Reich an Hoffnung
Die Kirchenleitungskonferenz des Lutherischen Weltbundes in Asien schließt in Hoffnung auf Gerechtigkeit und Frieden.
Sonntagsgottesdienst am 13. September in der Perumnas-Klender-Gemeinde der Protestantisch- Christlichen Batak-Kirche (HKBP), die diese Andacht für Teilnehmende der LWB-Mitgliedskirchen an der Kirchenleitungskonferenz des LWB 2026 in Jakarta, Indonesien, ausgerichtet hat. Foto: LWB/Albin Hillert
Kirchenleitungskonferenz des Lutherischen Weltbundes in Indonesien geht zu Ende
Die Kirchenleitungskonferenz des Lutherischen Weltbundes in Asien 2026 (ACLC) ging nach Tagen der Besinnung, des Austauschs, der gemeinsamen Gottesdienste und des Lebens in der Gemeinschaft zu Ende – sie fand vom 9. bis 15. September in Jakarta, Indonesien, statt.
Unter dem Motto „Reich an Hoffnung auf Gerechtigkeit und Frieden“ brachte die Konferenz Delegierte der LWB-Mitgliedskirchen aus der Region Asien und darüber hinaus zu Tagen des Gebetes, der Gemeinschaft und der Erkenntnis zusammen – inmitten der vielen Freuden und Herausforderungen der Region, in der sie alle Zeugnis ablegen.
Hauptvorträge liefern theologische Grundlagen
Hauptreferate leitender Vertreterinnen und Vertreter theologischer Ausbildungsstätten in Indonesien und Indien lieferten die theologische Grundlage für die nachfolgenden Diskussionen.
Pfarrer Dr. Sukanto Limbong von der Theologischen Hochschule der Protestantisch-Christlichen Batak-Kirche (HKBP) in Indonesien sprach über das, was er als „Pandemie der Ungerechtigkeit“ bezeichnete, und argumentierte, dass die Kirche in der heutigen Zeit davon Abstand nehmen müsse, nach einfachen Lösungen zu suchen oder zu versuchen, in einem bestimmten Kontext Lösungen für den Frieden „erzwingen“ zu wollen.
Vielmehr, so stellte er fest, sei Frieden „das natürliche Ergebnis, wenn Gerechtigkeit in gesunden Beziehungen hergestellt wird“.
Wahrer Frieden, so Limbong, „blüht nur dann auf, wenn Gerechtigkeit und Fairness wirklich gelebt werden“. Für die Kirche, fügte er hinzu, „ist dies ein klarer Aufruf, Gerechtigkeit für die Ausgegrenzten anzustreben, verwundbare Menschen zu schützen und zerbrochene Beziehungen wiederherzustellen im Vertrauen darauf, dass der Frieden als Geschenk Gottes folgen wird“.
Pfarrerin Dr. Idan Topno vom Gossner Theological College in Indien sprach über „Protestbewegungen als Zeichen der Hoffnung“ und plädierte dafür, Dissens als integralen Bestandteil des christlichen Auftrags und als notwendigen Aspekt zu begreifen, dort für Gerechtigkeit zu sorgen und sie wiederherzustellen, wo sie abhandengekommen ist.
„Proteste in ganz Asien offenbaren eine tiefe Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Frieden und Würde“, führte Topno aus und erklärte, dass diese Bewegungen für die Kirche „keine Bedrohungen, sondern Chancen sind, an Hoffnung reich zu werden, den Frieden Christi zu leben und Seite an Seite mit denen zu gehen, die nach Befreiung rufen.“
Sie beschrieb Jesu Stimme des Widerspruchs „niemals als eine Stimme des Hasses, sondern der Verkündigung der Wahrheit Gottes in Liebe. Er warf die Tische der Ausbeutung um, stellte die Heuchelei bloß und hob die Geringen empor – nicht, um zu zerstören, sondern um Gott als einen Gott des Mitgefühls und der Gerechtigkeit zu offenbaren.“ Die heutige Kirche ist aufgerufen, „auf eben diese Stimme des Evangeliums zu hören und ihr in der Haltung Christi zu folgen: mutig in der Wahrheit, barmherzig und einfühlsam, standhaft in der Hoffnung. In seinem Namen Widerspruch zu leisten bedeutet, Gottes Liebe zu verwirklichen und sich zu weigern, Ungerechtigkeit als normal hinzunehmen“, sagte sie abschließend.
Pfarrer Dr. Sukanto Limbong von der Theologischen Hochschule der Protestantisch-Christlichen Kirche Batak (HKBP) in Indonesien spricht auf der ACLC. Foto: LWB/Albin Hillert
Teilnehmende beim Gebet während der ACLC. Foto: LWB /Albin Hillert
Pfarrerin Dr. Idan Topno vom Gossner Theological College, Indien, spricht auf der ACLC. Foto: LWB /Albin Hillert
Austausch über die wichtigsten Themen
Die ACLC bot ein Forum für den Austausch über die wichtigsten Themen in der Region – von der Unterdrückung des palästinensischen Volkes im Heiligen Land über die Lage in Myanmar, soziale Unruhen und die kleiner werdenden Handlungsräume der Zivilgesellschaft in Hongkong bis hin zu den Realitäten, mit denen indigene Bevölkerungsgruppen in Indonesien und christliche Gemeinschaften in Japan konfrontiert sind – aber auch darüber, wie die Kirchen in ihren jeweiligen Kontexten reagieren und Zeugnis für Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung ablegen.
