Tansania: Interreligiöse Delegation fordert Untersuchung der Gewalt nach den Wahlen

08 Sep 2026

Mitglieder einer interreligiösen Delegation aus Tansania betonen angesichts von Einschränkungen für die Zivilgesellschaft in ihrem Land, dass der Stimme von Geistlichen eine Schlüsselrolle zukommt.

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Mitglieder der interreligiösen Delegation bei einem Treffen mit dem tansanischen Botschafter bei den Vereinten Nationen in Genf, Dr. Abdallah Saleh Possi (Mitte). Foto: LWB/S. Ndlovu

Mitglieder der interreligiösen Delegation bei einem Treffen mit dem tansanischen Botschafter bei den Vereinten Nationen in Genf, Dr. Abdallah Saleh Possi (Mitte). Foto: LWB/S. Ndlovu

Eine Delegation tansanischer Kirchenleitender besucht Genf, um am UN-Überprüfungsverfahren für Menschenrechte teilzunehmen

(LWI) – Ganz oben auf der Tagesordnung standen die Sorge um den immer kleiner werdenden Handlungsspielraum der Zivilgesellschaft, Gewalt im Zusammenhang mit den Wahlen, die geringe Teilhabe von Frauen am politischen Leben sowie die Jugendarbeitslosigkeit, als eine interreligiöse Delegation aus Tansania die Vereinten Nationen in Genf besuchte, um am Verfahren der Allgemeinen Periodischen Überprüfung (UPR) teilzunehmen.

Der Besuch der interreligiösen Delegation erfolgte im Rahmen der Unterstützung des Lutherischen Weltbundes (LWB) für das Engagement seiner Mitgliedskirchen im Rahmen internationaler Menschenrechtsmechanismen. Die führenden Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen Glaubensgemeinschaften nahmen letzte Woche an den Vorbereitungssitzungen zur Allgemeinen Regelmäßigen Überprüfung (UPR) teil, im Vorfeld der Überprüfung Tansanias bei den Vereinten Nationen im kommenden November.

Vor allem in Zeiten von immer weniger Freiraum für die Zivilgesellschaft in seinem Land betonte der Generalsekretär der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania (ELCT), Rogath Mollel, welche Bedeutung das Engagement der Kirche im Überprüfungsprozess habe. Das Engagement der Kirche sei gerade dann wichtig, wenn die prophetische Stimme immer leiser werde. Die Kirche sei tief in den Gemeinden verwurzelt und biete vielen Menschen, die Gewalt und Traumata erlebt hätten, oft psychosoziale Unterstützung an, so Mollel.

Unverzichtbar: interreligiöse Zusammenarbeit

Patricia Mwaikenda, die für den UPR-Prozess zuständige Mitarbeiterin der ELCT, betonte die Bedeutung der interreligiösen Zusammenarbeit und verwies auf die religiöse Vielfalt der tansanischen Bevölkerung. Unter der Federführung der ELCT habe die interreligiöse Koalition verschiedene Religionsgemeinschaften zusammengebracht, um sicherzustellen, dass ihre Anliegen und Themen im Menschenrechtsprozess berücksichtigt werden.

Laut Mwaikenda und weiteren Vortragenden beruhte der Erfolg der Beteiligung Tansanias am UPR-Prozess auf dem kontinuierlichen und konstruktiven Dialog mit den Regierungsbehörden. Im Rahmen der Koalition haben sich die religiösen Führungspersönlichkeiten nicht nur für umsetzbare Empfehlungen im Bereich Menschenrechte eingesetzt, sondern mit praktischen Initiativen für einen besseren Zugang zu grundlegenden Diensten wie Bildung und Gesundheitsversorgung auch zum Erfolg der Umsetzung beigetragen.

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Die Delegierten Mollel, Mwaikenda und Matonya im Gespräch mit dem tansanischen Botschafter nach der ersten UPR-Sitzung. Foto: LWB/S. Ndlovu

Die Delegierten Mollel, Mwaikenda und Matonya im Gespräch mit dem tansanischen Botschafter nach der ersten UPR-Sitzung. Foto: LWB/S. Ndlovu

Bei Treffen mit diplomatischen Vertretungen unter anderem aus Norwegen und Belgien sowie auf einer Informationsveranstaltung von EU-Mitgliedstaaten für Nichtregierungsorganisationen berichteten die tansanischen Delegierten von den Ausschreitungen nach den Präsidentschaftswahlen am 29. Oktober 2025. Die Delegation forderte von der Regierung nachdrücklich, „umgehende, unabhängige und unparteiische Untersuchungen aller mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen sicherzustellen und zu gewährleisten, dass die Zivilgesellschaft, Journalistinnen und Journalisten, Personen, die sich für Menschenrechte einsetzen, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, Wahlbeobachterinnen und Wahlbeobachter sowie religiöse Organisationen ihre rechtmäßige Arbeit sicher und ohne Einschüchterung oder Repressalien ausüben können“.

Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Kinder

Die Delegierten forderten zudem ein entschiedeneres Vorgehen gegen „Gewalt gegen Frauen und Kinder, einschließlich Kinderheirat und weiblicher Genitalverstümmelung“, und betonten die Notwendigkeit von verstärkter Prävention, Schutzmaßnahmen, des Zugangs zur Justiz und von Unterstützungsangeboten für Überlebende. Sie sprachen von den anhaltenden Herausforderungen im Zusammenhang mit Stigmatisierung und Diskriminierung bei der Umsetzung von Wiedereingliederungsmaßnahmen von schwangeren Mädchen und Müttern im Teenageralter in die Schule und forderten mehr Barrierefreiheit und Inklusion von Menschen mit Behinderungen.

Die Delegation nahm außerdem an einer vom LWB und dem Ökumenischen Rat der Kirchen organisierten Podiumsdiskussion unter dem Titel „Glaubensgemeinschaften als zivilgesellschaftliche Räume zur Förderung der Menschenrechte“ teil. Dabei ging es beispielsweise um die Themen Jugendarbeitslosigkeit und die Tatsache, dass Frauen nach wie vor kaum an Entscheidungs- und politischen Prozessen beteiligt sind.

Als Vertreter der interreligiösen Gemeinschaft bemängelte der Generalsekretär des Christlichen Rates von Tansania, der anglikanische Pfarrer Moses Matonya, dass Frauen bei Gemeindeversammlungen, „abseits sitzen, zuhören nur dann sprechen, wenn sie gefragt werden“.

Matonya hob die Bedeutung der Frauenordination in der Kirche hervor und forderte „sowohl einen theologischen als auch einen gesellschaftlichen Wandel“; zudem müsse die Stimme der Religion im Bereich der Menschenrechte Gehör finden. Hier sei ein klares Verständnis der Rolle der Kirche erforderlich, sagte er. Die Kirche sollte nicht nur dazu da sein, „die Menschen aufs Jenseits vorzubereiten, sondern habe auch die Verantwortung, sich mit gesellschaftlichen Themen zu befassen – einschließlich der Menschenrechte,“ sagte er.

Die Advocacy-Mission der interreligiösen Delegation aus Tansania nach Genf wurde mit Unterstützung des LWB und Dan Mission ermöglicht.

LWB/P. Hitchen
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Tansania
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