Ratstagung: Bekenntnis zur Hoffnung des Evangeliums soll Vorbereitungen auf Jubiläum 2030 bestimmen
Das gemeinsame Glaubensverständnis festigen, ökumenisches Engagement ausbauen und zu mutigem Zeugnis für das Evangelium von Jesus Christus animieren – das sind die drei Zielsetzungen, die die lutherischen Kirchen in ihren Vorbereitungen auf das 500-jährige Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses leiten sollen.
Bischöfin em. Leila Ortiz, Vorsitzende des Lenkungsausschusses „500 Jahre Augsburger Bekenntnis“, überreicht den Bericht den Ratsmitgliedern. Foto: LWB/Albin Hillert
Lenkungsausschuss für 500-jähriges Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses skizziert Ziele und Leitgedanken
(LWI) – Das 500-jährige Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses 2030 sei eine wichtige Gelegenheit für den Lutherischen Weltbund (LWB), „um zu bekräftigen, dass er eine Gemeinschaft von Kirchen ist, für die das Evangelium im Mittelpunkt steht, um sein ökumenisches Engagement auszubauen und um zu einem mutigen öffentlichen Zeugnis [in einer von Herausforderungen und Unsicherheit geprägten Welt] zu animieren“.
In einem Bericht an den LWB-Rat hat der Lenkungsausschuss „500 Jahre Confessio Augustana“ Leitgedanken, strategische Eckpunkte und Themenvorschläge für das Büro der Kirchengemeinschaft und die Mitgliedskirchen formuliert, mit denen sich diese in der Zeit bis zu dem für die gesamte lutherische Welt wichtigen Jubiläum beschäftigen können.
Eine Gruppe von Vertreterinnen und Vertretern der sieben LWB-Regionen hat in den vergangenen zwölf Monaten intensiv daran gearbeitet, einen Rahmen zu erarbeiten, der die Kirchen auf ihrem Weg bis 2030 inspirieren, beflügeln und begleiten kann. Im Juni ebendieses Jahres wird auch die Vierzehnte LWB-Vollversammlung stattfinden, um genau mit dem Datum zusammenfallen, an dem das Augsburger Bekenntnis 500 Jahre zuvor von den Reformatoren an Kaiser Karl V. überreicht wurde.
Welt und die Machtstrukturen haben sich verändert, die Herausforderungen sind andere, aber das Zeugnis bleibt das gleiche.
Bischöfin Emerita Leila Ortiz, die Vorsitzende des Lenkungsausschusses „500 Jahre Confessio Augustana“
„Wir haben uns im Lenkungsausschuss gefragt, was es in unserer heutigen Zeit wohl heißt, sich zur Hoffnung des Evangeliums zu bekennen“, sagte Bischöfin Emerita Leila Ortiz, die Vorsitzende des internationalen Lenkungsausschusses. „Die Welt und die Machtstrukturen haben sich verändert, die Herausforderungen sind andere, aber das Zeugnis bleibt das gleiche“, führte sie aus.
Der Bericht benennt drei zentrale Zielsetzungen für die weltweite Kirchengemeinschaft, die zum Erbe und zur Geschichte der Reformation passen, und versucht das gemeinsame Verständnis vom Glauben und der Rolle der Kirchen in unserer heutigen Welt zu festigen. Der Bericht unterstreicht, dass das ursprüngliche Dokument „eine Ausformulierung der Grundlagen des evangelischen Glaubens“ gewesen sei – „kein Vorstoß, um sich von der katholischen Kirche abzuspalten, sondern der ernsthafte Versuch, Kontinuität mit der katholischen Kirche aufzuzeigen und gleichzeitig Zeugnis abzulegen für die befreiende Wahrheit des Evangeliums“.
Die erste Zielsetzung sei, sich mit der Bedeutung des Glaubensbekenntnisses auseinanderzusetzen, nicht im Sinne eines „starren historischen Dokuments“, sondern im Sinne eines „Zeugnisses für eine lebendige Glaubenstradition, die die Wahrheiten des Evangeliums in den heutigen Lebensrealitäten der Menschen zum Ausdruck bringt“. Diese Vision, deren Kernelement das Evangelium ist, sei für alles Weitere von zentraler Bedeutung, erklärten die Verfasserinnen und Verfasser des Berichts, auch für „unser Verständnis von der Kirche, unsere ethischen Selbstverpflichtungen und unser Wirken im öffentlichen Raum“.
Der neunköpfige Lenkungsausschuss „500 Jahre Confessio Augustana“ ist im Januar 2026 in Genf mit Mitarbeitenden des LWB-Büros der Kirchengemeinschaft zusammengekommen. Foto: LWB/Arni Danielsson
Die zweite Zielsetzung sei, „das ökumenische Engagement auszubauen“, die Zusammenarbeit mit den Partnern aus anderen christlichen Glaubenstraditionen zu vertiefen, um den Weg hin zu größerer Einheit und Versöhnung sichtbar zu machen. Diese Zielsetzung nimmt Bezug auf Artikel VII des Augsburger Bekenntnisses, der definiert, was „genug ist für die wahre Einheit der christlichen Kirche“, und „den zentralen Stellenwert des Evangeliums [betont], das mit Worten verkündigt und in den Sakramenten verkörpert wird“.
Die dritte Zielsetzung sei, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie die Confessio Augustana zu „öffentlichem und mutigem Zeugnis für das Evangelium animieren“ und Räume für respektvollen Austausch in den lokalen Kontexten schaffen könne, in denen die Kirchen heute wirken und Zeugnis ablegen. Damit diese Ziele erreicht werden können, empfiehlt der Bericht, Material in mehreren Sprachen zu erarbeiten, auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene Räume für die Auseinandersetzung mit dem Text zu schaffen und sich in der ökumenischen Arbeit auf die ursprünglichen Ziele des Augsburger Bekenntnisses zu konzentrieren.
„Für den Moment lautet die wichtigste Frage: Wie sieht mutiges, nicht-triumphalistisches Zeugnis in unseren sehr unterschiedlichen Lebenskontexten konkret aus?“, erklärte Pfr. Dr. Sivin Kit, der Direktor der LWB-Abteilung für Theologie, Mission und Gerechtigkeit. „Die Confessio Augustana ruft uns in Erinnerung, dass wir in der Gnade Gottes verwurzelt sind und für froh gelaunten, hingebungsvollen Dienst in die Welt gesandt wurden und gleichzeitig Zeugnis ablegen sollen für die Hoffnung des Evangeliums.“