Bischof Dr. Imad Haddad von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land beschrieb die anhaltend schwierige Wirklichkeit der Besatzung und Ungerechtigkeit, der systematischen Diskriminierung und der Tötung von Palästinenserinnen und Palästinensern im gesamten Heiligen Land.
Haddad betonte, wie wichtig es als weltweite Gemeinschaft sei, in diesem Zusammenhang nicht von Hoffnung zu sprechen, als wäre sie nur ein Schlagwort. „Wir tragen immer noch Hoffnung in uns, aber Hoffnung erschöpft sich nicht in schönen Worten. Manchmal sprechen die Menschen von Hoffnung wie von einer leeren Formel, und das ermüdet mich wirklich“, sagte er.
„Der einzige Weg, Hoffnung wiederherzustellen, besteht darin, in unseren Ländern und in unseren Lebensumständen Hoffnungsträger für zukünftige Entwicklungen zu sein – Menschen, die nicht einfach ‚weitermachen wie bisher‘, sondern aus ihren Routinen ausbrechen und Veränderungen wollen. So können wir Hoffnung bringen“, fügte er hinzu.
Der einzige Weg, Hoffnung wiederherzustellen, besteht darin, Hoffnungsträger für zukünftige Entwicklungen zu sein ...
Bischof Dr. Imad Haddad, Evangelisch-Lutherische Kirche in Jordanien und im Heiligen Land
Da Menschen aufgrund der politischen Entwicklungen der letzten Jahre Hongkong verließen, so Cado Ip von der Chinesisch-Rheinischen Kirche – Hongkonger Synode, gingen die Mitgliedszahlen einiger Kirchen zurück. Er finde Hoffnung darin, sich an die historischen Herausforderungen der frühen Christenheit zu erinnern.
„Wenn wir an das erste Jahrhundert zurückdenken, wurden sogar die Christinnen und Christen in Rom inhaftiert. Doch das Christentum verschwand nicht, es wurde nicht ausgelöscht. Es verbreitete sich über die ganze Welt“, sagte er und betonte dabei, wie wichtig es sei, an Jesus zu glauben und auf Gottes Führung und Kraft zu vertrauen.
Die Teilnehmenden sprachen auch über ihr gemeinsames Zeugnis in der weltweiten Gemeinschaft und über das Rahmenkonzept für die gegenseitige Verantwortung der LWB-Mitgliedskirchen, das unter anderem die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und respektvolle Beziehungen der Mitgliedskirchen untereinander beschreibt.
LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt predigt in der Perumnas-Klender-Gemeinde in Ost-Jakarta. Foto: LWB/Albin Hillert
LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt (links) und die LWB-Regionalsekretärin für Asien, Pfarrerin Dr. Rospita Siahaan (rechts), in einer Prozession mit anderen Kirchenleitenden zur Eröffnung des Sonntagsgottesdienstes, der in der HKBP-Gemeinde Perumnas Klender in Jakarta, Indonesien, gefeiert wird. Foto: LWB/Albin Hillert
Jugenddelegierter bringen den Teilnehmenden der ACLC ein Lied und die dazugehörige Choreografie bei, die bereits bei einem vorangegangenen regionalen Jugendtreffen in Asien vorgestellt wurden. Foto: LWB/Albin Hillert
Das Gottesdienstleben verankert die Gemeinschaft im lokalen Kontext
Am Sonntag nahmen die Delegierten an Gottesdiensten in sechs verschiedenen Gemeinden in Jakarta teil, die zu drei indonesischen LWB-Mitgliedskirchen gehören: der Protestantischen Kirche von Niha Keriso in Indonesien (GNKP-Indonesien), der Protestantisch-Christlichen Kirche (BNKP) und der Protestantisch-Christlichen Batak-Kirche (HKBP), der größten LWB-Mitgliedskirche des Landes.
LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt hielt die Predigt in der HKBP-Gemeinde Perumnas Klender in Ost-Jakarta, die rund 5.000 Gemeindemitglieder betreut.
In ihrer Predigt über 2. Mose 14,19–31 stellte Burghardt fest, dass Gott auf der Seite der Unterdrückten und Ausgegrenzten stehe und nicht auf der Seite der Unterdrücker. „Dass Gott Partei für die Unterdrückten ergreift, verändert in der Tat die Geschichte, denn es ist ein Appell an das menschliche Gewissen, niemanden zu unterdrücken, da dies nicht der Wille Gottes ist. In unserem Herrn Jesus Christus nimmt diese Botschaft menschliche Gestalt an. Jesus Christus stellt sich auf die Seite derer, die unfrei und ausgegrenzt sind. Sein Tod am Kreuz ist das Zeichen der Freiheit, er ist der Sieg über Tod und Angst“, sagte sie.
