Ratstagung des LWB in Genf: Gemeinschaft stärken, Verantwortung wahrnehmen
Mit Vorversammlungen von Frauen, Männern und jungen Erwachsenen begann die diesjährige Ratstagung des Lutherischen Weltbundes (LWB) in der Nähe von Genf. Delegierte aus allen sieben Regionen der weltweiten Kirchengemeinschaft kamen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, gemeinsame Anliegen zu beraten und sich geistlich wie thematisch auf die kommenden Sitzungstage einzustimmen unter dem Leitwort der Ratstagung aus Römer 1,12: „einander ermutigen durch den Glauben, der uns verbindet“.
14. Juni 2026, Genf, Schweiz: Nach dem Sonntagsgottesdienst in der Kirche „La Dôle“ im Dorf Gingins unweit von Genf versammeln sich die Menschen zu einem Foto, während der Rat des Lutherischen Weltbundes (LWB) vom 9. bis 16. Juni unter dem Motto „Lasst euch gegenseitig durch euren Glauben ermutigen“ (Röm 1,12) tagt. Foto: LWB/Albin Hillert
In den Vorversammlungen wurde deutlich, wie vielfältig die Perspektiven innerhalb der lutherischen Gemeinschaft sind – und wie sehr wir zugleich durch gemeinsame Fragen verbunden sind. In der Frauenvorversammlung standen Fortschritte und Herausforderungen im Bereich der Geschlechtergerechtigkeit im Mittelpunkt. Ermutigende Entwicklungen wie die Ordination erster Bischöfinnen in Kenia, Nepal und Hongkong zeigen, dass Frauen zunehmend Leitungsverantwortung übernehmen. Gleichzeitig wurde aber auch auf gesellschaftliche Rollbacks, die Wiedererstarkung traditioneller, teilweise reaktionärer Rollenbilder hingewiesen
Die Jugend-Vorversammlung widmete sich vor allem Fragen von Partizipation und Gemeinschaft im internationalen Netzwerk. Besonders die stärkere Einbeziehung junger Menschen durch selbstorganisierte Projekte und neue, offenere Zugänge zu Veranstaltungen wurde als wichtiger Schritt hin zu mehr Transparenz und Eigenverantwortung gewürdigt.
Die Männer-Vorversammlung griff biblisch-theologische Perspektiven auf und fragte danach, wie verantwortliche Leitung in Kirche heute gestaltet werden kann. Im Zentrum stand dabei ein Verständnis von Leitung, das Menschen befähigt, ihre Gaben zu entfalten, auf Vertrauen setzt und von Authentizität und Empathie geprägt ist. Leitung wird dabei als gemeinschaftlicher Prozess verstanden, der Kritik zulässt und auf das Wirken des Heiligen Geistes vertraut.
LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt spricht während einer Ausschusssitzung im Rahmen der Tagung des Rates des Lutherischen Weltbundes (LWB), die vom 9. bis 16. Juni unter dem Motto „Lasst uns einander durch den Glauben ermutigen“ (Röm 1,12) stattfindet. Foto: LWB/Albin Hillert
Tim Götz von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern singt während des Eröffnungsgebets anlässlich der Tagung des Rates des Lutherischen Weltbundes (LWB), die vom 9. bis 16. Juni unter dem Motto „Lasst uns einander durch den Glauben ermutigen“ (Röm 1,12) stattfindet. Foto: LWB/Albin Hillert
Der Gedanke aus Römer 1,12: „einander ermutigen durch den Glauben, der uns verbindet“ zog sich durch Gottesdienste, Bibelarbeiten und Beratungen. In einer eindrücklichen Bibelarbeit von Bischof emeritus Athaualpa Hernandez aus Kolumbien zu Matthäus 18 wurde die Frage nach dem Umgang mit Konflikten in Gemeinschaften diskutiert – ein Thema, das die Kirchen weltweit in sehr unterschiedlichen Kontexten beschäftigt.
Inhaltlich prägten zentrale Beiträge aus der Leitung des LWB die Beratungen. Präsident Henrik Stubkjær warb dafür, angesichts globaler Krisen weder in Optimismus noch in Pessimismus zu verfallen, sondern die christliche Hoffnung als handlungsleitende Perspektive stark zu machen. Generalsekretärin Dr. Anne Burghardt berichtete von den aktuellen Aktivitäten des LWB entlang der strategischen Schwerpunkte: verantwortungsbewusste Theologie, lebendige Kirchen, Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden sowie der Dienst am Nächsten. Dabei wurde deutlich: Der Glaube motiviert dazu, sich aktiv in gesellschaftliche Herausforderungen einzubringen und Alternativen zu Polarisierung und Ungerechtigkeit aufzuzeigen.
