Haiti: Mobilisierung der Bevölkerung ist entscheidend für den Wiederaufbau der Wasserversorgungssysteme
In Städten, die sich noch immer von den verheerenden Auswirkungen des Hurrikans Melissa erholen, hat die Beteiligung der lokalen Bevölkerung am Wiederaufbau lebenswichtiger Wasserversorgungssysteme alle Erwartungen übertroffen.
Eine Wasserstelle in Petit Goâve, Haiti, die mit Unterstützung der örtlichen Gemeinschaft wieder instand gesetzt wurde. Foto: CLWR/Reginald Louissaint Junior
Außergewöhnlich hohes Maß an Bürgerbeteiligung trägt zum erfolgreichen Wiederaufbau nach dem Hurrikan Melissa bei
(LWI) – Das Engagement und die aktive Beteiligung der Gemeinden an der Katastrophenhilfe in den vom Hurrikan Melissa betroffenen Gebieten an der Westküste Haitis haben erhebliche Auswirkungen gezeigt, insbesondere bei der Instandsetzung und dem Wiederaufbau lebenswichtiger Wasserversorgungssysteme.
Bei ihrem jüngsten Besuch in Städten, die von dem Hurrikan im Oktober 2025 schwer getroffen wurden, zeigte sich Clémence Caraux-Pelletan, Interims-Länderbeauftragte des gemeinsamen Büros des Lutherischen Weltbundes (LWB) und der Norwegian Church Aid (NCA) in Haiti, inspiriert und beeindruckt „sowohl von der Qualität als auch von der Effizienz“ der gemeinsamen Hilfsmaßnahmen und „von dem sehr konkreten Unterschied, den diese für die betroffenen Gemeinwesen weiterhin bewirken“.
Der Tropensturm fegte über die Region hinweg und verursachte Todesopfer sowie großflächige Zerstörungen, die in Jamaika, Kuba und auf den Bahamas sowie in Haiti und der Dominikanischen Republik zu Hunger und Obdachlosigkeit führten. Unmittelbar nach der Katastrophe arbeiteten der LWB und NCA eng mit lokalen Partnerorganisationen und nationalen Behörden zusammen, um den am stärksten betroffenen Gemeinwesen entlang der Westküste Haitis Bargeldunterstützung, Schutz, Hygieneartikel und Notunterkünfte zur Verfügung zu stellen.
Es ist ein konkretes und reproduzierbares Beispiel dafür, was eine von der Bevölkerung getragene Hilfsmaßnahme leisten kann, wenn sie die richtige Unterstützung erhält.
Clémence Caraux-Pelletan, Länderbeauftragte des gemeinsamen Programms des LWB und der NCA in Haiti
Während des Besuchs der Projekte, die gemeinsam mit dem lokalen Partner RODEP durchgeführt und von „Canadian Lutheran World Relief sowie dem Canadian Humanitarian Assistance Fund unterstützt wurden, zeigte sich Caraux-Pelletan beeindruckt von dem „außergewöhnlichen Maß an Beteiligung der Bevölkerung“ an den Arbeiten zum Bau oder zur Instandsetzung lebenswichtiger Wasserversorgungssysteme, die durch den Hurrikan zerstört worden waren. Die Menschen, so Caraux-Pelletan, hätten mit körperlicher Arbeit und manuellen Transportleistungen zu den Bauarbeiten beigetragen, was „erhebliche Kosteneinsparungen ermöglichte“, so dass fünf Wasserversorgungssysteme saniert werden konnten statt nur der ursprünglich geplanten zwei.
In Bergregionen, in denen jedes System mehrere angeschlossene Verteilerstellen versorgt, sagte sie, habe dies zu einer viel größeren Wirkung geführt. „Was ich erlebt habe, war nicht nur Effizienz bei der Umsetzung, sondern ein echtes Gefühl der Eigenverantwortung und Mobilisierung. Meiner Erfahrung nach ist ein solches Maß an Engagement selten und zeugt von der Stärke der Partnerschaft mit lokalen Akteuren sowie vom Vertrauen, das zu den Gemeinwesen aufgebaut wurde. Ich glaube, dies ist ein konkretes und reproduzierbares Beispiel dafür, was eine von der Bevölkerung getragene Hilfsmaßnahme erreichen kann, wenn sie die richtige Unterstützung erhält.“
Unterricht zum Thema Hygiene in einer örtlichen Schule. Foto: LWF/NCA/C. Caraux-Pelletan
Menschen an einer Wasserstelle in Petit Goâve, Haiti, die mit Unterstützung der örtlichen Gemeinde wieder instand gesetzt wurde. Foto: CLWR/Reginald Louissaint Junior
Gleichzeitig reflektierte Caraux-Pelletan über die umfassenderen humanitären Herausforderungen, mit denen die Bevölkerung im ganzen Land konfrontiert ist: „Ich traf Familien, die aufgrund von Bandenkriminalität aus Port-au-Prince vertrieben worden waren und die zutiefst bewegende Berichte über Verluste, destabilisierte Lebensumstände und Traumata schilderten. Viele berichteten, dass sie kaum oder gar keine Hilfe erhielten, während der Bedarf in den Bereichen Grundversorgung, Lebensgrundlagen und Unterkünfte weiterhin akut ist, was zusätzlichen Druck auf die Aufnahmegemeinschaften ausübt“, sagte sie.
Trotz der positiven und hoffnungsvollen Beispiele für die Mobilisierung der Bevölkerung, die sie während ihres Besuchs aus erster Hand miterlebt hatte, kam sie zu dem Schluss: „Es ist wichtig, weiterhin genau hinzusehen und unsere Arbeit nicht nur auf die Hauptstadt Port-au-Prince und andere Krisenherde zu konzentrieren, sondern auch auf die akute Bedarfssituation der Menschen in diesen kleineren, abgelegeneren Gebieten.“
Der Lutherische Weltbund (LWB) ist seit 1986 in Zusammenarbeit mit Norwegian Church Aid (NCA) in Haiti präsent und steht den Gemeinden in Krisenzeiten und beim Wiederaufbau zur Seite. Seit 2017 koordiniert das gemeinsame Büro in Port-au-Prince integrierte Hilfsmaßnahmen bei Naturkatastrophen, zur Bekämpfung von Armut sowie zur Bewältigung sozialer und ökologischer Herausforderungen.
Um mehr über unsere Arbeit zu erfahren, besuchen Sie bitte https://worldservice.lutheranworld.org/where-we-work/haiti