Jakarta: Kirchen für effektivere Advocacyarbeit für Klimaschutz zugerüstet
Ein fünftägiges Seminar für Klimaaktivistinnen und -aktivisten aus ganz Asien hat gezeigt, wie das theoretische Bekenntnis zu Klimaschutz in konkretes Handeln übersetzt werden kann
Teilnehmende des Workshops zu Advocacyarbeit für Klimagerechtigkeit in Jakarta. Foto: DIKIN
Workshop vermittelt Teilnehmende aus sechs asiatischen Ländern zentrale theologische Erkenntnisse und praktische Tools
(LWI) – Wie lässt sich das theoretische Bekenntnis zum Klimaschutz in praktisches Engagement zur Bewältigung der Klimakrise übersetzen? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines fünftägigen Workshops, den der Lutherische Weltbund (LWB) im indonesischen Jakarta für Klimaaktivistinnen und -aktivisten aus ganz Asien veranstaltet hat. Die Veranstaltung, an der Vertreterinnen und Vertreter von 25 Mitgliedskirchen in sechs Ländern– Indonesien, Bangladesch, Myanmar, Nepal, Papua-Neuguinea und Kambodscha –teilgenommen haben, fand im Rahmen der LWB-Strategie 2025–2031 statt, die Advocacyarbeit für Klimaschutz und die Einführung nachhaltigerer Handlungsweisen als Arbeitsschwerpunkte des LWB festlegt.
Asien gehört nach wie vor zu den Regionen, die besonders stark vom Klimawandel betroffen sind. Zunehmende Überschwemmungen, Taifune, Dürren und steigende Meeresspiegel treffen insbesondere marginalisierte Bevölkerungsgruppen unverhältnismäßig stark. Vor diesem Hintergrund zeigte der Workshop, dass religiöse Akteure bei der Bewältigung der Krise eine zentrale Rolle spielen – durch ihr Engagement an der Basis wie auch durch ihre Advocacyarbeit auf globaler Ebene. Im Mittelpunkt der Gespräche standen bei dem Workshop bevorstehende internationale Prozesse des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC), darunter Arbeitsschwerpunkte wie die Ausweitung der Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen, die Förderung einer gerechten Umstellung, der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und die Stärkung nationaler Klimaziele.
Glaubensgemeinschaften schauen der Klimakrise nicht nur zu; sie sind aktive Akteurinnen des Wandels.
Elena Cedillo, LWB-Programmreferentin für Klimagerechtigkeit
„Glaubensgemeinschaften schauen der Klimakrise nicht nur zu; sie sind aktive Akteurinnen des Wandels“, sagte Elena Cedillo, LWB-Programmreferentin für Klimagerechtigkeit. Der Workshop habe den teilnehmenden Kirchen das nötige Wissen und die praktischen Instrumente an die Hand gegeben, um ihr theoretisches Bekenntnis zum Klimaschutz in konkrete Taten zu übersetzen. „Klimagerechtigkeit in Asien muss bei den konkreten Lebensrealitäten der vulnerabelsten Menschen ansetzen und zugleich die regionale Zusammenarbeit stärken, damit wir Klimapolitik mitgestalten und unser gemeinsames Zuhause bewahren können“, erklärte Cedillo.
Elena Cedillo, die LWB-Programmreferentin für Klimagerechtigkeit, leitete den Workshop für die Region Asien in Jakarta. Foto: DIKIN
An dem Workshop nahmen Klimaaktivistinnen und -aktivisten aus 25 LWB-Mitgliedskirchen in sechs Ländern teil. Foto: DIKIN
Ein Ergebnis des Workshops war die Erarbeitung einer regionalen Advocacy-Strategie für mehr Klimagerechtigkeit. Foto: DIKIN
Während des einwöchigen Workshops befassten sich die Teilnehmenden eingehend mit theologischen Reflexionen, politischen Analysen und praktischer Advocacy-Arbeit. Die Kurseinheiten behandelten Themen wie Ökotheologie, die Klimaverhandlungen und praktische Handreichungen zur Analyse nationaler Klimabeiträge und nationaler Anpassungspläne. Durch interaktive Übungen wie Rollenspiele, Medientraining und das Verfassen von Pressemitteilungen erwarben die Teilnehmenden praktische Fähigkeiten, um politische Prozesse mitzugestalten und ihre Anliegen wirksam zu kommunizieren. Zugleich bot der Workshop den Teilnehmenden die Möglichkeit, voneinander zu lernen und sich länderübergreifend über erfolgreiche Praxisbeispiele auszutauschen. Dadurch wurde ein gemeinsamer regionaler Ansatz für Klimagerechtigkeit gefördert.
