Hoffnung schaffen, Leben schützen, sichere Migration fördern

11 Aug 2026

Webinar von LWB und ELKA befasst sich mit kirchlichen Maßnahmen gegen Menschenhandel, Online-Betrug und unsichere Migration.

Image
Rückkehrende werden im Rahmen der AMMPARO-Initiative für eine nachhaltige Existenzsicherung geschult. Foto: ELKA/Stephen Deal

Rückkehrende werden im Rahmen der AMMPARO-Initiative für eine nachhaltige Existenzsicherung geschult. Foto: ELKA/Stephen Deal

Webinar erörtert kirchliche Initiativen zum Schutz von Migrierten und zur Schaffung von Alternativen

(LWI) – In der Hoffnung auf Sicherheit, Arbeit und bessere Zukunftsperspektiven begeben sich nach wie vor vor allem junge Menschen unter gefährlichen Umständen auf die Reise. Angelockt durch gefälschte Stellenangebote, Online-Betrug oder illegale Schleusernetzwerke, geraten viele von ihnen in die Hände von Menschenhändlern, werden ausgebeutet, inhaftiert, abgeschoben oder zur Rückkehr gezwungen.

Bei einem gemeinsamen Webinar unter dem Thema „Gefangen hinter dem Betrug“ haben der Lutherische Weltbund (LWB) und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika (ELKA) auf die Ausbeutung von Opfern von Menschenhandel durch Online-Betrug aufmerksam gemacht und zu verstärkten weltweiten Maßnahmen aufgerufen. Das Webinar fand anlässlich des jährlichen Welttags der Vereinten Nationen gegen den Menschenhandel statt, der in diesem Jahr unter dem Motto „Gefangen hinter dem Betrug“ stand.

An der Veranstaltung nahmen 72 Personen aus 15 Ländern teil. Ein besonderes Augenmerk wurde darauf gelegt, was Kirchen durch Sensibilisierung, Begleitung, theologische Bildung, Advocacy und Zusammenarbeit mit Regierungen und Zivilgesellschaft beitragen können. Außerdem wurde in den Diskussionen die Resolution der LWB-Vollversammlung von 2023 zur Hilfe für Menschen auf der Flucht erneut bekräftigt.

Laut dem Weltmigrationsbericht 2026 der Internationalen Organisation für Migration (IOM) gab es Mitte 2024 weltweit schätzungsweise 304 Millionen internationale Migrantinnen und Migranten, also rund 3,7 Prozent der Weltbevölkerung. Die IOM warnt davor, dass die Einschränkung sicherer und regulärer Fluchtwege Migration nicht aufhalten werde, sondern Menschen zu irregulären und gefährlicheren Routen treibt, wodurch die Risiken für die Menschen erhöht werden und mehr Kosten für die Staaten entstehen.

Erfahrungen aus christlichen Initiativen

Bei dem Webinar konnten Kirchen und andere Partner ihre Erfahrungen austauschen und sich über christliche Ansätze im Umgang mit Menschenhandel und unsicherer Migration austauschen. Im Mittelpunkt standen dabei die LWB-Initiative „Symbole der Hoffnung“ (Symbols of Hope,SoH) sowie das AMMPARO-Programm der ELKA. SoH unterstützt Kirchen dabei, Menschen auf der Flucht zu begleiten, das Bewusstsein für die Risiken von irregulärer Migration und Menschenhandel zu schärfen und praktische Maßnahmen im Sinne der Menschenwürde, des Schutzes und der Hoffnung zu fördern.

Image
Junge Frauen erlernen im Rahmen des Projekts „Symbols of Hope“ in Nigeria die Herstellung von Damenbinden. Nigeria. Foto: SoH Nigeria

Junge Frauen erlernen im Rahmen des Projekts „Symbols of Hope“ in Nigeria die Herstellung von Damenbinden. Nigeria. Foto: SoH Nigeria

Mit Aufklärungskampagnen, Medienarbeit, theologischer Bildung, Beratung, psychosozialer Unterstützung und Hilfe bei der Sicherung des Lebensunterhalts hilft die Lutherische Kirche Christi in Nigeria (LKCN) seit 2017 potenziellen Migrierenden, fundierte Entscheidungen zu treffen. Die Initiative habe Rückkehrende und Opfer von Menschenhandel unterstützt und in anderen Ländern zu ähnlichen kirchlichen Initiativen angeregt, sagte Pfarrer Emmanuel Subewope Gabriel, der Leiter des SoH-Projekts in Nigeria. Die LKCN hat zudem den 2. August zum Nationalen Gebetstag gegen Menschenhandel erklärt und so gezeigt, wie Gebet, öffentliches Zeugnis und die Mobilisierung der Bevölkerung dazu beitragen können, den Menschenhandel zu bekämpfen.

