LWB Mitveranstalter von hochrangig besetzter Konsultation zur Strategieplanung für ökumenische Zusammenarbeit
LWB unterstreicht bei ökumenischer Konsultation die Rolle von religiösen Organisationen für den Schutz von Menschenwürde und die Vermittlung von Hoffnung.
Von links nach rechts: Generalsekretär Rudelmar Bueno de Faria (ACT Alliance), Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt (LWB) und Generalsekretär Pastor Prof. Dr. Jerry Pillay (ÖRK) bei der Konsultation von Führungskräften zur ökumenischen Zusammenarbeit in Bossey, Schweiz. Foto: Gregoire de Fombelle/ÖRK
Strategische Prioritäten und gemeinsame Verantwortungsbereiche herausgearbeitet
(LWI) – Eine Konsultation von Führungskräften verschiedener Partner zur ökumenischen Zusammenarbeit am 29. und 30. April im Ökumenischen Institut in Bossey bot Führungspersonen vom Lutherischen Weltbund (LWB), dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), der ACT Alliance und weiteren Partnerorganisationen Raum für einen offenen und zukunftsorientierten Austausch.
Ziel der Konsultation war es, gemeinsam Verantwortungsbereiche, strategische Prioritäten und Erwartungen an die ökumenische Zusammenarbeit, Kooperation und insbesondere die Advocacyarbeit sowie die humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit herauszuarbeiten. Darüber hinaus erörterten die Teilnehmenden den besonderen Wert, den strategischen Mehrwert und das transformative Potenzial der ökumenischen Zusammenarbeit unter denjenigen, die sich dem ökumenischen Zeugnis und ökumenischen Handeln verpflichtet fühlen.
LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt hob die besondere Bedeutung von Organisationen, die aus dem Glauben heraus handeln, und von globaler Solidarität jenseits von Projektzyklen hervor. Sie unterstrich die fest verwurzelte Präsenz der Kirchen vor Ort, ihre von Vertrauen geprägten Beziehungen, ihre wertebasierte moralische Glaubwürdigkeit und die globale Solidarität, die „in guten wie in schlechten Zeiten von Hoffnung getragen“ ist.
Sie wies auf den zunehmend bedenklichen Trend hin, die Menschenwürde als verhandelbar darzustellen, und betonte die moralische Verantwortung von christlichen Akteuren, die allen Menschen „angeborene Würde [zu bekräftigen], die nicht an Nationalität, Produktivität, politischen Nutzen, Religion, Geschlecht oder Status gebunden ist“. Glaubensgemeinschaften hätten zudem die Aufgabe, das Narrativ zu verbreiten, dass „Hoffnung stärker ist als Verzweiflung, Versöhnung stärker als Hass und Solidarität stärker als Angst“, und den Menschen zu helfen, wieder Vertrauen aufzubauen und sich wieder eine Zukunft ausmalen zu können.
Die LWB-Generalsekretärin verwies auf die immer schwächer werdende Zusammenarbeit unter säkularen Organisationen und ermutigte die aus dem Glauben heraus handelnden Partner, Räume für Dialog und Austausch zu schaffen, wo andere nur gegnerische oder verfeindete Lager sehen. „Wenn sich die öffentliche Meinung verändert und die Zusammenarbeit unter multilateralen Organisationen nachlässt, haben christliche Akteure eine moralische Verantwortung, gemeinsam für den Schutz der Menschenwürde einzutreten.“
Zum Dienst berufen
ÖRK-Generalsekretär Pastor Prof. Dr. Jerry Pillay erklärte, das Treffen habe „nicht nur einen institutionellen Grund, sondern ist höchst theologisch, hat mit unserer Mission zu tun und ist angesichts der Lage in der Welt, der zu dienen wir berufen sind, sehr wichtig.“ Er rief die anderen Teilnehmenden auf, nicht mehr nur zusammenzuarbeiten, sondern bewusst und auf allen Ebenen zu kooperieren. „Eine der ganz dringenden Herausforderungen, mit denen wir derzeit konfrontiert sind, ist die Zerstückelung unserer Stimme, unserer Mittel und zuweilen auch der von uns verfolgten Strategie“, sagte er.