Pfarrerin Dr. Rospita Siahaan, LWB-Regionalreferentin für Asien, sagte: „Sorge für die Erde zu tragen ist nicht nur ein Ausdruck sozialer Verantwortung oder humanitärer Fürsorge. Im tiefsten Kern ist es ein Ausdruck unseres Glaubens. Christliche Gläubige sind ausgehend von Christi Erlösungswerk berufen, an der Heilung der Schöpfung mitzuwirken und ihr gegenwärtiges Seufzen in einen Lobgesang zu verwandeln, in dem alles versöhnt und in göttlicher Harmonie erneuert wird.“
Ein zentrales Ergebnis des Treffens war die Erarbeitung einer regionalen Advocacy-Strategie. Darin legten die Teilnehmenden vorrangige Schritte fest, um die Zusammenarbeit im Rahmen des asiatischen Forums für Klimagerechtigkeit – Asian Climate Justice Forum – zu stärken. Zudem verpflichteten sie sich, inklusive und gemeinschaftliche Lösungen zur Bewältigung der Klimakrise voranzubringen. Zum Abschluss des Workshops bekräftigten die Klimaaktivistinnen und -aktivisten die eigene Aufgabe, Brücken zwischen Religion, Politik und dem Engagement an der Basis zu schaffen und so der Klimakrise entschlossen zu begegnen.
hop bringt die Diskussionen über Klimagerechtigkeit näher an die Mitgliedskirchen heran. So können sie die globalen Klimaprozesse der Vereinten Nationen besser verstehen und auf ihre jeweiligen nationalen Kontexte beziehen.
Warime Guti von der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Papua-Neuguinea
„Der Workshop zu Klimagerechtigkeit in unserer Region ist sehr wichtig, weil er die Diskussionen über Klimagerechtigkeit näher an die Mitgliedskirchen heranbringt. So können sie die globalen Klimaprozesse der Vereinten Nationen besser verstehen und auf ihre jeweiligen nationalen Kontexte beziehen“, erklärte Warime Guti von der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Papua-Neuguinea (ELC-PNG). Der Workshop habe einen wertvollen Raum geschaffen, in dem die Mitgliedskirchen voneinander lernen, sich über Erfahrungen aus ihrem Wirken und ihren Programmen austauschen und einander durch konkretes Handeln inspirieren können. „Vor allem aber schult der Workshop die Mitgliedskirchen, sich stärker an der Advocacyarbeit auf nationaler Ebene zu beteiligen, und gibt ihnen das Rüstzeug dazu an die Hand. Dazu gehört auch das Wissen über zentrale klimapolitische Rahmenwerke wie die nationalen Klimabeiträge und die nationalen Anpassungspläne“, sagte Guti.
Pfarrerin Oinike Harefa von der indonesischen Protestantisch-Christlichen Kirche (BNKP) auf Nias erklärte: „Die Ökotheologie ist eine Form konstruktiver Theologie, die das Verhältnis zwischen religiösen Überzeugungen und Umwelt untersucht und sich dabei insbesondere auf ökologische Nachhaltigkeit und ethische Verantwortung konzentriert.“ Sie ist Dozentin am Theologischen Seminar Sundermann der BNKP und betonte, dass sich dieser Zweig der Theologie stetig weiterentwickle, um in lokalen und globalen Kontexten größere Wirksamkeit zu entfalten. Ziel sei es, das Verantwortungsgefühl der Kirche für die Fürsprachearbeit in Sachen Klimagerechtigkeit zu stärken. „Im ökotheologischen Ansatz nach lutherischer Tradition sind Glaube, Handeln und Ethik untrennbar miteinander verbunden. Das steht einem individualistischen und passiven Glaubensverständnis entgegen“, sagte sie. „Zugleich kritisiert dieser Ansatz, dass der Klimakolonialismus global koloniale Machtverhältnisse schaffe, in dem er dafür sorgt, dass die Armen den höchsten Preis zahlen, und darüber entscheidet, wessen Anliegen Beachtung finden.“
Ein weiteres Arbeitsergebnis des Workshops war die gemeinsame Produktion eines kurzen Video-Podcasts durch die Teilnehmenden zum Thema Glauben und Klimagerechtigkeit. Sie stellen darin die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Seminar insgesamt vor, berichten, was sie in den verschiedenen Kurseinheiten gelernt haben, und sprechen über konkrete Möglichkeiten, Klimagerechtigkeit auf lokaler Ebene voranzubringen. Der Podcast macht deutlich, wie die Teilnehmenden das Gelernte in die Tat umsetzen wollen: durch Advocacyarbeit, die in den Gemeinwesen verankert ist, die Sensibilisierung der Menschen und die Einbindung lokaler Akteure in wirksame und kontextbezogene Antworten auf die Klimakrise.