB-Ratstagung im Juni 2025 in Addis Abeba, Äthiopien. Foto: LWB/Albin Hillert

Junge Erwachsene aus LWB-Mitgliedskirchen nehmen aktiv an verschiedenen lokalen, regionalen und globalen Aktivitäten der lutherischen Kirchengemeinschaft teil. Hier zu sehen: Teilnehmende bei einem Vorbereitungstreffen zur LWB-Ratstagung im Juni 2025 in Addis Abeba, Äthiopien. Foto: LWB/Albin Hillert

Workshop zu „Theologie, Menschenrechten und Demokratie“ gibt Impulse für aktives Eintreten für Wandel

(LWI) – Welche Themen aus dem lokalen, nationalen oder globalen Kontext bereiten jungen Menschen schlaflose Nächte? Wie können diese Themen durch gesellschaftliches Engagement angegangen werden? Und wie lassen sich junge Führungspersonen dabei von ihrem Glauben leiten und inspirieren?

Um diese und ähnliche Fragen ging es bei einem Workshop zum Thema „Theologie, Menschenrechte und Demokratie“, den das Jugendreferat des Lutherischen Weltbundes (LWB) organisiert hat. An der dreiteiligen Online-Veranstaltung, die am 6. Juni endete, nahmen rund 140 junge Menschen aus mehr als 40 LWB-Mitgliedskirchen in allen sieben Weltregionen der Kirchengemeinschaft teil.

Auf die Frage nach den größten Herausforderungen in ihren Gesellschaften nannten die meisten Teilnehmenden Arbeitslosigkeit, wiederkehrende Konflikte, Diskriminierung, schlechte Regierungsführung, Rassismus und geschlechtsspezifische Gewalt. Andere verwiesen auf schlechte Bildungssysteme und die schwindenden Möglichkeiten für junge Menschen, an Entscheidungen mitzuwirken, die ihr eigenes Leben betreffen.

Der Workshop war der Auftakt zu einer Reihe von Angeboten, mit denen der LWB junge Menschen in ihren Kompetenzen und Leitungsfähigkeiten zurüsten will. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Einsatz für Demokratie und Menschenrechte in den Gemeinwesen. Der Workshop knüpft an verschiedene etablierte Initiativen des LWB wie die alljährlichen Trainingsworkshops für Friedensbotschafterinnen und -botschafter, regionale Tagungen von jungen Erwachsenen und die Advocacy-Arbeit für Klimagerechtigkeit an.

Die Workshopleitenden Kai Langer aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Deutschland, und Shadin Nassar aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELKJHL) begleiteten die Teilnehmenden durch verschiedene Übungen zur Kompetenzentwicklung, in denen sie zentrale Anliegen und deren Ursachen herausarbeiteten und überlegte, wie jede und jeder Einzelne Veränderung anstoßen kann.

„Jedes große und visionäre Projekt beginnt damit, dass eine Handvoll Menschen zusammenkommt und beschließt, das gesellschaftliche Umfeld zu verändern, in dem sie leben“, erklärte Langer. Junge Menschen fühlten sich angesichts der vielen Krisen oft überfordert, „bringen aber auch Ideen, Erfahrungen und eine Vision von Gerechtigkeit mit“, sagte er. „Wir wollten mit diesem Workshop zeigen, dass tatsächlicher Wandel nicht nur von Menschen angestoßen wird, die seit Jahrzehnten in diesem Bereich tätig sind, oder von bekannten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Sehr oft geht er auch von jungen Menschen aus.“

Unter den Anliegen, die von den Teilnehmenden angesprochen wurden, waren Jugendarbeitslosigkeit in Tansania und Papua-Neuguinea, schlechte Regierungsführung und interreligiöse Konflikte in Nigeria, Diskriminierung von Minderheiten in Indien, Rassismus gegenüber Migrantinnen und Migranten in Deutschland, Wohnungsunsicherheit in Brasilien, Femizide in Kenia sowie insgesamt der Ausschluss von Frauen und jungen Menschen aus Entscheidungsräumen in Kirche und Gesellschaft.