Abschließend erinnerte Burghardt die Versammlung daran, dass der Glaube nicht das Ende, sondern der Anfang und ein ständiger Weg mit Gott sei. „Was Gott beginnt, endet nicht in Verzweiflung und Niederlage. Es mag Momente der Verzweiflung und Niederlage geben, in langen, vielleicht sogar unerträglichen Momenten. Aber diese Momente werden nicht das letzte Wort haben, wenn wir an Gottes Verheißungen festhalten“, fügte sie hinzu.
Frauen begrüßen mit einem traditionellen Batak-Tanz Teilnehmende der ACLC während eines Besuchs des „Indonesia Mini“, eines Freizeitparks in Jakarta. Hier werden die Menschen dazu eingeladen, an einem einzigen Ort einen Eindruck von der ganzen Vielfalt der Völker, Orte und Kulturen der zahlreichen Inseln Indonesiens zu gewinnen. Foto: LWB/Albin Hillert
Gesprächsrunde auf der ACLC. Auf dem Foto ist unter anderem LWB-Ratsmitglied Ranjita Borgoary von der Nördlichen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Indien zu sehen. Foto: LWB/Albin Hillert
Menschen unterwegs auf einer Straße im Stadtteil Perumnas Klender in Ost-Jakarta. Foto: LWB/Albin Hillert
Hoffnung für den weiteren Weg
Als die Konferenz zu Ende ging, tauschten sich die Teilnehmenden darüber aus, was sie in ihre jeweiligen Heimatkontexte mitnehmen würden.
Patrina To Mei Ling von der Evangelisch-Lutherischen Kirche Hongkong sagte, Solidarität, Einheit, Liebe, Unterstützung und Ermutigung seien als zentrale Konzepte herausgearbeitet worden.
„Wir haben so viele Unterschiede, so viel Vielfalt in dieser Welt, insbesondere angesichts der Herausforderungen und der Zerbrochenheit, mit denen wir heute konfrontiert sind, aber wir haben denselben Glauben und können zusammenstehen. Das macht unsere Stimmen stärker und gibt uns die Kraft, etwas zu bewirken“, sagte Ling, eine von vier Koordinatorinnen für Geschlechtergerechtigkeit des LWB in der Region Asien.
Als ehrenamtliche Mitarbeiterin in Leitungsfunktion sprach Charley Helen Koch von der Evangelisch-Lutherischen Kirche Bodo in Indien von dem langen Weg, der noch vor uns liegt, um Geschlechtergerechtigkeit sowohl in der Kirche als auch in der Gesellschaft zu erreichen. Sie beschrieb Situationen tiefer Hoffnungslosigkeit in ihrer eigenen Gemeinschaft, darunter junge Frauen und Mädchen, die unter Gewalt und Vergewaltigung und zahlreichen anderen sozialen Problemen leiden.
„Ich habe nun erkannt: Ja, wo keine Hoffnung ist, wo Angst herrscht, wo es ein Problem gibt – da ist es Gott, der versprochen hat, dass er unsere Tränen abwischen wird; so können wir ihnen Hoffnung geben, indem wir an unseren Gott glauben“, sagte sie.
Der Generalsekretär der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thailand, Pfarrer Chanda Saiyotha, sagte, besonders der Gottesdienst mit den örtlichen Gemeinden habe ihm neue Energie gegeben. „Für mich ist es sehr wichtig, dass wir einander kennenlernen … wir sind eine Familie, wir teilen die Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit in unseren kirchlichen Kontexten.“
„Ich war bewegt und überrascht davon, wie es auf dieser Konferenz möglich war, sehr offene Diskussionen zu führen, und dass sich so viele Menschen frei fühlten, ihre Meinung zu äußern. Das ist für mich etwas ganz Neues und sehr Beeindruckendes“, sagte LWB-Ratsmitglied Ibuki Homma von der Evangelisch-Lutherischen Kirche Japans.
„Wir müssen miteinander ins Gespräch kommen. Das ist der erste Schritt zum Frieden“, fuhr sie fort. „Ich werde die eine Hoffnung, den einen Geist des LWB mit nach Hause nehmen. Hier sind so viele junge Menschen, und jeder einzelne hat eine Stimme. Ich denke, das ist meine Hoffnung: Ich nehme die Kraft der Jugend mit in meine Heimatkirche, um den Menschen dort Mut zu geben.“
Delegierte der LWB-Mitgliedskirchen versammelten sich zur Kirchenleitungskonferenz des Lutherischen Weltbundes in Asien 2026 in Jakarta, Indonesien. Foto: LWB/Albin Hillert
Unter dem Motto „Reich an Hoffnung auf Gerechtigkeit und Frieden“ fand vom 10. bis 15. September in Jakarta, Indonesien, die Kirchenleitungskonferenz des Lutherischen Weltbundes in Asien 2026 statt, zu der sich mehr als 100 Delegierte von LWB-Mitgliedskirchen aus dem asiatischen Raum und darüber hinaus versammelt haben, um gemeinsam Tage des Gebetes, der Gemeinschaft und der Erkenntnis zu verbringen – inmitten der vielen Freuden und Herausforderungen der Region, in der sie alle Zeugnis ablegen.