LWB-Mitgliedskirchen in Südamerika stärken Zusammengehörigkeitsgefühl und gemeinsames Zeugnis

21 Apr 2026

Teil der weltweiten LWB-Gemeinschaft zu sein, bestärkt Kirchen in ihrem Glauben und Zeugnis angesichts von zunehmenden gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen. Südamerikanische Kirchenleitende heben bei Regionaltagung daher Zusammenarbeit hervor.

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Teilnehmende der Konferenz von Führungspersonen lutherischer Kirchen in Südamerika, die am 8. und 9. April in Lima, Peru, stattgefunden hat. Foto: LWB/E. Albrecht

Teilnehmende der Konferenz von Führungspersonen lutherischer Kirchen in Südamerika, die am 8. und 9. April in Lima, Peru, stattgefunden hat. Foto: LWB/E. Albrecht

Regionalkonferenz bietet Plattform „uns gegenseitig in unserer Mission“ zu bestärken

(LWI) – Vor dem Hintergrund der wachsenden gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen in Südamerika haben die Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes (LWB) in der Region ihr gemeinsames Bekenntnis zur Weggemeinschaft miteinander bekräftigt.

Bei einem Treffen am 8. und 9. April in Lima, Peru, unter der Überschrift „Lasst uns einander durch unseren Glauben Mut zusprechen“ haben 21 Teilnehmende aus neun Kirchen der LWB-Region Lateinamerika und die Karibik (LAK) – Kirchenleitende sowie Führungspersonen aus Frauen- und Jugendnetzwerken – über Erfahrungen aus ihren jeweiligen Lebenskontexten berichtet und bekräftigt, dass die Zugehörigkeit zur weltweiten LWB-Gemeinschaft ihr Zeugnis stärke.

Die Teilnehmenden erfuhren, dass zunehmende Ungleichheit, Umweltzerstörung, wachsender Fundamentalismus und Gewalt – insbesondere gegen Frauen – die Gegebenheiten prägten, in denen die Kirchen in Südamerika lebten und wirkten. Auf viele Kirchen würde nicht nur Druck ausgeübt, sondern sie hätten auch nur begrenzte Mittel zur Verfügung und seien mit einem Pastorenmangel konfrontiert.

Der Präsident der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Venezuela (IELV) Pastor Gerardo Hands hat online an der Konferenz teilgenommen. Er berichtete von den Bemühungen der IELV, den Gemeindemitgliedern und anderen Menschen im Umfeld der Kirche angesichts der zunehmenden politischen Spannungen und Menschenrechtsprobleme Dinge des täglichen Bedarfs wie Nahrungsmittel und medizinische Grundversorgung zugänglich zu machen, zu denen sie sonst keinen Zugang hätten.

Der LWB ist eine Organisation, die uns vertritt, uns einbindet und uns gleichzeitig Kraft gibt

Pfr. Leonardo Schindler, Präsident der Evangelischen Kirche am La Plata, Argentinien

Aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Guyana berichtete eine Teilnehmerin, dass die Zahl der Menschen, die in die Kirche kommen oder an den Aktivitäten der Kirche teilnehmen, habe gesteigert werden können, weil die Online-Gottesdienste beibehalten worden seien, die während der COVID-19-Pandemie eingeführt worden waren. Ebenso habe dadurch das Zusammen- und Zugehörigkeitsgefühl von Menschen verbessert werden können, die früher nicht regelmäßig zum Gottesdienst kommen konnten.

Die konkreten Lebenserfahrungen von Frauen haben Gegebenheiten hervorgehoben, über die sonst oftmals hinweggesehen wird. Pfarrerin Carmen Michel, die Koordinatorin des LAK-Netzwerks für Gendergerechtigkeit und die Teilhabe von Frauen, unterstrich, wie wichtig Sichtbarkeit sei. „Wir berichten hier konkret über die Lebenserfahrungen von Frauen, die Dinge, mit denen sie ringen, ihre Hoffnungen, den von ihnen praktisch gelebten Glauben und die Herausforderungen, mit denen sie in ihren Gemeinwesen konfrontiert sind.“ Sie unterstrich, dass „man das Evangelium nicht verkünden kann, ohne anzusprechen, was dem Leben schadet, insbesondere wenn es um Gewalt gegen Frauen geht, die wir hier als Sünde bezeichnen“.

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In einer Andacht unter Leitung des LAK-Jugendnetzwerks waren alle Anwesenden eingeladen, eigene Sorgen auf ein Stück Papier zu schreiben, das dann verbrannt wurde. Foto: LWB/E. Albrecht

In einer Andacht unter Leitung des LAK-Jugendnetzwerks waren alle Anwesenden eingeladen, eigene Sorgen auf ein Stück Papier zu schreiben, das dann verbrannt wurde. Foto: LWB/E. Albrecht

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Wendy Leyva Ponce, die Schatzmeisterin der Lutherischen Kirche Perus, überreichte allen Teilnehmenden ein Geschenk: Ein Werkstück traditioneller peruanischer Töpferkunst. Foto: LWB/E. Albrecht

Wendy Leyva Ponce, die Schatzmeisterin der Lutherischen Kirche Perus, überreichte allen Teilnehmenden ein Geschenk: Ein Werkstück traditioneller peruanischer Töpferkunst. Foto: LWB/E. Albrecht