Atahualpa Hernández Miranda von der Evangelisch-Lutherischen Kirche Kolumbiens leitet eine Andacht während des Morgengebets, das im Rahmen der Tagung des Rates des Lutherischen Weltbundes (LWB) vom 9. bis 16. Juni Foto: LWB/Albin Hillert
Nach dem Eröffnungsgottesdienst in der Paroisse de Founex St. Robert singen und tanzen die Menschen zum Lied „We are marching in the light of God“, während vom 9. bis 16. Juni die Ratssitzung des Lutherischen Weltbundes (LWB) stattfindet. Auf dem Foto zu sehen sind unter anderem Barbara Lund, Christine Mangale, Sally Azar und Veronica Pålsson. Foto: LWB/Albin Hillert
Jeff Pym von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kanada hält im Namen des LWF-Stiftungsfonds einen Vortrag anlässlich der Tagung des Rates des Lutherischen Weltbundes (LWB) vom 9. bis 16. Juni. Foto: LWB/Albin Hillert
Ein besonderer Meilenstein mit Blick in die Zukunft ist die Entscheidung des Rates, die nächste Vollversammlung vom 20. bis 27. Juni 2030, also während des Zeitraums des Jahrestages der Unterzeichnung des Dokumentes in Augsburg stattfinden zu lassen. Im Mittelpunkt wird das 500-jährige Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses unter dem Leitwort: “Confessing the Hope of the Gospel” stehen.
Das vom Rat neu eingesetzte Komitee, in dem alle sieben Regionen vertreten sind, wird im kommenden Jahr die thematische Ausgestaltung sowie die inhaltlichen Schwerpunkte des Jubiläums und der Vollversammlung weiter erarbeiten.
Bereits jetzt stößt die im DNK/LWB entwickelte deutsch-englische Ausgabe dieses Grundtextes der lutherischen Tradition auf großes internationales Interesse – ein Zeichen für die anhaltende Bedeutung des Bekenntnisses weit über den deutschsprachigen Raum hinaus.
Die gedruckte Ausgabe kann kostenlos in der Geschäftsstelle des DNK/LWB bestellt werden; bei Interesse genügt eine E-Mail an info@dnk-lwb.de.
Leila Ortiz von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika stellt den Bericht eines Lenkungsausschusses zur Augsburger Konfession vor, während der Rat des Lutherischen Weltbundes (LWB) vom 9. bis 16. Juni tagt. Foto: LWB/Albin Hillert
Auf dem Tisch liegen Exemplare des Augsburger Bekenntnisses, während der Rat des Lutherischen Weltbundes (LWB) vom 9. bis 16. Juni tagt. Foto: LWB/Albin Hillert
Kristina Kühnbaum-Schmidt von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, Voristzende des DNK/LWB (links), und Andreas Ohlemacher vom DNK/LWB (rechts) stellen die Arbeit zur Veröffentlichung neuer Ausgaben des Augsburger Bekenntnisses in verschiedenen Sprachen vor, während der Rat des Lutherischen Weltbundes (LWB) vom 9. bis 16. Juni tagt. Foto: LWB/Albin Hillert
In den Komitees des Rates wurden u. a. Leitlinien für den verbindlichen Umgang mit Mitgliedsbeiträgen erarbeitet und vom Rat verabschiedet sowie der Rahmen für den Mutual Responsibility Processs vorgestellt. Außerdem wurden Ideen für die Zukunft des Instituts für ökumenische Forschung in Straßburg präsentiert.
Auch geistliche Gemeinschaft prägte die Tage in Genf. Gottesdienste, Abendmahlsgemeinschaft und das gemeinsame Singen von Liedern in unterschiedlichen Sprachen und Traditionen, machten die weltweite Verbundenheit erfahrbar.
Ein wichtiger Bestandteil der Ratstagung sind die öffentlichen Stellungnahmen des LWB zu aktuellen globalen Herausforderungen. Diese wurden zum Abschluss der Tagung verabschiedet und unterstreichen den Anspruch des LWB, als Stimme für Gerechtigkeit, Frieden und Menschenwürde hörbar zu sein.
Die Ratstagung in Genf hat einmal mehr gezeigt: Die Gemeinschaft des Lutherischen Weltbundes lebt vom Austausch, vom gemeinsamen Ringen um Positionen und von der geistlichen Verbundenheit im Glauben. Gerade in einer von Krisen und Unsicherheiten geprägten Welt bleibt diese Gemeinschaft eine wichtige Quelle von Hoffnung, Orientierung und gemeinsamer Verantwortung.
Eröffnungsgottesdienst in der Paroisse de Founex St. Robert anlässlich der Tagung des Rates des Lutherischen Weltbundes (LWB) vom 9. bis 16. Juni. Foto: LWB/Albin Hillert
Teilnehmer heben ihre grünen Karten, um für einen Antrag zu stimmen, während der Rat des Lutherischen Weltbundes (LWB) vom 9. bis 16. Juni tagt. Foto: LWB/Albin Hillert
Auf dem Foto zu sehen sind unter anderem Susan Matroos von der Evangelisch-Lutherischen Kirche im südlichen Afrika (links), Michael Martin von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (Mitte) und Toromaree Mananato von der Madagaskarischen Lutherischen Kirche (rechts). Foto: LWF/Albin Hillert