Mittelamerika: Durch Gemeinschaft und Dienst den Glauben stärken
Leitungspersonen lutherischer Kirchen aus Mittelamerika, Mexiko und Kuba sind in El Salvador zusammengekommen, um einander angesichts der aktuellen Herausforderungen Hoffnung und Mut zu machen sowie ihr gemeinsames Zeugnis zu stärken.
Bischöfin Guadalupe Cortéz von der Salvadorianischen Lutherischen Kirche trägt während der Eröffnungsandacht des Treffens ihren Impuls vor. Foto: LWB/ E. Albrecht
Treffen von Kirchenleitenden stärkt gegenseitige Ermutigung unter den Kirchen in Mittelamerika, Mexiko und Kuba
SAN SALVADOR / El Salvador (LWI) – Unter dem Thema „Lasst uns einander im Glauben ermutigen“ trafen sich vom 8. bis 9. Juli in San Salvador 14 Kirchenleitende aus Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Mittelamerika, Mexiko und Kuba. Gastgeberin war die Salvadorianische Lutherische Kirche (ILS). Das Thema, das auch auf der jüngsten Tagung des LWB-Rates im Mittelpunkt stand, lud die Teilnehmenden dazu ein, gegenseitige Unterstützung als Grundlage des Lebens und des Auftrags der Kirchen zu erkunden.
In einem biblischen Impuls zu Römer 1,11–12 erinnerte Bischöfin Guadalupe Cortéz de Huezo von der ILS daran, dass selbst der Apostel Paulus durch den Glauben anderer gestärkt werden musste. Dies zeige, dass geistliches Wachstum in Gemeinschaft und nicht im stillen Kämmerlein stattfinde. „Wahrer Glaube wächst durch Gemeinschaft und gemeinsamen Dienst“, sagte sie. Die Kirchen in der Region seien aufgerufen, gemeinsam auf Herausforderungen wie Migration, Gewalt, Armut und Ausgrenzung zu reagieren.
Der Glaube als Fundament
In ihrem Grußwort an die Teilnehmenden betonte Pfarrerin Sonia Skupch, LWB-Regionalreferentin für Lateinamerika und die Karibik sowie Nordamerika, wie wichtig es sei, eine Pause vom Alltag einzulegen, um Raum für gemeinsame Reflexion und den Aufbau von Gemeinschaft zu schaffen. Mit Blick auf die gemeinsame Grundlage im Glauben erklärte sie, dass Leitungspersonen häufig andere ermutigten, aber auch selbst Ermutigung und Unterstützung bräuchten.
Zudem stellte Skupch die christliche Hoffnung als eine Sichtweise auf die Wirklichkeit vor, die von Gottes Verheißung geprägt ist. Angesichts der Krisen in Gesellschaft und Kirche sei Hoffnung kein naiver Optimismus, sondern die Gewissheit der Gegenwart Gottes, die uns zu verantwortungsbewusstem und engagiertem Handeln bewege: „Hoffnung ist die Brille, durch die wir die Welt im Glauben betrachten“. Skupch lud die Teilnehmenden dazu ein, die Wirklichkeit aus der Perspektive der Kreuzestheologie zu deuten und diese Hoffnung sowohl in großen Projekten als auch in alltäglichen Gesten sichtbar werden zu lassen.
Hoffnung ist zeitlos; sie ist gegenwärtig; sie ist beständig. Zeugnis ist das konkrete Handeln der Kirche, die Übereinstimmung zwischen dem, was sie sagt, und dem, was sie tut.
Rolando Ortez, Pfarrer und Präsident der Christlich-Lutherischen Kirche von Honduras
Im Rahmen von „Tischgesprächen“ zu den drei Unterthemen Dankbarkeit, Hoffnung und Zeugnis setzten sich die Teilnehmenden damit auseinander, wie diese Werte Leitungsverantwortung und kirchliches Leben stärken können. Der Präsident der Christlich-Lutherischen Kirche von Honduras, Pfarrer Rolando Antonio Ortez, betonte, dass christliche Hoffnung auch inmitten von Unsicherheit Bestand habe. „Hoffnung ist zeitlos; sie ist gegenwärtig; sie ist beständig. Das Zeugnis der Kirche wird in ihrem Handeln sichtbar, wenn das, was sie sagt, mit dem übereinstimmt, was sie tut“. Dankbarkeit gehöre untrennbar zum Dienst in der Kirche, betonte er. „Die meisten von uns verdanken der Kirche, dass wir heute Leitungsverantwortung tragen.“
Pfarrerin Laura Saravia von der ILS beschrieb die Veranstaltung als Gelegenheit, die persönlichen Beziehungen zwischen den Kirchenleitenden der Region zu vertiefen. bezeichnete das Treffen als eine Gelegenheit, die persönlichen Beziehungen zwischen den Kirchenleitenden der Region zu vertiefen. „Es war wunderbar zu sehen, wie viel Grund zur Dankbarkeit es gibt, wie die Hoffnung uns als Christinnen und Christen bewegt und wie die Lebenszeugnisse anderer uns inspirieren und ermutigen, persönlich und geistlich weiterzuwachsen“, sagte sie.
