Lutherische Führungskräfte nehmen am Treffen in Assisi zum Thema „unbewaffneter und entwaffnenden Frieden“ teil
Eine Delegation des LWB nimmt an der interreligiösen Tagung der Gemeinschaft Sant’Egidio teil, auf der eindringlich zum Frieden und zum Schutz der Menschheit im Zeitalter neuer Technologien aufgerufen wird.
Pfarrer Dr. Sivin Kit, Direktor der Abteilung für Theologie, Mission und Gerechtigkeit (links), LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjær (vierter von links) und Bischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt, Vorsitzende des LWB/GNC (dritte von rechts), mit weiteren Teilnehmern der Tagung der Gemeinschaft Sant’Egidio. Foto: LWB
LWB-Präsident Stubkjær spricht als Leiter einer LWB-Delegation auf der 40. Interreligiösen Tagung der Gemeinschaft Sant’Egidio
(LWI) – „Unbewaffneter und entwaffnender Frieden“ lautete das Thema einer internationalen interreligiösen Tagung, die diese Woche von der römisch-katholischen Gemeinschaft Sant’Egidio in Assisi, Italien, organisiert wurde und an der rund 5.000 führende Persönlichkeiten aus Religion, Politik und Zivilgesellschaft teilnahmen. Der Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB), Bischof Henrik Stubkjær, gehörte zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, ebenso Bischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt, Vizepräsidentin für Mittel- und Westeuropa und Vorsitzende des deutschen Nationalkomitees des LWB, sowie Pfarrer Dr. Sivin Kit, Direktor der Abteilung für Theologie, Mission und Gerechtigkeit.
In einer Podiumsdiskussion zum Thema „Menschlichkeit im Zeitalter der Technologie“ sagte Stubkjær, Assisi sei „der richtige Ort, um gemeinsam über Technologie und ihre Folgen für das menschliche Leben nachzudenken“. Der heilige Franziskus, so sagte er, „erinnert uns daran, dass wir zueinander und zu Gottes Schöpfung gehören. Technologie kann uns dieser Realität näherbringen oder uns von ihr entfernen. Wir müssen uns gemeinsam gegen eine Technologie wehren, die uns voneinander und von der Schöpfung entfremdet.“
Technologie kann Menschen zusammenbringen oder zu Polarisierung führen
Der LWB-Präsident trug ein kleines Kreuz aus einer Patronenhülse aus dem Bürgerkrieg in Liberia bei sich und erinnerte daran, wie eine lutherische Gemeinde in diesem vom Krieg zerrissenen Land gelernt habe, die Metallhülsen in Symbole des Lebens und des Friedens zu verwandeln. In ähnlicher Weise, so sagte er, könne Technologie Menschen zusammenbringen oder aber die Polarisierung weiter verschärfen, die Menschen auseinandertreibt und Menschenleben zerstört. Er lobte den auf der Tagung bekräftigten „Rome Call for AI Ethics“, der von allen an der Technologieentwicklung beteiligten Personen „Transparenz, Inklusion und Rechenschaftspflicht“ fordert.
Im Zusammenhang mit „zeitgenössischen Märtyrern und Märtyrerinnen“ führte Kit Beispiele von Menschen an, die wegen ihres Glaubens leiden – als „kleine Minderheiten in abgelegenen Bergregionen, fernab von der Macht“ und „fernab von den Medien“. Dazu gehörte eine Missionarin namens Bindu Devi, Mitglied der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Manipur in Varanasi im Nordosten Indiens, die nach dem Ausbruch ethnischer Gewalt im Jahr 2023 angegriffen wurde und starb. Ihr wurde ein christliches Begräbnis verweigert.
Diese Märtyrer und Märtyrerinnen, so Kit, „sind nicht nur Einzelpersonen. Es sind Familien, Gemeinden, ganze Bevölkerungsgruppen. Und sie sind nicht nur Lutheraner. Es sind Katholiken, Baptisten, Anglikaner, Pfingstler: Alle, die fernab der Kameras Zeugnis für das Evangelium des Friedens ablegen.“ Doch diese Märtyrerinnen und Märtyrer seien nicht vergessen, sagte er und fügte hinzu: „Noch immer versammeln sich ihre Gemeinden, um Gott zu verehren, anderen zu dienen und für den Frieden Zeugnis abzulegen.“
Frieden wird nicht nur an Verhandlungstischen erreicht, sondern auch durch Beziehungen, die Menschen bereit sind, aufrechtzuerhalten.
Bischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt, Vorsitzende des Nationalkomitees des LWB in Deutschland
In einer Podiumsdiskussion zum Thema „Christliche Einheit – eine offene Frage“ bekräftigte Kühnbaum-Schmidt, Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, dass „Frieden mehr ist als die Abwesenheit bewaffneter Konflikte. Es geht darum, wie wir miteinander umgehen, wessen Würde wir anerkennen und ob wir bereit sind, das Leid derer zu sehen, die von der Gesellschaft allzu leicht übersehen werden.“ Frieden werde „nicht nur an Verhandlungstischen erreicht, sondern auch durch Beziehungen, die Menschen bereit sind, aufrechtzuerhalten“, betonte sie.
In einer Welt zunehmender Konflikte, Spaltungen und Ausgrenzung, so die Vizepräsidentin des LWB, stünden Kirchen und Religionsgemeinschaften vor „der gemeinsamen Verantwortung, denen beizustehen, deren Würde bedroht ist“, und gemeinsam mit allen Menschen guten Willens für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden einzustehen. Die Arbeit für die christliche Einheit könne zu „einer entwaffnenden Präsenz in einer Welt werden, die sich zunehmend an die Logik der Gewalt gewöhnt hat“. „Wir erheben unsere Stimme, wenn die Menschenwürde verletzt wird, stehen an der Seite derer, die an den Rand gedrängt werden, bauen Beziehungen auf, wo andere Mauern aufbauen, und bleiben offen für den Dialog, ohne unsere Überzeugungen aufzugeben.“
Die vom 25. bis 27. Oktober stattfindende Veranstaltung war die 40. Tagung der Gemeinschaft Sant‘Egidio, inspiriert durch den Weltgebetstag für den Frieden von Papst Johannes Paul II. in Assisi. Im Oktober 1986 hatte er die Führungskräfte aller großen Glaubensgemeinschaften der Welt in die Stadt des heiligen Franziskus eingeladen, um für ein Ende von Kriegen und Konflikten zu beten. Die verstorbene Susannah Telewoda von der Lutherischen Kirche in Liberia, ehemalige Vizepräsidentin des LWB für Afrika, war die einzige Frau, die bei diesem historischen Ereignis im Namen ihrer Glaubensgemeinschaft das Wort ergriff.