„Geschlossenheit und Zusammenwirken sind für die Glaubwürdigkeit unseres Zeugnisses von entscheidender Bedeutung“, so Pillay. „Unsere theologische Reflexion und unser humanitäres Engagement, unsere Advocacyarbeit auf globaler Ebene und die Weggemeinschaft an der Basis, unsere institutionellen Strukturen und die konkreten Lebensrealitäten der Kirchen und Gemeinden vor Ort müssen schlüssig und stimmig sein und zusammenwirken.“
„Das verlangt nicht Einheitlichkeit oder Uniformität, aber es erfordert eine bewusste gemeinsame Ausrichtung“, betonte er. „Ich glaube, dies ist ein Kairos-Moment für uns. Es geht hier nicht um das Überleben unserer Institutionen, sondern um glaubenstreue Nachfolge in einer verwundeten Welt.“ Er rief zur Zusammenarbeit auf und wagte die Hoffnung: „Lasst uns den Mut haben, nicht nur zusammenzuarbeiten, sondern durch unsere Zusammenarbeit verwandelt zu werden.“
Ein erster Schritt
Für Rudelmar Bueno de Faria, den Generalsekretär der ACT Alliance, bot die Konsultation Raum für einen offenen und zukunftsorientierten Dialog.
„In der Vergangenheit war die ökumenische Zusammenarbeit immer eine Reaktion auf politische und gesellschaftliche Dynamiken“, erklärte er. „Bei diesem Treffen soll es um vorausschauende strategische Gespräche auf der Führungsebene gehen.“
Alle Anwesenden würden versuchen, die Lage in der Welt ganzheitlicher zu betrachten, so Faria weiter.
„Es ist der Anfang eines längeren Prozesses“, sagte er. „Was es nicht ist: Eine Konsultation, auf der wir Entscheidungen treffen. Sondern ein erster Schritt hin zu einem längeren Austausch.“
Teilnehmende an der Konsultation von Führungskräften zur ökumenischen Zusammenarbeit in Bossey, Schweiz. Foto: Gregoire de Fombelle/ÖRK
Auch Maria Immonen, die Direktorin der Abteilung für Weltdienst, dem für humanitäre Hilfe und Entwicklungsarbeit zuständige Arm des LWB, nahm an der Konsultation teil. Foto: Gregoire de Fombelle/ÖRK
Hoffnung in unsicheren Zeiten
Bibelarbeiten im Rahmen der Morgenandachten an beiden Tagen der Konsultation betteten die Gespräche in einen theologischen Rahmen.
Pastorin Pauliina Parhiala, Exekutivdirektorin von FELM, der Finnischen Evangelisch-Lutherischen Mission, unterstrich in ihren Gedanken zu 2.Korinther 1,1-6, dass die Konsultation in einer Zeit stattfände, in der die Welt fragil und unsicher wirke, es aber gleichzeitig viel Engagement, Mut und Hoffnung gebe.
„Die Hoffnung entsteht, wenn wir uns in Erinnerung rufen, dass Gott uns schon genau dort begegnet ist, wo es schwierig ist – und uns nicht verlassen hat“, erklärte sie. „Wir sind nicht gerechtfertigt, weil unsere Lage vielsprechend aussieht, sondern weil Gott uns treu bleibt“, sagte sie weiter. „Nicht durch unsere menschliche Leistungsfähigkeit oder unser Tun ist die Zukunft gesichert, sondern durch Gottes Verheißung.“
Pastor Dr. Japhet Ndhlovu, Leitender Geistlicher der Missionsabteilung der Vereinigten Kirche von Kanada, konzentrierte sich in der zweiten Bibelarbeit auf Römer 5,1-11. Er sprach über Hoffnung als Trotzreaktion, die verankert sei in der Überzeugung, dass „der Gott der Hoffnung uns erfüllt mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass wir überströmen mit Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes“.
„Jedes Mal, wenn wir uns entschließen, den Menschen am Rand der Gesellschaft zuzuhören, anstatt die Menschen in der Mitte zu schützen, jedes Mal, wenn wir grenzüberschreitend unsere Mittel gemeinsam nutzen, jedes Mal, wenn in unseren Gottesdiensten die Wahrheit über das Weltreich ausgesprochen und den Armen die frohe Botschaft verkündigt wird, verkörpern wir eine große Hoffnung, wagen wir mutige Hoffnung und setze eine kühne Hoffnung in die Tat um. Und damit schließen wir uns der Vision der Vereinigten Kirche an, ‚Gemeinschaften zu sein, die voller Hoffnung sind, vereint in fest verankerter Spiritualität, animierendem Gottesdienst und kühner Gerechtigkeit‘.“
In der Morgenandacht am ersten Tag wurde zudem an Prof. Jione Havea erinnert. Havea war ein renommierter ökumenischer Theologe aus Tonga, der in den frühen Morgenstunden dieses Tages verstorben war. Die Generalsekretärin des LWB und die Generalsekretäre des ÖRK und der ACT Alliance zündeten eine Kerze an und riefen zu einer Schweigeminute auf, um sein Vermächtnis zu würdigen.
Zum Abschluss der Konsultation wurden die weiteren Schritte der verschiedenen Organisationen und der bei der Tagung anwesenden Personen erörtert.