Kirchen Europas bereiten sich auf 500-jähriges Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses vor

16 Okt 2026

Delegierte europäischer Kirchen setzen sich mit dem Erbe eines Dokuments auseinander, das „zur DNA“ der lutherischen Kirchen weltweit gehört.

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Die Teilnehmenden an der Tagung der drei europäischen LWB-Regionen vom 6. bis 9. Oktober 2026 in Augsburg, Deutschland. Foto: LWB/Albin Hillert

Die Teilnehmenden an der Tagung der drei europäischen LWB-Regionen vom 6. bis 9. Oktober 2026 in Augsburg, Deutschland. Foto: LWB/Albin Hillert

Tagung der europäischen LWB-Regionen in Friedensstadt Augsburg beendet

(LWI) – Wie kann man sich in einer Zeit, in der die Menschen, Kirchen und Bevölkerungsgruppen zunehmend polarisiert und immer weniger bereit sind, sich andere Sichtweisen auch nur anzuhören, für Einheit und Frieden einsetzen? Das war die zentrale Frage bei einer Tagung der drei europäischen Regionen des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Augsburg, Deutschland, vom 6. bis 9. Oktober. In der Friedensstadt Augsburg, die weltweit für ihr Eintreten für Frieden bekannt ist, beschäftigten sich die Teilnehmenden mit der Zeit und dem Weg hin zum 500-jährigen Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses 2030 und zur Vierzehnten LWB-Vollversammlung, die im gleichen Jahr ebendort stattfinden wird.

Über 80 Vertreterinnen und Vertreter der LWB-Mitgliedskirchen aus Ost- und Westeuropa sowie den nordischen Ländern kamen mit LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjær und dem Regionalreferenten für Europa, Pfr. Dr. Ireneusz Lukas, zusammen und beschäftigten sich mit dem Thema der Tagung „Seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens“. Eröffnet wurde die Tagung mit einem ökumenischen Gottesdienst in jener Kirche, in der 1999 auch die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre (GER) zwischen den lutherischen und der katholischen Kirche unterzeichnet wurde. Landesbischof Christian Kopp von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern mahnte die Delegierten dabei in seiner Predigt, „am Band des Friedens festzuhalten und es jeden Tag auf Neue zu stärken und zu erneuern“.

Nachdem die Teilnehmenden etwas über die lokalen, regionalen und nationalen Gegebenheiten in Deutschland gehört hatten, folgten Bibelarbeiten von Bischöfin Paneeraq Siegstad Munk von der grönländischen Kirche und von Gemeindepfarrer Szabolcs Nagy von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn. Sie sprachen hoffnungsvoll über die Verbundenheit aller Menschen mit Gottes Schöpfung und über die Versuchung, politische oder religiöse Uniformität zu schaffen und dadurch Vielfalt zu ersticken und die Stimmen von Minderheiten zum Schweigen zu bringen.

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Landesbischof Christian Kopp von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern hält im ökumenischen Gottesdienstes in der St.-Anna-Kirche in Augsburg zur Eröffnung der Tagung der drei europäischen LWB-Regionen die Predigt. Foto: LWB/Albin Hillert

Landesbischof Christian Kopp von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern hält im ökumenischen Gottesdienstes in der St.-Anna-Kirche in Augsburg zur Eröffnung der Tagung der drei europäischen LWB-Regionen die Predigt. Foto: LWB/Albin Hillert

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Bischöfin Paneeraq Siegstad Munk aus der grönländischen Kirche leitet bei der Tagung der drei europäischen LWB-Regionen in Augsburg, Deutschland, eine Bibelarbeit. Foto: LWB/Albin Hillert

Bischöfin Paneeraq Siegstad Munk aus der grönländischen Kirche leitet bei der Tagung der drei europäischen LWB-Regionen in Augsburg, Deutschland, eine Bibelarbeit. Foto: LWB/Albin Hillert

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Pfr. Szabolcs Nagy aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn leitet bei der Tagung der drei europäischen LWB-Regionen in Augsburg, Deutschland, eine Bibelarbeit. Foto: LWB/Albin Hillert

Pfr. Szabolcs Nagy aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn leitet bei der Tagung der drei europäischen LWB-Regionen in Augsburg, Deutschland, eine Bibelarbeit. Foto: LWB/Albin Hillert

Die Kirchenleitenden berichteten über die konkreten Herausforderungen, mit denen ihre Gemeinden konfrontiert seien, beispielsweise Debatten über menschliche Sexualität, anhaltende Gewalt und die Diskriminierung von Frauen sowie das öffentliche Zeugnis der Kirche vor dem Hintergrund eines zunehmenden Rechtspopulismus. „In vielen Diskussionen geht es um Einheit, insbesondere in den Diskussionen um gleichgeschlechtliche Ehen“, unterstrich beispielsweise Bischöfin Ulrika Fritzson von der Schwedischen Kirche. „Die Menschen fragen, ob es in der Kirche Platz für unterschiedliche Meinungen gebe und ob sie Teil der Kirche seien. Wer definiert Einheit, und wer steht am Rande? Bei uns wird darüber lebhaft diskutiert und gerungen“, erklärte sie.

Pfr. Pavel Pokornÿ von der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder berichtete von den Bemühungen seiner Kirchenleitung, immer wieder zu betonen, dass „die Einheit der Kirche auf der Taufe beruht, nicht auf einheitlichen Meinungen“, und rief die Menschen auf, „sich gegenseitig zuzuhören und einen gemeinsamen Weg in die Zukunft zu suchen“. Er nannte praktische Beispiele dafür wie der Ausarbeitung von Leitlinien für einen respektvollen Umgang miteinander, Treffen mit Ältestenräten, Besuchen in Gemeinden und der Einrichtung einer Website zur Diskussion kontroverser Themen und betonte dabei, dass „die Autorität, die uns zusammenhält, nicht auf der einen oder anderen Seite zu finden ist, sondern über uns allen steht“.