In Simbabwe sind viele Menschen aus Südafrika traumatisiert und als Opfer von Ausbeutung zürückgekehrt und stehen nun vor einer schwierigen Wiedereingliederung. Nach den jüngsten Protesten gegen Einwanderer haben die Lutheran Development Services (LDS) im Bezirk Chiredzi fast 2.000 Rückkehrende und mehr als 3.500 Kinder registriert. Trotz fortgesetzter Aufklärungsarbeit, psychosozialer Unterstützung und Qualifizierungsmaßnahmen lassen die begrenzten Möglichkeiten zur Existenzsicherung viele Menschen erneut über eine unsichere Migration nachdenken, sagt Ulibile Gwate, der das SoH-Projekts der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Simbabwe leitet.

Image
Rückkehrer Ashel Chauke hat mit Unterstützung des Projekts „Symbols of Hope“ in Simbabwe seine Metallwerkstatt in Chiredzi gegründet. Foto: LDS

Rückkehrer Ashel Chauke hat mit Unterstützung des Projekts „Symbols of Hope“ in Simbabwe seine Metallwerkstatt in Chiredzi gegründet. Foto: LDS

Bei dem Webinar ging es auch um die Präventionsarbeit der Kirche in Rumänien. Dort hat die Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Rumänien (EKABR) in den vergangenen sechs Jahren mit Schulen, Kirchen, Regierungsbehörden und der Zivilgesellschaft zusammengearbeitet. Erika Klemm, Migrationsbeauftragte in der EKABR wies darauf hin, dass mit Aufklärungskampagnen bereits mehr als 10.000 Schulkinder in 15 Städten erreicht werden konnten. Insgesamt 2.000 Lehrkräfte und 700 Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter wurden darin geschult, Anzeichen von Kindesmissbrauch und Kinderhandel zu erkennen.

Stärkung von Partnerschaften

Mary Campbell, Leiterin des ELKA-Programms „Accompanying Migrants with Protection, Advocacy, Representation and Opportunities“ (AMMPARO), stellte 25 Initiativen in 19 Ländern hervor, mit denen Geflüchtete, Einwanderer, Asylsuchende sowie „Symbols of Hope“-Projekte in Afrika und Asien unterstützt werden.

Sie forderte die Teilnehmenden auf, das Gelernte in die Tat umzusetzen. „Was wir gelernt haben, sollte uns helfen, voranzukommen, und angesichts der Not und des Leids, das unseren Mitmenschen weltweit zugefügt wird, müssen wir handeln.“ Die Kirchen ermutigte sie, Partnerschaften mit Organisationen einzugehen, die bereits gegen Menschenhandel kämpfen, und die Möglichkeiten des LWB sowie lokale Ressourcen voll auszuschöpfen, um die Menschenwürde zu wahren.

Befähigung von Kirchenleitern

Pfarrerin Dr. Elieshi Ayo Mungure von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania beschrieb das „Symbols of Hope“-Programm als „einen Dienst, der darauf gründet, dass den Opfern von Menschenhandel, ihren Familien und den lokalen Gemeinschaften Gehör geschenkt wird“.

Auch Kirchenleitende sollen entsprechend geschult werden, Menschenhandel als eine Frage der der Gerechtigkeit, der Menschenwürde und des Schutzes zu erkennen, so Mungure. „Der Kampf gegen den Menschenhandel erfordert Veränderung in den Herzen, ein koordiniertes Vorgehen und ein gemeinsames Engagement für die Wahrung der Würde jedes Menschen“, betonte sie.

Ashenafi Haile, Programmreferent für Diakonie und Entwicklung beim LWB, lobte die Kirchen für ihren Mut, ihr konkretes Handeln und ihre Zusammenarbeit mit Regierungsstellen, örtlichen Behörden, Schulen und Organisationen der Zivilgesellschaft. „Nur gemeinsam können wir Menschenhandel beenden, sichere Migration fördern, schutzbedürftige Menschen schützen und die Würde und Rechte jedes Einzelnen wahren“, sagte Haile abschließend.

LWB/E. Williams, Redaktion: P. Mumia
Thematiken:
Programm:
Region: