Somalia: Hoffnungen und Träume von Familien fördern

27 Jan 2026

Zwei persönliche Geschichten über Mut und die Zurüstung zu mehr Selbstbestimmung zeigen: Jedes Kind hat Potenzial, und alle Eltern können über sich hinauswachsen, wenn sie mit Anteilnahme und Zugewandtheit unterstützt werden. 

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Mushtaq Bashir Jamac mit ihrer Mutter in der EARC-Einrichtung des LWB in Kismayo, Somalia. Foto: LWS – Länderprogramm Kenia-Somalia

Mushtaq Bashir Jamac mit ihrer Mutter bei einer spieltherapeutischen Sitzung in der EARC-Einrichtung des LWB in Kismayo, Somalia. Foto: LWS – Länderprogramm Kenia-Somalia

Geschichten, die Hoffnung machen: Zwei Mädchen und ihre Familien im Kampf gegen Stigmatisierung und Verwirklichung von Träumen unterstützt 

(LWI) – Wer der kleinen Mushtaq Bashir Jamac zum ersten Mal begegnet, ist sofort berührt von ihren leuchtenden Augen und ihrem strahlenden Lächeln. Mit ihren erst eineinhalb Jahren strahlt sie eine fröhliche Energie aus, der niemand widerstehen kann. Die Lebendigkeit aber ist nicht die einzige Besonderheit an ihr, denn sie wurde mit dem Down-Syndrom geboren. Ihre Mutter Nimco Ali beschreibt sie voller Zuneigung: „Das ist einfach ihr Wesen. Alle lieben sie so, wie sie ist.“  

Diese Liebe hat Mushtaqs bisherigen Lebensweg geprägt, auch wenn Nimco durch die Diagnose bei der Geburt zunächst völlig aus der Bahn geworfen wurde. Sie wusste nicht, an wen sie sich wenden sollte, und machte sich große Sorgen um die Gesundheit ihrer Tochter. Doch aus Angst wurde schnell Entschlossenheit. Nimco suchte nach Informationen, vernetzte sich mit anderen Eltern und nahm jede Unterstützung in Anspruch, die ihr helfen konnte, ihre Tochter besser zu verstehen und gut für sie zu sorgen.

Unterstützung und Hoffnung für Familien, die mit Behinderungen leben 

Nimcos Suche führte sie schließlich zum Education Assessment and Resource Centre (EARC) in Kismayo, der Hauptstadt des Bundesstaates Jubaland. Es wird dort vom Lutherischen Weltbund (LWB) mit Unterstützung des Australian Lutheran World Service (ALWS) und weiterer Partner betrieben und bietet fachliche Begleitung und Inklusionsangebote für Kinder und Erwachsene mit Behinderungen. Damit ist es ein wichtiger Baustein der breit angelegten Bemühungen des LWB, die Würde, Inklusion und das Wohlergehen vulnerabler Bevölkerungsgruppen in Somalia zu stärken.  

Als Mushtaq mit knapp zehn Monaten zum ersten Mal ins EARC kam, zeigte sie eine verminderte Muskelspannung und deutliche Verzögerungen bei wichtigen Entwicklungsschritten. Sie konnte nicht ohne Hilfe sitzen; Haltung und Muskelkraft mussten gezielt gefördert werden.  

Mit Physiotherapie, speziellen Übungen und spielerischen Therapiestunden gewann Mushtaq spürbar an Kraft und machte große Fortschritte in ihren grobmotorischen Fähigkeiten, etwa beim Sitzen, Krabbeln und beim Halten des Gleichgewichts. Für Nimco waren diese Fortschritte eine große Erleichterung und gaben ihr neue Hoffnung.  

Stigmatisierung und Vorurteile überwinden  

Nimco erzählt, dass Kinder mit Down-Syndrom in ihrer Kindheit und Jugend häufig versteckt wurden oder in Heimen landeten, weil man glaubte, sie könnten nichts zur Gesellschaft beitragen. „Aber ich weiß, dass meine Tochter viel erreichen kann, wenn sie einmal groß ist“, sagt sie.  

Die Liebe und die Frühförderung, die Mushtaq heute erhält, lassen Nimco zuversichtlich auf eine bessere Zukunft blicken.  

Mut und Ausdauer: Mariams Geschichte  

In vielen Teilen Somalias haben jahrelange Konflikte und erdrückende Armut dazu geführt, dass Familien dauerhaft im Überlebensmodus gefangen sind. Sicherheit scheint brüchig, und Träume fühlen sich riskant an. Und für unzählige Mädchen ist Bildung oft das Erste, das auf der Strecke bleibt. An ihre Stelle treten Hausarbeit, die frühe Übernahme von Verantwortung und die fest verankerte Überzeugung, Schule sei „nichts für sie“. Doch in den staubigen Gassen eines Camps für Binnenvertriebene in Kismayo vollzieht sich eine stille Revolution, angeführt von einem Mädchen mit einem entschlossenen Funkeln in den Augen.  

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Mariam Mohamed (14) erhält an der Cadceed School in Kismayo, Bundesstaat Jubaland, Somalia, ihre neue Schuluniform. Foto: LWS – Länderprogramm Kenia-Somalia 

Mariam Mohamed (14) erhält an der Cadceed School in Kismayo, Bundesstaat Jubaland, Somalia, ihre neue Schuluniform. Foto: LWS – Länderprogramm Kenia-Somalia 

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Mushtaq Bashir Jamac mit ihrer Therapeutin und ihrer Mutter in der EARC-Einrichtung des LWB in Kismayo, Somalia. Foto: LWS – Länderprogramm Kenia-Somalia

Mushtaq Bashir Jamac mit ihrer Therapeutin und ihrer Mutter in der EARC-Einrichtung des LWB in Kismayo, Somalia. Foto: LWS – Länderprogramm Kenia-Somalia

Die 14-jährige Mariam Mohamed lebt mit ihrer Mutter und ihren vier Geschwistern in einer kleinen Unterkunft, die notdürftig zusammengeflickt ist aus allem, was sie eben finden konnten. Das Leben meinte es nicht gut mit ihr: Als sie noch klein war, stürzte der Verlust ihres Vaters die Familie in noch größere Unsicherheit. Aber für Mariam ist Lernen ein Rettungsanker. „Ich will unbedingt richtig gut in der Schule sein und später Englischlehrerin werden“, sagt sie leise, aber bestimmt. „Nichts kann mich vom Lernen abhalten.“  

Ihre Mutter Batran Farah zog die Kinder nach dem Tod ihres Mannes allein groß. Und dieser Weg war oft sehr schmerzhaft. Mariam erinnert sich, dass sie oft mit leerem Magen zum Unterricht ging, aber so tat, als hätte sie keinen Hunger. „Aber ich danke Gott, dass ich noch lebe und lernen kann. Ich habe immer noch Hoffnung.“  

In der Schule strahlt Mariam eine Begeisterung aus, die andere ansteckt. „Sie ist für viele Mädchen ein Vorbild“, sagt ihr Lehrer Hussein Yussuf. „Konzentriert, fleißig und nicht abzulenken.“ Neue Kraft bekam diese Hoffnung durch die Unterstützung des ALWS: Schulmaterialien, eine saubere Uniform, neue Schulbänke und Lebensmittel in Form von nahrhaften Trockenrationen für ihre Familie.

In Würde leben

Beide Mütter, Nimco und Batran, können ihre Kinder jetzt mit einem nährstoffangereicherten Brei versorgen, den sie dank der finanziellen Unterstützung durch ALWS zur Verfügung haben. Ihre Kinder müssen also nicht mehr hungern. Nimco erhält zudem über das EARC psychosoziale Beratung und besucht dort Alphabetisierungskurse für Erwachsene, in denen sie ihre Lese-, Schreib- und Rechenkenntnisse verbessern konnte. Das hat ihr Selbstvertrauen und ihre Fähigkeit gestärkt, für ihre Familie zu sorgen.  

Batran sagt, dass ihre Familie inzwischen in Würde leben könne und ihre Tochter die Chance habe, ihren Träumen nachzugehen. In einer Gesellschaft, in der viele Mädchen immer noch zu Hause bleiben müssen, kann Mariam weiter zur Schule gehen und lernen und an ihren Träumen festhalten. Und damit schreibt sie still und leise die Zukunft Somalias um – eine hoffnungsvolle Schulstunde nach der anderen. 

 

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LWB/Osman Hussein, bearbeitet von Esther Williams
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