Eine neue Geschichte: die lutherisch-katholischen Beziehungen
Erstmals seit der Papstwahl beim Konklave im Mai 2025 treffen führende Vertreterinnen und Vertreter des LWB Papst Leo XIV. zu einem ersten offiziellen Treffen.
Papst Leo XIV. trifft sich am 1. Oktober im Vatikan mit Verantwortlichen des LWB. Foto: Vatican Media
LWB-Führung trifft sich mit Papst Leo XIV. und freut sich auf die ökumenische Gedenkfeier in Augsburg
(LWI) – Die Verantwortlichen des Lutherischen Weltbundes (LWB) trafen sich am 1. Oktober im Vatikan mit Papst Leo XIV. Thema waren unter anderem, wie evangelische und katholische Gläubige im Jahr 2030 gemeinsam den 500. Jahrestag des Augsburger Bekenntnisses begehen können.
LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjær leitete die Delegation aus Mitarbeitenden des Büros der Kirchengemeinschaft in Genf sowie den LWB-Vizepräsidenten, die Mitgliedskirchen aus aller Welt vertraten. Er dankte dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche für dessen wiederholte Aufrufe zu „Abrüstung, zur Abkehr von Waffen und zur Notwendigkeit des Dialogs“ sowie für die in seiner Enzyklika Magnifica Humanitas zum Ausdruck gebrachten Bedenken über die Zukunft der künstlichen Intelligenz.
Der LWB verstehe sich als eine Bewegung innerhalb der Ökumene im Dienste der einen katholischen Kirche, sagte Stubkjær. Er erinnerte an die gemeinsame Feier zum Reformationsgedenken, die sich diesen Monat genau zum zehnten Mal jährt. Damals kam er die Leitung des LWB mit Papst Franziskus, dem Vorgänger von Papst Leo, in den schwedischen Städten Lund und Malmö zusammen. „Der kirchliche Weg vom Konflikt zur Gemeinschaft zwischen Katholiken und Lutheranern hat bedeutende Früchte getragen, nicht zuletzt in der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre, die noch immer zu einer breiteren ökumenischen Zusammenarbeit anregt“, stellte er fest.
Es ist unsere Hoffnung, dass katholische und lutherische Gläubige dieses Jubiläum am 25. Juni 2030 gemeinsam in Augsburg begehen können, wo das Bekenntnis erstmals öffentlich verkündet wurde.
LWB-Präsident Bischof Henrik Stubkjær
Der LWB-Präsident sprach darüber, wie der lutherisch-katholische Dialog heute weiter vertieft werden kann und nannte die vor 60 Jahren ins Leben gerufene gemeinsame internationale Lutherisch/Römisch-katholischen Kommission für die Einheit, die inzwischen in ihrer sechsten Dialogphase an einer gemeinsamen Erklärung zum 500..Jahrestag des Augsburger Bekenntnisses arbeitet. Dieses Dokument sei Teil jener theologischen Tradition, die auf den heiligen Augustinus zurückgeht, so Stubkjær. Im Jahr 1530 sei dies ein ökumenischer Vorschlag an die Kirche gewesen, dessen Schwerpunkt der apostolische Kern der Reformen und der Wunsch nach Einheit der Kirche waren.“
„Das Augsburger Bekenntnis war nie dazu gedacht, zu spalten, sondern suchte den Dialog zum gegenseitigen Verständnis einer zeitgemäßen Verkündigung des Evangeliums“, sagte Stubkjær. Zwar sei dies im 16. Jahrhundert nicht gelungen und es sei zur Trennung gekommen, jedoch könne man „heute eine andere Geschichte erzählen“, indem man wieder auf die ökumenische Dynamik im aktuellen Kontext setze, fuhr er fort. „Es ist unsere Hoffnung“, so Stubkjær, „dass katholische und lutherische Gläubige dieses Jubiläum am 25. Juni 2030 gemeinsam in Augsburg begehen können, wo das Bekenntnis erstmals öffentlich verkündet wurde.“
Leo XIV. sprach gegenüber der LWB-Delegation von seiner Hoffnung auf das ökumenische Potenzial des Augsburg-Jubiläums. „Eine erneuerte Gemeinschaft im apostolischen Glauben, in den Sakramenten und in den Ämtern ist das Ziel unseres ökumenischen Weges der Gnade, den wir gemeinsam und vom Evangelium geleitet beschreiten“, sagte er. „Auf unserem Weg vom Konflikt zur Gemeinschaft“, so der Papst, „gibt es besondere Momente. Das Jahr 2030 [...] kann zu einem solchen gemeinsamen Moment werden: eine tiefgreifende ökumenische Erfahrung, die den Schritten auf unserem Weg zur vollen und sichtbaren Einheit neuen Schwung und neue Freude verleihen kann.“
LWB-Präsident Henrik Stubkjær überreicht Papst Leo eines der Geschenke: eine von palästinensischen Auszubildenden des LWB-Berufsbildungszentrums in Ostjerusalem gestaltete Keramikschale. Foto: Vatican Media
Handgemacht von jungen palästinensischen Auszubildenden am LWB-Berufsbildungszentrum in Ostjerusalem: eine Keramikschale für Papst Leo. Foto: LWB/Albin Hillert
Das Lund-Kreuz, entworfen für die gemeinsame katholisch-lutherische Reformationsfeier am 31. Oktober 2016 in Lund und Malmö (Schweden). Foto: LWB
Die LWB-Delegation würdigte dankbar, wie katholische und lutherische Gläubige gemeinsam „in Verkündigung und Dienst an der Welt“ Zeugnis ablegen, und überreichte Papst Leo zwei Geschenke: eine Nachbildung des Kreuzes, gestaltet anlässlich der Gedenkfeier zum 500. Jahrestag der Reformation in Lund gestaltet, sowie eine granatapfelförmige Schale, handgefertigt von palästinensischen Auszubildenden im LWB-Berufsbildungszentrum in Ostjerusalem.
Die Form der Schale, so Stubkjær, sei Zeichen für „Leben, Fülle und Hoffnung im Heiligen Land“. Die äußere Verzierung mit Weinreben- und Olivenblattmotiven „stehe für die Werte Versöhnung, Widerstandsfähigkeit und Verantwortung“. Diese seien der Mittelpunkt der Arbeit des LWB im Ausbildungszentrum, der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land sowie im Auguste-Viktoria-Krankenhaus, in dem palästinensische Krebspatienten behandelt werden.
„Das Lund-Kreuz“, sagte LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt, „ist ein Zeichen unseres fortwährenden Engagements auf dem Weg zur vollen Kirchengemeinschaft. Wir sind dankbar für die Arbeit der gemeinsamen internationalen Kommission, die sich nun in ihrer sechsten Phase befindet und eine gemeinsame Erklärung zum 500. Jahrestag des Augsburger Bekenntnisses vorbereitet.“ Wie Papst Leo uns gerade in Erinnerung gerufen hat, sollte dieses Dokument Zeugnis ablegen vom Glauben der Reformatoren an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Auch heute arbeiten wir weiter auf dieses Ziel hin: die Versöhnung und Erneuerung unserer Gemeinschaft, damit Lutheraner und Katholiken gemeinsam die Sakramente am Tisch unseres Herrn feiern können.“