Lateinamerika: Junge Menschen sollen Hoffnung vermitteln in schwierigen Zeiten
Die traditionellen Jugendlager in Lateinamerika sind Zeichen der Hoffnung. Sie bieten Raum für Austausch und Heilung, fördern Spiritualität und praktisches Engagement für Mitmenschen und Umwelt
Gruppenfoto vom Jugendlager in der evangelischen Gemeinde in Alto Paraná/Hohenau, Paraguay. Foto: Jóvenes IERP Paraguay
Sommerlager in Argentinien und Paraguay sollen junge, kreative, engagierte und gemeinschaftsorientierte Kirche aufbauen
(LWI) – Anfang 2026 sind wieder zahlreiche junge Menschen aus der Evangelischen Kirche am La Plata (IERP) zu einer Veranstaltung mit langer Tradition und großer Bedeutung zusammengekommen: den Sommerlagern in den Kirchenkreisen. Sie sind mehr als nur eine Ferienfreizeit für junge Menschen. Sie sind lebendiger Ausdruck eines in der Gemeinschaft gewachsenen Glaubens, die jungen Menschen kommen wirklich zusammen und erleben gemeinsam eine Spiritualität, die immer wieder neue Generationen im Glauben prägt.
„Die Länder in Lateinamerika durchleben momentan politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich sehr schwierige Zeiten, und junge Menschen haben kaum noch Hoffnung“, erklärt die Regionalreferentin des Lutherischen Weltbundes (LWB) für Lateinamerika, die Karibik und Nordamerika, Pfarrerin Sonia Skupch. „Gewalt und Perspektivlosigkeit sind leider weit verbreitet. Vor diesem Hintergrund sind die Sommerlager der IERP, wie alle Jugendlager in der Region, Zeichen der Hoffnung und Mittel für mehr Hoffnung, und das sowohl für die teilnehmenden jungen Menschen als auch für ihre Gemeinden.“
Unter dem Leitwort „Feiern ist wichtig“ kamen im argentinischen Bezirk Misiones mehr als 80 junge Menschen in der Stadt Eldorado zusammen. Anhand des Gleichnisses vom verlorenen Sohn setzten sie sich intensiv mit dem Thema psychische Gesundheit, gesellschaftlichen Erwartungen an junge Menschen und der Bedeutung eines unterstützenden familiären Umfelds auseinander. In Zeiten zunehmend brüchiger Familien- und Freundschaftsbeziehungen bieten die Freizeiten einen Ort für Heilung und Zugehörigkeitsgefühl. „Wir erleben Spiritualität hier auf ganz besondere Weise: in Musik, Umarmungen, Aktivitäten und gemeinsamem Beten“, berichteten viele Teilnehmende.
Glaube [ist] ein Weg, den man gemeinsam geht.
Augustina Eichmann, Teilnehmerin an einem IERP-Sommerlager in der Provinz Entre Ríos.
Diese Suche nach einem Zusammengehörigkeitsgefühl war auch in Paraguay zu spüren. In der im Südosten des Landes gelegenen Stadt Hohenau trafen sich junge Menschen aus verschiedenen Gemeinden zu einem Sommerlager unter dem Motto „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt“ (1.Joh 4,19). Das Programm bot neben Spielen und Workshops auch Bibelarbeiten und verdeutlichte den Teilnehmenden, dass christliche Nächstenliebe nicht bloß eine abstrakte Idee ist, sondern in der Begegnung mit anderen und in der Fürsorge für die Nächsten praktisch gelebt werden muss.
In der Provinz Entre Ríos im Nordosten Argentiniens begleitete das Leitwort „Im Glauben unterwegs sein“ rund 50 junge Menschen, die sich in der Stadt Crespo versammelt hatten. Sie beschäftigten sich mit verschiedenen Themen wie Vertrauen, dem ersten Schritt einer Reise und der Gewissheit, dass Gott unsere Schritte auch angesichts von Unsicherheit leitet. Eine Teilnehmerin, Augustina Eichmann, berichtete von einem Erlebnis, das ihr während des Treffens ein Gefühl von Hoffnung vermittelt: „Viele junge Leute, die am Anfang nicht so viel gesagt haben, haben sich nach und nach getraut, von ihren Erfahrungen zu erzählen.“ Der Glaube sei ein Weg, den man gemeinsam geht, wenn man anderen Menschen von den eigenen Erlebnissen erzählt, meinte sie.
Junge Menschen aus verschiedenen Gemeinden der Provinz Santa Fe bei einem gemeinsamen Sommerlager. Foto: Jóvenes Oeste
„Denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen“: Text hinter dem Kreuz an der Wand des Bezirksjugendzentrums in Crespo, Argentinien. Foto: Jóventud Entrerriana
Filmworkshop im Sommerlager in der Metropolregion Buenos Aires, Argentinien: praktische Methoden zur künstlerischen Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen. Foto: Jóvenes Metro
Spiritualität und praktisches Engagement verbinden
Ein weiteres Jugendtreffen im argentinischen Westen widmete sich dem Verhältnis von Spiritualität und praktischem Engagement. Unter dem Motto „Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung“ kamen junge Menschen zusammen, um gemeinsam nachzudenken und sich praktisch zu engagieren: von Andachten bis hin zu praktischem Umweltschutz. Valentina de Paul fasste die Herausforderung für die Teilnehmenden zusammen: „Unsere Aufgabe war es, diese Themen so anzugehen, dass sie auch für Kinder erlebbar werden und nicht nur etwas sind, worüber man spricht.“
Auch im Leitwort „Stärkung unseres Geistes durch Gemeinschaft“ des Jugendlagers in der Metropolregion um die Hauptstadt Buenos Aires kam ein gemeinsames Bedürfnis zum Ausdruck: gegenseitige Unterstützung angesichts der Schwierigkeiten, vor denen viele Gemeinden stehen. Das Thema sei aus einer gemeinsamen Sorge heraus entstanden, erklärte Ludmila Gutiérrez: Wie gelingt Zusammenhalt inmitten von widrigen Umständen? Die Abschlussfeier, bei der T-Shirts mit Umarmungen bemalt wurden, stand symbolisch für das, was die Teilnehmenden erlebt hatten: nicht alleine im Leben stehen, sondern in Freundschaft miteinander verbunden sein.
„Die jungen Menschen in unserer Region sind Botschafterinnen und Botschafter der Hoffnung“, so Regionalreferentin Skupch. „Sie bringen neue Perspektiven, neue Arten von Führungswirken, neue Möglichkeiten, den eigenen Glauben zu leben, und eine neue Form praktischen Engagements für die Mitmenschen mit. In einer oft dunklen und rauen Umwelt erleuchten ihre Präsenz und ihr Engagement den Weg.“
Die Sommerlager aber sind viel mehr als nur Tradition: Es sind Orte, bei denen junge Menschen Kirche leben können – lebendig, kreativ, engagiert und gemeinschaftlich. Ob am Lagerfeuer, in Workshops, beim Gottesdienst oder beim gemeinsamen Feiern: Die Teilnehmenden spüren, wie ihr Glaube durch Gemeinschaft gestärkt wird.