Für Übernahme von Leitungsverantwortung vorbereitet
LWB-Schulung gibt Teilnehmenden neuste Erkenntnisse und Tools für kirchliches Leitungswirken an die Hand.
Pfarrerin Lesego Martha Temane von der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Südlichen Afrika, ELKSA (rechts) und Pfarrerin Delphine Fongeh Nsufor von der Evangelisch-Lutherischen Kirche Kameruns (links) teilen in einem Gottesdienst in der Fronleichnamskapelle an der Stadtkirche St. Marien in Wittenberg das Abendmahl aus. Foto: LWB/Albin Hillert
LWB-Schulung rüstet Stipendiatinnen und Stipendiaten für Leitungsaufgaben in der Kirche zu
(LWI) - Das Seminar für LWB-Stipendiatinnen und -Stipendiaten sowie Alumni des LWB-Stipendienprogramms zur Ausbildung von Führungskompetenzen in Wittenberg, Deutschland, ist zu Ende gegangen. Teilnehmende aus verschiedenen Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes (LWB) waren dort vom 19. bis 24. April unter dem Motto „Grow to lead“ (Wachsen und sich entwickeln, um Führungsverantwortung zu übernehmen) zusammengekommen, um sich über verantwortungsbewusste Theologie und andere Themen auszutauschen.
Was bewirkt meine Theologie? Macht sie die Menschen stark? Bestätigt sie alle in ihrer Menschenwürde? Ist es eine Theologie des Dienens? Wie wirkt sich mein Führungswirken auf die Menschen um mich herum aus – positiv oder negativ? Diese und weitere Fragen stellten sich die rund ein Dutzend Frauen und Männer unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichem Hintergrund bei der LWB-Schulung, bei der sie gemeinsam verschiedene Perspektiven, Erfahrungen und Erkenntnisse als aktive und angehende Kirchenleitende erörterten.
Für Pfarrerin Lesego Martha Temane von der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Südlichen Afrika (ELKSA), die am letzten Tag des Seminars im Gottesdienst das Abendmahl austeilte, war es eine beeindruckende Erfahrung.
„Ich dachte, wir kommen hier zu einem Leitungs-Workshop zusammen. Aber ich gehe von hier als neuer Mensch weg – und nicht nur als neuer Mensch, sondern als geheilter Mensch“, so Temane.
„Man kommt hierher und lernt von anderen, dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt. Es gibt auch Grautöne, und zwar wunderschöne, und genau darin liegt Gnade“, fügte sie hinzu.
„Der Workshop hat uns angeregt, uns Gedanken über die verschiedenen Führungsstile zu machen und sie zu überdenken, denn es geht nicht nur um uns selbst, sondern auch um das Wohl anderer“, erklärte sie: „Es geht um das Verbindende. Nicht um mich, sondern um den Leib Christi.“
Ich gehe von hier als neuer Mensch weg – und nicht nur als neuer Mensch, sondern als geheilter Mensch.
Pfarrerin Lesego Martha Temane, ELKSA
Gemeinsam lernen in einer weltweiten Kirchengemeinschaft
Eine Woche lang haben sich die Teilnehmenden mit ganz unterschiedlichen Aspekten der Leitungsarbeit beschäftigt: Werte, Kompetenzen, lutherische Identität bzw. Identitäten sowie Themen rund um die Zurüstung von Kirchengemeinden.
Für Pfr. Ricardo Flores Martínez, Pastor der Mexikanischen Lutherischen Kirche, war das Seminar eine Chance, „von den Erfahrungen anderer und anderen Kontexten zu lernen und vor allem durch diese Prinzipien und Werten zu wachsen, um ein besserer Leiter für meine Gemeinde zu sein“.
Schneider Masumbuko von der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Kongo betonte die Bedeutung von transformativer und generationenübergreifender Gerechtigkeit in der Leitungsarbeit.
„Transformative Gerechtigkeit ist eine Möglichkeit, Beziehungen wiederherzustellen und andere zuzurüsten. Dabei geht es um Inklusion, soziale Gerechtigkeit und Gendergerechtigkeit. Seit ich transformative Gerechtigkeit als Wert verinnerlicht habe, fällt es mir leicht, andere zuzurüsten und sogar etwas von meiner Macht abzugeben“, meinte sie.
