Mehr Unterstützung für Venezuelas anhaltende Notlage benötigt

16 Jul 2026

LWB ruft zu mehr Unterstützung auf und weitet humanitäre Hilfe aus, um auf wachsende Bedarfe zu reagieren, vor allem in den Bereichen Wasser- und Sanitärversorgung, Nahrungsmittel, Unterkünfte und psychosoziale Unterstützung.

Image
Golda Ibarra, LWB-Vertreterin für Kolumbien und Venezuela, bei einem Besuch in einer der am stärksten betroffenen Gegenden in La Guaira. Foto: LWB/Freisy González

Golda Ibarra, LWB-Vertreterin für Kolumbien und Venezuela, bei einem Besuch in einer der am stärksten betroffenen Gegenden in La Guaira. Foto: LWB/Freisy González

Auf Gemeinwesen ausgerichteter Ansatz des LWB priorisiert Wasser, Sanitärversorgung, Nahrung, Unterkünfte und psychosoziale Unterstützung

(LWI) – Die langfristigen Folgen der jüngsten Erdbeben in Venezuela treten immer deutlicher zum Vorschein. Während die Hilfe für die Betroffenen nachlässt, machen weitere Lagebeurteilungen das enorme Ausmaß der Zerstörung in einigen der am stärksten getroffenen Gebiete sichtbar. Der Lutherische Weltbund (LWB) weitet seine Hilfsmaßnahmen aus, um auf den wachsenden humanitären Bedarf zu reagieren. Zu den obersten Prioritäten gehören Wasser, Sanitärversorgung, Nahrung, Unterkünfte und psychosoziale Unterstützung.

„Besonders große Bedarfe bestehen im Bereich Wasser, Sanitär und Hygiene (WASH), aber auch psychologische Unterstützung und Nahrungsmittel werden dringend benötigt. Die Hilfe, die hier ankommt, hat in den letzten Tagen deutlich abgenommen“, sagte Golda Ibarra, Vertreterin des LWB für Kolumbien und Venezuela, nach einem Besuch in einem der am stärksten zerstörten Viertel in La Guaira am 7. Juli.

Ibarra erklärte, die humanitären Hilfsmaßnahmen befänden sich „noch in einer frühen Phase“, und rief zu mehr Unterstützung auf, denn „dies wird keine auf drei Monate begrenzte Intervention sein – die Hilfe muss über weitere Monate, über einen längeren Zeitraum weitergehen“. Auch psychosoziale Unterstützung werde dringend benötigt, nicht nur für Menschen, die Angehörige verloren haben, und für die Rettungskräfte, sondern auch für andere Mitglieder der betroffenen Gemeinwesen.

Gleichzeitig stellte die LWB-Vertreterin fest: „Die Menschen haben den Ort nicht aufgegeben. Sie bitten um Unterstützung mit Lebensmitteln und Wasser, damit sie weiter nach vermissten Angehörigen suchen können. Gleichzeitig sind Tausende von Menschen ohne Obdach oder können nicht in ihre Wohnungen zurückkehren.“

Auf Gemeinwesen ausgerichteter Ansatz

Durch die Zerstörung oder Beschädigung von Wassersystemen und öffentlicher Infrastruktur ist das Krankheitsrisiko deutlich erhöht, und viele Gemeinwesen haben nach wie vor keinen Zugang zu grundlegenden Versorgungsleistungen. Der LWB verfolgt einen Ansatz, der ganz auf die Gemeinwesen ausgerichtet ist: Er stellt Nothilfepakete in Kirchen, Schulen, Gemeindezentren und anderen Einrichtungen bereit, in denen Menschen untergebracht sind, die ihr Zuhause verlassen mussten, und versorgt zugleich auch diejenigen, die solche Zentren nicht aufsuchen können. „Wir dürfen nicht vergessen, dass besonders vulnerable Gruppen wie Kinder und ältere Menschen nicht zu Fuß zu den Notunterkünften gelangen können“, betonte Ibarra.

Bis heute hat der LWB fast 5.000 Menschen mit rund 500 humanitären Hilfspaketen versorgt, die Lebensmittel, Hygieneartikel und andere Bedarfsgüter enthalten. Die Hilfsgüter wurden in Notunterkünften für Menschen verteilt, die ihr Zuhause verlassen mussten, unter anderem an der Maritime University in La Guaira, wo mehr als 2.000 Menschen untergebracht sind.  Gesundheitsversorgung und psychosoziale Unterstützung erreichen zudem täglich rund 200 Menschen auf dem Campo de Golf in Caraballeda.

