Über Kontinente hinweg Hoffnung teilen
Die LWB-Tagung für neu gewählte Kirchenleitende ist in Wittenberg zu Ende gegangen.
Zum Abschluss der Klausurtagung wird zur Erinnerung an die Taufe das Licht weitergegeben. Die Fronleichnamskapelle liegt unmittelbar neben der Stadt- und Pfarrkirche St. Marien, in der einst Martin Luther predigte. Foto: LWB/Albin Hillert
Im Gebet für ein prophetisches Zeugnis der Kirche
Die diesjährige Klausurtagung für neu gewählte Kirchenleitende (RoNEL) aus den Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes (LWB) ist in der geschichtsträchtigen Reformationsstadt Wittenberg zu Ende gegangen.
Die Veranstaltung vom 21. bis 29. September in Genf und Wittenberg brachte neu gewählte Bischöfinnen und Bischöfe sowie Kirchenpräsidentinnen und -präsidenten aus LWB-Mitgliedskirchen in Afrika, Asien, Europa, Lateinamerika und Nordamerika zusammen.
Eine spirituelle Reise, die verändert
Nach den ersten Tagen des Lernens und der Begegnung in Genf begaben sich die 16 Kirchenleitenden in Wittenberg auf die Spuren ihres gemeinsamen lutherischen Erbes, das bis heute Menschen weltweit verbindet. Hier hatte vor mehr als 500 Jahren die Reformation ihren Anfang genommen.
„Ein Besuch in Wittenberg ist eine tief berührende spirituelle Reise, die uns verändert“, sagte Bischof John Christian Saragih von der Protestantisch-Christlichen Simalungun-Kirche (GKPS) in Indonesien. „Ich bete darum, dass wir mehr über Luther erfahren, dass wir hier besser verstehen, wie unsere Reise uns verändert, und diese Erfahrung vertiefen und mit unseren Gemeindemitgliedern teilen können“, fügte er hinzu.
In Wittenberg vertiefte sich die Gruppe in das lutherische Verständnis und die Praxis des bischöflichen Amtes. Dazu trugen das LWB-Zentrum Wittenberg und Vorträge von Prof. Theodor Dieter und der emeritierten Erzbischöfin der Schwedischen Kirche, Dr. Antje Jackelén, ebenso bei wie Besuche an verschiedenen historischen Stätten der Reformationsstadt.
Das zentrale Kreuz im Luthergarten in Wittenberg, aufgenommen bei einem Besuch der Gruppe. Foto: LWB/Albin Hillert
Die neuen Kirchenleitenden bei einer abendlichen Stadtführung durch Wittenberg mit „Katharina von Bora“. Katja Köhler schlüpfte dafür in die Rolle der Ehefrau des Reformators Martin Luther. Foto: LWB/Albin Hillert
Teilnehmende der Klausurtagung besuchen das Lutherhaus in Wittenberg, das zum UNESCO-Welterbe gehört. Foto: LWB/Albin Hillert
Bischöfin Patricia Schmermund von der Synode von Alberta und den Territorien der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kanada stellte einen Zusammenhang zwischen der Bedeutung des Treffens in Wittenberg und dem Beitrag lutherischer Kirchen zur Bewahrung und Stärkung der Hoffnung in unserer Zeit her.
„Was uns hier in Wittenberg ganz wesentlich dabei hilft, die Hoffnung in dieser Welt aufrechtzuerhalten, ist das Lernen. Wenn wir uns mit unserer Geschichte beschäftigen und damit, wie wir über die Jahrhunderte hinweg im Evangelium gelernt haben und gewachsen sind, finden wir festeren Halt“, sagte sie.
„Wir bewahren die Hoffnung, weil uns unser Glaube verbindet. Er führt uns zusammen und lässt uns erkennen: Ja, als Christinnen und Christen müssen wir immer zusammenhalten. Wie Jesus im Johannesevangelium (17,21) betet: ‚Ich bitte, dass sie alle eins seien.‘ Einheit in Vielfalt ist so wichtig, weil wir ohne diese Einheit nicht auskommen“, sagte der leitende Bischof Michael Dube von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Simbabwe. Er betonte, dass in der heutigen Welt „zu viele Menschen leiden – doch wir sind nicht dazu geschaffen, um zu leiden, sondern um das Leben in Fülle zu haben.“
Durch prophetisches Zeugnis Hoffnung teilen
Die ganze Woche über hörten die Kirchenleitenden einander zu und tauschten sich über die Herausforderungen aus, denen sie gegenüberstehen. Sie berichteten auch von den Aufgaben, die ihnen bei ihrem Zeugnis in den unterschiedlichen Kontexten weltweit besonders am Herzen liegen. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, was es bedeutet, Hoffnung zu teilen.