Für mehr Engagement im öffentlichen Leben

Die Teilnehmenden benannten nicht nur Herausforderungen, sondern fragten auch danach, wie ihr Glaube und die lutherische Theologie den Kampf gegen Ungerechtigkeit prägen und das Engagement im öffentlichen Leben stärken können. In theologischen Reflexionen, im Gebet und beim gemeinsamem Lernen von Gleichaltrigen beschäftigten sie sich mit der Tatsache, dass das Evangelium christliche Gläubige dazu ruft, die Menschenwürde zu achten, Menschenrechte zu verteidigen und zu gerechten und friedlichen Gesellschaften beizutragen. Außerdem sprachen sie über die Möglichkeiten, durch kirchliche und ökumenische Netzwerke tragfähigere Partnerschaften aufzubauen.

Viele junge Menschen setzen sich bereits in unterschiedlicher Form für Veränderung und Wandel in Kirche und Gesellschaft ein. Der Workshop wollte an diese Dynamik anknüpfen und ihre Kompetenzen weiter stärken. „Ein Glaube, der angesichts von Leid schweigt, ist nicht der Glaube, den Jesus vorgelebt hat“, sagte Nassar.

Die Gespräche stellten gängige Vorstellungen davon infrage, was gesellschaftliches Engagement bedeutet und wie es aussehen kann. John Jacob aus der Lutherischen Kirche Christi in Nigeria berichtete, der Workshop habe ihm gezeigt, dass schon kleine, bewusste Schritte viel bewirken können.

„Ich habe gelernt, dass ich nicht erst auf ein großes Projekt warten muss, um etwas zu bewegen“, sagte er. „Ich kann dort anfangen, wo ich gerade bin, kann meine Stimme erheben, aktiv werden und zum Aufbau einer gerechteren und menschlicheren Gesellschaft beitragen.“

Für Anderson Strohm aus der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien waren insbesondere die Gespräche in den Kleingruppen sehr wertvoll. „Die klar strukturierte Redezeit hat uns ermöglicht, über Leitungsverantwortung junger Menschen und die Herausforderungen in unseren Gemeinwesen zu sprechen, ebenso wie über unsere Möglichkeiten, jenen Wandel anzustoßen und mitzugestalten, den wir in unseren Kirchen sehen wollen“, erklärte er.

Die Energie, Kreativität und kraftvolle Stimme junger Menschen seien wichtige Ressourcen, um Demokratie sinnvoll mitzugestalten, sagte Amos Kanunga aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania. Er betonte: „Durch Wahlen, die Übernahme von Leitungsverantwortung, soziale Medien und Engagement in ihren Gemeinwesen können junge Menschen positive Veränderungen fördern, Rechenschaft einfordern und zur gesellschaftlichen Entwicklung beitragen.“

LWB-Jugendreferentin Savanna Sullivan sieht in dem Workshop eine Antwort auf den wachsenden Wunsch vieler junger Menschen, ihren Glauben mit gesellschaftlichem Engagement zu verbinden.

Kreative Werkzeuge, neue Impulse und Selbstvertrauen

„Junge Menschen treten schon heute gegen die Ungerechtigkeit ein, die sie in ihren Kirchen und Gesellschaften tagtäglich erleben“, sagte sie. „Der Workshop hat ihnen Raum gegeben, sich unter theologischen Aspekten Gedanken über diese Erfahrungen zu machen, neue und kreative Werkzeuge für ihr Engagement kennenzulernen, über Regionen hinweg voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu inspirieren. So konnten sie das Selbstvertrauen stärken, das sie brauchen, um sich für Gerechtigkeit, Menschenrechte und demokratische Teilhabe einzusetzen.“

Zum Abschluss des Workshops äußerte Sullivan die Hoffnung, dass die Gespräche und Aktionspläne, die in den kommenden Wochen und Monaten entwickelt würden, eine neue Generation von jungen Führungspersonen ermutigen würden, sich weiter mit der Verbindung zwischen ihrem Glauben und strukturierten gesellschaftlichen Kampagnen zu beschäftigen, die Gerechtigkeit, Menschenwürde und Inklusion in ihren Gemeinwesen förderten.

LWB/P. Mumia
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