Eine schnelle Bedarfserhebung, die vom INTEGRAS-Konsortium, dem auch der LWB angehört, in Caracas, Miranda, La Guaira, Aragua und Delta Amacuro durchgeführt wurde, ergab, dass mehr als 13.500 Menschen in 17 Gemeinschaftsunterkünften leben. Schätzungsweise 17.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, ihre Existenzgrundlage verloren zu haben. Viele weitere Familien halten sich nach wie vor außerhalb offizieller Notunterkünfte auf; in diesen Bereichen hatte zum Zeitpunkt der Erhebung noch keiner der befragten Haushalte humanitäre Hilfe erhalten.

Image
Vom Erdbeben beschädigte Wohngebäude im Stadtteil Caribe in La Guaira. Foto: LWB/Freisy González

Vom Erdbeben beschädigte Wohngebäude im Stadtteil Caribe in La Guaira. Foto: LWB/Freisy González

Image
Im César-Nieves-Stadion in La Guaira wurden Notunterkünfte für die vom Erdbeben betroffenen Menschen eingerichtet. Foto: LWB/Freisy González

Im César-Nieves-Stadion in La Guaira wurden Notunterkünfte für die vom Erdbeben betroffenen Menschen eingerichtet. Foto: LWB/Freisy González

Image
Mildred Hernández de Betancourt, die in einer Unterkunft für vom Erdbeben betroffene Menschen im Stadion César Nieves in La Guaira untergebracht ist, berichtete dem LWB-Team von ihren Erfahrungen. Foto: LWB/Freisy González

Mildred Hernández de Betancourt, die in einer Unterkunft für vom Erdbeben betroffene Menschen im Stadion César Nieves in La Guaira untergebracht ist, berichtete dem LWB-Team von ihren Erfahrungen. Foto: LWB/Freisy González

Langer Wiederaufbauprozess

Die Ergebnisse bestätigten zudem, dass die extreme Zerstörungskraft der unmittelbar aufeinander folgenden Erdbeben am 24. Juni bereits bestehende Schwachstellen in der Versorgung verschärft hat, besonders in den Bereichen Unterkunft, Schutz, Gesundheit, Wasserversorgung und Sanitärversorgung. Besonders schwer betroffen sind Kinder, Frauen, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen und Familien, die ihr Zuhause verlassen mussten.

Neben Wohnhäusern und Infrastruktur wurden auch kleine Unternehmen und lokale Geschäfte zerstört. Viele Familien haben dadurch ihr Einkommen verloren. Während die Gemeinwesen den langen Weg zurück in den Alltag beginnen, werden der LWB und seine Partner ihre Hilfe weiter ausbauen, um in den kommenden Monaten mehr Menschen zu erreichen und die vulnerabelsten Gruppen zu unterstützen.

Nach den neuesten Angaben des Amtes der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) wurden seit Beginn der Notsituation offiziell 3.889 Todesopfer der Erdbeben gezählt, 16.740 Menschen wurden verletzt, 6.462 Menschen wurden gerettet, und schätzungsweise 17.907 Menschen haben ihr Zuhause verloren.

Image
Menschen gehen durch ein Gebiet mit zerstörten Gebäuden in Tanaguarena, La Guaira. Foto: LWB/ Freisy González

Menschen gehen durch ein Gebiet mit zerstörten Gebäuden in Tanaguarena, La Guaira. Foto: LWB/ Freisy González

Image
Das LWB-Team führt eine Bedarfserhebung im Sammelzentrum und in der Unterkunft für vom Erdbeben betroffene Menschen im Stadion César Nieves in La Guaira durch. Foto: LWB/ Freisy González

Das LWB-Team führt eine Bedarfserhebung im Sammelzentrum und in der Unterkunft für vom Erdbeben betroffene Menschen im Stadion César Nieves in La Guaira durch. Foto: LWB/ Freisy González

Image
In La Páez, La Guaira, wurden Geschäftsgebäude zerstört und Geschäfte geplündert. Foto: LWB/Freisy González

In La Páez, La Guaira, wurden Geschäftsgebäude zerstört und Geschäfte geplündert. Foto: LWB/Freisy González

LWB/P. Mumia