Pfr. Olivier Dantine, Superintendent der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Österreich, betonte, Kirchen müssten ihre Stimme erheben und alternative Werte zur populistischen Rhetorik und zur Aushöhlung der Rechte von Minderheiten im heutigen Europa vermitteln. Auch in den nachfolgenden Kleingruppendiskussionen wurden viele dieser Themen aufgegriffen. Aber es wurde auch die Entwicklung und die gemeinsame Nutzung von Materialien zu verantwortungsbewusster Theologie gefordert und die Sorge geäußert, dass Kinder und Jugendliche zunehmend in Konflikte verwickelt seien und sich wegen der Klimakrise Sorgen machten.

Des Weiteren hörten die Teilnehmenden Fachvorträge über die Confessio Augustana – ein Dokument, das den Glauben der Reformation darlegen und zugleich die Einheit der Kirche wahren sollte – sowie über die GER, mit der die zentralen theologischen Spaltungen zwischen lutherischen und der katholischen Kirche überwunden wurden. Außerdem erfuhren die Teilnehmenden mehr über die bisherigen Planungen des LWB, wie die Mitgliedskirchen auf dem Weg bis 2030 einbezogen werden sollen. In den anschließenden lebhaften Diskussionen ging es vor allem um die zentrale Frage, was es im heutigen ökumenischen Kontext bedeutet, Zeugnis für den eigenen Glauben abzulegen, und wie ein Dokument aus dem 16. Jahrhundert für das heutige Publikum zugänglicher und interessanter gemacht werden kann.

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Kleingruppendiskussionen während der Tagung der drei europäischen LWB-Regionen in Augsburg, Deutschland. Auf dem Foto ist unter anderem LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjær (2. v. re.) zu sehen. Foto: LWB/Albin Hillert

Kleingruppendiskussionen während der Tagung der drei europäischen LWB-Regionen in Augsburg, Deutschland. Auf dem Foto ist unter anderem LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjær (2. v. re.) zu sehen. Foto: LWB/Albin Hillert

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Nora Antonsen Nickelsen aus der Norwegischen Kirche spricht bei einem generationenübergreifenden Dialogs im Rahmen der Tagung der drei europäischen LWB-Regionen in Augsburg, Deutschland. Foto: LWB/Albin Hillert

Nora Antonsen Nickelsen aus der Norwegischen Kirche spricht bei einem generationenübergreifenden Dialogs im Rahmen der Tagung der drei europäischen LWB-Regionen in Augsburg, Deutschland. Foto: LWB/Albin Hillert

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Teilnehmende bei einer Stadtführung durch die Augsburger Altstadt im Rahmen der Tagung der drei europäischen LWB-Regionen. Foto: LWB/Albin Hillert

Teilnehmende bei einer Stadtführung durch die Augsburger Altstadt im Rahmen der Tagung der drei europäischen LWB-Regionen. Foto: LWB/Albin Hillert

Fünf Teilnehmende aus verschiedenen Regionen und unterschiedlicher Herkunft nahmen an einem generationsübergreifenden Dialog nach der so genannten „Fishbowl“- oder Innen-/Außenkreis-Methode teil und berichteten aus persönlicher Perspektive, wie das Augsburger Bekenntnis und sein Vermächtnis ihr Leben und ihre Kirchen bis heute prägen. Es ging dabei beispielsweise darum, wie man durch das Brechen von Brot vermitteln kann, was es bedeutet, Kirche zu sein, aber auch um die Versöhnung mit Mitgliedern der mennonitischen Glaubensgemeinschaft und das Entdecken einer tiefer sitzenden lutherischen Identität durch die Auseinandersetzung mit dem Augsburger Bekenntnis. „Bis 2030 möchte ich eine Fassung haben, die die jungen Menschen von heute lesen und verstehen können“, sagte Nora Antonsen, eine Jugendleiterin aus der Norwegischen Kirche.

Des Weiteren standen für die Teilnehmenden während der Tagung Besuche an verschiedenen Orten in der Stadt auf dem Programm, die zeigen sollten, dass Augsburg bis heute ökumenische und interreligiöse Beziehungen fördert und wegweisende Modelle der Versöhnung und der Fürsorge für bedürftige Mitmenschen entwickelt. Zu den Höhepunkten zählten ein Besuch in der Fuggerei, der weltweit ersten Sozialsiedlung, in der auch heute noch bedürftige Menschen eine Unterkunft finden, und eine vom Friedensbüro der Stadt Augsburg organisierte Stadtführung.

Am letzten Tag wurden die Teilnehmenden über das so genannte „Mutual Responsibility Framework“, ein Rahmenkonzept für die Mitgliedskirchen für deren gegenseitige Verantwortlichkeit, informiert, das darauf abzielt, Leitlinien und Orientierungshilfen zu definieren, um die Beziehungen innerhalb der Gemeinschaft zu vertiefen und Beziehungen zu fördern, die von gegenseitigem Respekt geprägt sind. Das Rahmenkonzept soll hervorheben, wie wichtig es ist, dass die Mitgliedskirchen gemeinsam anerkennen, dass das Augsburger Bekenntnisses eines der wichtigsten Lehrdokumente ist, das sie in der weltweiten Kirchengemeinschaft verbindet. „Dieses Dokument ist Teil unserer DNA“, unterstrich ein Teilnehmer und fügte hinzu, dass die Aufgabe in den kommenden Jahren sei, seine Relevanz für die Kirchen in ganz Europa und darüber hinaus neu zu entdecken.

LWB/P. Hitchen
Thematiken:
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Deutschland