Pfarrer Atahualpa Hernández von der Evangelisch-Lutherischen Kirche Kolumbiens erinnerte daran, dass „Dankbarkeit das Gegenmittel gegen Verzweiflung ist“ – eine Überzeugung, die im Laufe des Tages immer wieder hervorgehoben wurde. Pfarrer Carlos Bonilla, Präsident der Lutherischen Costa-Ricanischen Kirche, lud die Teilnehmenden ein, ihren Blick zu weiten und auch das Zeugnis anderer Kirchen innerhalb der lutherischen Kirchengemeinschaft wahrzunehmen. „Wir müssen dankbar sein für das Zeugnis unserer Schwestern in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika, die große Tapferkeit und großen Mut beweisen“, bekräftigte er.
Pfarrer Ismael Laborde, Bischof der Vereinigten Evangelischen Kirche in Kuba Lutherische Synode, erläutert die aktuelle Lage in seinem Land und die Arbeit der Kirche in verschiedenen Gemeinden. Foto: LWB / E. Albrecht
Leitungspersonen aus Mittelamerika, Mexiko und Kuba besuchten die Gemeinschaft „Pan de Vida“ der Salvadorianischen Lutherischen Kirche und erfuhren mehr über die Gemeinschaft und die Sozialarbeit, die diese in der Kleinstadt Jayaque leistet. Foto: LWB / E. Albrecht
Ein keimender Samen als Symbol für die Arbeit der „Pan de Vida“-Gemeinschaft, die etwa zehn Familien täglich mit Lebensmitteln versorgt. Foto: LWB / E. Albrecht
Regionaler und globaler Kontext
Einer der Höhepunkte der Tagung war Skupchs Vortrag über die aktuellen Arbeitsschwerpunkte des LWB. Sie stellte den Studienprozess zum Augsburger Bekenntnis im Vorfeld seines 500-jährigen Jubiläums im Jahr 2030 vor und berichtete über die Erarbeitung des Rahmens für gegenseitige Verantwortung. Außerdem informierte sie über den aktuellen Stand der humanitären Hilfe des LWB in Venezuela nach den verheerenden Erdbeben im vergangenen Monat.
Vertreterinnen und Vertreter des Menschenrechtsinstituts der Zentralamerikanischen Universität (IDHUCA) stellten den Teilnehmenden eine Analyse der politischen und sozialen Lage in El Salvador vor. Während der Präsentation wiesen sie darauf hin, dass das Land einen Prozess hin zu einer „elektoralen Autokratie“ durchlaufe, in der zwar weiterhin Wahlen stattfänden, demokratische Institutionen und rechtsstaatliche Garantien jedoch geschwächt worden seien. Sie warnten vor den Folgen des seit 2022 geltenden Ausnahmezustands. Berichten des IDHUCA zufolge sei etwa ein Drittel der im Rahmen des Ausnahmezustands Inhaftierten unschuldig, erhalte jedoch keinen Zugang zu anwaltlicher Verteidigung. Diese Situation stelle eine der größten Herausforderungen für den Schutz der Menschenrechte im Land dar.
Wahrer Glaube wächst durch Gemeinschaft und gemeinsamen Dienst.
Bischöfin Guadalupe Cortéz, Salvadorianische Lutherische Kirche.
Die Leitungspersonen der LWB-Mitgliedskirchen reisten außerdem in die Stadt Jayaque, um die Gemeinschaft „Pan de Vida“ zu besuchen. Im Gespräch mit Pfarrerin Emely Chávez und einigen Bewohnerinnen und Bewohnern sprachen sie über die Anliegen der Gemeinschaft sowie über ihre Arbeit und ihre Rolle in der Gesellschaft. Die Teilnehmenden lernten außerdem eines der landwirtschaftlichen Projekte kennen, in dessen Rahmen rund zehn Familien aus der Gemeinschaft Nutzpflanzen anbauen und ernten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.
Regionale Treffen von kirchlichen Leitungspersonen bieten den Kirchen Raum, gemeinsam in Gemeinschaft zu wachsen und die Vision des LWB zu unterstützen, gemeinsam für eine gerechte, friedliche und versöhnte Welt zu leben und zu arbeiten.