„Wenn wir von transformativer Gerechtigkeit im Sinne von generationenübergreifender Gerechtigkeit sprechen, bedeutet das, dass auch junge Menschen die Chance bekommen, eine Führungsrolle zu übernehmen“, fuhr sie fort.
Pfr. Berman Maeda Situmorang, der Direktor des LWB-Nationalkomitees in Indonesien, moderierte das Seminar gemeinsam mit der leitenden Beraterin für kirchliche Führungsverantwortung bei der Finnischen Evangelisch-Lutherischen Mission (FELM), Pfarrerin Dr. Minna Rikkine, und der Programmverantwortlichen des LWB für Veränderung ermöglichendes Leitungswirken, Pfarrerin Katariina Kiilunen.
„In der aktuellen Zeit der Globalisierung, des rasanten technologischen Wandels und so weiter ist es besonders wichtig, dass junge Menschen die Chance bekommen, sich weiterzuentwickeln und vor allem zu lernen, in ihrem jeweiligen Umfeld eine Führungsrolle zu übernehmen“, betonte Situmorang.
„Die Teilnehmenden haben diese Woche neues Wissen erworben und sind nun bereit, ihre Fähigkeiten auszubauen und die Talente zu fördern, die in ihren Gemeinwesen gebraucht werden“, sagte er.
Die Teilnehmenden bei einer Führung durch „Wittenberg zur Zeit Martin Luthers“. Stadtführerin Katja Koehler schlüpft dabei in die Rolle von Martin Luthers Ehefrau, Katharina von Bora. Foto: LWB/Albin Hillert
Teilnehmende aus aller Welt bei einem Spaziergang durch die Innenstadt von Wittenberg. Foto: LWB/Albin Hillert
Abschlussfoto der Teilnehmenden des Seminars zur Ausbildung von Führungskompetenzen nach einem Abendmahlsgottesdienst vor der Fronleichnamskapelle an der Stadtkirche St. Marien in Wittenberg. Foto: LWB/Albin Hillert
Verantwortungsbewusste Theologie als Orientierungshilfe für Leitungsaufgaben
Ein zentrales Leitthema der Woche war das Konzept einer verantwortungsbewussten Theologie, das auf die Dreizehnte LWB-Vollversammlung 2023 in Krakau, Polen, zurückgeht, die den LWB aufforderte, seine Mitgliedskirchen beim Ausbau ihrer Führungskompetenzen zu unterstützen.
Das Konzept einer verantwortungsbewussten Theologie sei nicht dazu gedacht, Spaltung zu schaffen, sondern uns Christus und damit einander näherzubringen, erklärte Kiilunen. „Es bedeutet, dass wir bei uns selbst anfangen, zu hinterfragen, welche Auswirkungen die Theologie hat, die ich praktiziere: Ist sie tatsächlich christozentrisch, befreiend und lebensbejahend?“
„Es hat etwas mit Verantwortung zu tun, nämlich, dass man sich um etwas kümmert, das einem am Herzen liegt. Wenn ich von verantwortungsbewusster Theologie spreche, bedeutet das, dass ich allen Menschen in meiner Glaubensgemeinschaft zur Seite stehe, damit wir das tun können, was uns guttut und unseren Glauben stärkt“, erklärte Sarah Mapenzi Mwathethe von der Evangelisch-Lutherischen Kirche Kenias.
Mit Blick auf die Zukunft kam Pfr. Lukman Pasaribi Pasaribu von der Vereinigten Protestantischen Kirche (GPP) in Indonesien zu folgendem Schluss: „Die Quelle verantwortungsbewusster Theologie ist Christus selbst. In meinem Dienst und mit meinem Predigen kann ich das, was uns Jesus vorgelebt hat, als Leiter und als Pfarrer auf meine Gemeinde und auch auf die Menschen um mich herum anwenden.“
LWB-Stipendiatinnen und -Stipendiaten sowie Alumni des LWB-Stipendienprogramms aus Afrika, Asien, Europa sowie Lateinamerika und der Karibik haben sich vom 19. bis 24. April 2026 im Rahmen eines vom LWB in der Lutherstadt Wittenberg, Deutschland, organisierten Seminars für LWB-Stipendiatinnen und -Stipendiaten sowie Alumni des LWB-Stipendienprogramms zur Ausbildung von Führungskompetenzen unter der Überschrift „Grow to Lead“ (Wachsen und sich entwickeln, um Führungsverantwortung zu übernehmen) mit verschiedenen Dimensionen von kirchlichem Führungswirken beschäftigt.