Pfarrer Rolando Antonio Ortez Martínez, Präsident der Christlich-Lutherischen Kirche Honduras, berichtete aus einem Umfeld, in dem die Verkündigung eines Evangeliums der Hoffnung keineswegs eine leichte Aufgabe ist. Er sprach von immer enger werdenden zivilgesellschaftlichen Handlungsspielräumen und einer Gesellschaft, die von Brutalität und Gewalt geprägt ist. Diese richtet sich auch gegen Menschen, die sich für Menschenrechte und Klimagerechtigkeit einsetzen – beides Themen, die für die Arbeit der Kirche von zentraler Bedeutung sind.
„Wir leben in einem Kontext, der sich stark von dem in Europa, Afrika und anderen Teilen Lateinamerikas unterscheidet“, sagte er und unterstrich die Bedeutung der LWB-Veranstaltung als Plattform für den Austausch.
Blick auf die historische Stadt- und Pfarrkirche St. Marien in Wittenberg, in der einst Martin Luther selbst predigte. Foto: LWB/Albin Hillert
Bischöfinnen und Bischöfe sowie Kirchenleitende aus der weltweiten Kirchengemeinschaft des LWB gemeinsam in Wittenberg. Foto: LWB/Albin Hillert
Abendmahlsgottesdienst zum Abschluss der Klausurtagung in der Wittenberger Schlosskirche (Allerheiligenkirche) unter der Leitung von Pfarrer Dr. Sámuel Nánási, Studienleiter des LWB-Zentrums Wittenberg. Foto: LWB/Albin Hillert
„Unser Umfeld ist geprägt von Gewalt, die durch Korruption und Drogenhandel entsteht und alle gesellschaftlichen Schichten durchdringt, von den Ärmsten bis zu den Reichsten. Doch inmitten all dieser Schwierigkeiten haben wir eine prophetische Stimme und sind dazu berufen, ein Licht der Hoffnung zu sein“, sagte Ortez Martínez. „Als Geistliche und als christliche Gläubige müssen wir klar Stellung beziehen und uns der Herausforderung stellen, diese prophetische Stimme zu erheben“, fügte er hinzu. „Dazu gehört, alles anzuprangern, was in unserem Land nicht richtig ist. Und wir müssen den Mut haben, die verletzlichsten Menschen zu begleiten, sie so anzunehmen, wie sie sind, und für Gerechtigkeit einzutreten, auch wenn das für uns persönlich oder als Kirche große Risiken birgt.“
Wir müssen uns der Herausforderung stellen, diese prophetische Stimme zu erheben.
Pfarrer Rolando Antonio Ortez Martínez, Christlich-Lutherische Kirche Honduras
Mit Blick auf die vielen Erfahrungsberichte während der diesjährigen Klausurtagung sagte Bischöfin Julie Schneider-Thomas von der North/West Lower Michigan-Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika, sie bete darum, „dass wir alle den Mut und die Kraft haben, für unsere in Jesus gegründeten Überzeugungen einzustehen. Wir wissen, was der Herr von uns fordert. Und ich bete darum, dass wir den Mut haben, dies einer Welt klar zu sagen, die diesem Auftrag oft ablehnend gegenübersteht.“
„Einige unserer Kolleginnen und Kollegen, unserer Geschwister im Glauben, haben uns berichtet, dass sie das ihr Leben kosten kann. Ganz gleich, in welchem Kontext wir leben – ich bete darum, dass wir ganz klar sagen können: ‚Das ist von Gott, das ist nicht von Gott‘, und dass die Welt dadurch besser wird“, sagte sie abschließend.
Die Klausurtagung für neu gewählte Kirchenleitende bringt Menschen in kirchlichen Leitungsämtern zusammen und bietet Raum für gegenseitige Unterstützung, theologischen Austausch und eine vertiefte Zusammenarbeit innerhalb der weltweiten Kirchengemeinschaft. Die seit 2015 jährlich stattfindende Tagung wurde in diesem Jahr vom 21. bis 29. September in Genf und Wittenberg abgehalten.