Raum für Dialog, Zusammengehörigkeitsgefühl und Lernen

Als zentrales Thema der Tagung entpuppte sich der Dialog zwischen den verschiedenen Generationen. Die Vertreterinnen und Vertreter des LAK-Jugendnetzwerks unterstrichen, wie wichtig es sei, dass sie in die Führungsverantwortung eingebunden würden. Der Jugendleiter Rodolfo Catunta Uturunco aus der Bolivianischen Evangelisch-Lutherischen Kirche erklärte, dass die Teilhabe an der Führungsverantwortung wichtig sei, „weil das Möglichkeiten für generationenübergreifenden Dialog schafft und wir dadurch von den Erfahrungen unserer Bischöfinnen und Bischöfe und Kirchenpräsidentinnen und -präsidenten lernen können“. Nach Ansicht von Rocio Choque von der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Argentinien, fördert die Teilnahme an einer Tagung wie dieser das Zugehörigkeitsgefühl. „Es hilft uns, weiterhin unsere Zukunft zu gestalten... und das Gefühl zu haben, dazuzugehören. Wir können dadurch besser verstehen, dass unsere Teilhabe einen Mehrwert bedeutet, sich lohnt und wichtig ist“, sagte sie.

Alle Teilnehmenden konnten mit eigenen Augen auch einige der Herausforderungen sehen, mit denen die gastgebende Kirche, die Lutherische Kirche Perus (ILP), konfrontiert ist. Pfr. Pedro Bullón und weitere nicht-ordinierte Kirchenleitende nahmen sie mit zu einem Strandsäuberungsprojekt in der Gemeinde El Buen Pastor, die versucht, die Menschen für die Risiken im Zusammenhang mit der Müllverschmutzung im öffentlichen Raum, in Flüssen und an Stränden zu sensibilisieren. Die politische Instabilität im Land verschärfe die Umweltprobleme: Die Tatsache, dass es in den letzten zehn Jahren acht Präsidenten im Land gegeben habe, wurde als Zeichen für eine zersplitterte und fragile Demokratie gewertet.

Wir haben versucht, uns gegenseitig für unsere Mission Mut zuzusprechen – und ich finde, das ist uns auch gelungen

Pfarrerin Sonia Skupch, LWB-Regionalreferentin für LAK und Nordamerika

Doch trotz dieser Lebensrealitäten bewerteten die Teilnehmende die Regionaltagung von lutherischen Kirchenleitenden als wichtiges Forum für Zusammenarbeit. „Der LWB ist eine Organisation, die uns vertritt, uns einbindet und uns gleichzeitig Kraft gibt“ und die Kirchen dabei unterstütze, gemeinsame Strategien zu entwickeln, erklärte Pfr. Leonardo Schindler, der Präsident der Evangelischen Kirche am La Plata, Argentinien. Mit Blick auf Armut, Umweltzerstörung und die zunehmende Gewalt gegen Frauen, sagte er, „hat die Kirche eine klare Berufung: Instrumente der Liebe Gottes zu sein“.

Die Konferenz habe mit einem „Gefühl neuerlicher Zuversicht“ geendet, fasste Pfarrerin Sonia Skupch, die LWB-Regionalreferentin für LAK und Nordamerika, zusammen. Zwar hätten die Teilnehmenden viel über Schwierigkeiten gesprochen, aber auch „unsere Herzen und Gedanken mit Hoffnung erfüllt“. Das Thema, unter dem die Konferenz stand, sei nicht nur Wegweiser für den Austausch, sondern auch die Praxis gewesen: „Wir haben versucht, uns gegenseitig für unsere Mission Mut zuzusprechen – und ich finde, das ist uns auch gelungen“, sagte sie.

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Andacht zum Abschluss des Besuchs in der Gemeinde El Buen Pastor. Pfarrerin Sonia Skupch, LWB-Regionalreferentin für die Regionen Lateinamerika und die Karibik und Nordamerika, betete für die Menschen und Kirchen in Peru und die Kirchen in der gesamten Region. Foto: LWB/E. Albrecht

Andacht zum Abschluss des Besuchs in der Gemeinde El Buen Pastor. Pfarrerin Sonia Skupch, LWB-Regionalreferentin für die Regionen Lateinamerika und die Karibik und Nordamerika, betete für die Menschen und Kirchen in Peru und die Kirchen in der gesamten Region. Foto: LWB/E. Albrecht

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Pfarrerin Sonia Skupch, LWB-Regionalreferentin für die Regionen Lateinamerika und die Karibik und Nordamerika, betrachtet einen Strand in Lima, der von Müll überzogen ist. Foto: LWB/E. Albrecht

Pfarrerin Sonia Skupch, LWB-Regionalreferentin für die Regionen Lateinamerika und die Karibik und Nordamerika, betrachtet einen Strand in Lima, der von Müll überzogen ist. Foto: LWB/E. Albrecht

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Im Abschlussgottesdienst wurde Abendmahl gefeiert und es wurden Kerzen angezündet, um an schwierige Situationen und Menschen zu erinnern, die gerade eine schwere Zeit durchleben. Das Licht der Kerzen ist das Licht Gottes, das jede Dunkelheit erhellt. Foto: LWB/E. Albrecht

Im Abschlussgottesdienst wurde Abendmahl gefeiert und es wurden Kerzen angezündet, um an schwierige Situationen und Menschen zu erinnern, die gerade eine schwere Zeit durchleben. Das Licht der Kerzen ist das Licht Gottes, das jede Dunkelheit erhellt. Foto: LWB/E. Albrecht

LWB/E. Albrecht
Thematiken:
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Peru