Institut für ökumenische Forschung in Straßburg erschließt neue Horizonte
Das Institut für ökumenische Forschung in Straßburg startet eine neue Initiative, um in den LWB-Mitgliedskirchen ein Bewusstsein für ökumenische Zusammenarbeit zu verankern und zu fördern.
Geschäftsführender Direktor des Instituts für ökumenische Forschung in Straßburg, Prof. Dr. Dirk Lange (re.), mit anderen Mitgliedern des Kuratoriums. Foto: LWB/M. Rawcliffe
Neue Initiative soll „Bewusstsein für Ökumene“ in lutherischen Kirchen weltweit wecken und fördern
(LWI) – Ein Netzwerk von Ökumene-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftlern aus den Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes (LWB) in aller Welt und ein Netzwerk von jungen Ökumenikerinnen und Ökumenikern, die sich in der theologischen und praktischen Arbeit der Kirchen engagieren und so dazu beitragen, die Beziehungen zwischen den verschiedenen Kirchen in ihrer Region zu festigen: Zwei der jüngsten Initiativen, die mit Blick auf die Zukunft des Instituts für ökumenische Forschung in Straßburg auf der LWB-Ratstagung vergangene Woche angekündigt wurden.
Das Institut wurde 1965 von der Lutherischen Stiftung für Ökumenische Forschung gegründet und hat seither aktiv an vielen der zentralen Versöhnungsprozesse zwischen den lutherischen Kirchen und anderen weltweiten christlichen Gemeinschaften in den letzten Jahrzehnten mitgewirkt. Die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre 1999, der Prozess hin zur Versöhnung mit der Mennonitischen Weltkonferenz, die bei der Vollversammlung in Stuttgart 2010 offiziell gefeiert wurde, der Beginn der Gespräche mit der Weltgemeinschaft der Pfingstkirchen und der Prozess, der zur gemeinsamen Feier des 500-jährigen Reformationsjubiläums 2016 mit Papst Franziskus und Führungspersonen des LWB geführt hat, sind dabei nur einige bedeutende Meilensteine.
Neben seiner Funktion als theologischer Thinktank für die offiziellen ökumenischen Dialoge hat das Institut aber immer auch bedeutend dazu beigetragen, die Erfolge der ökumenischen Bewegung in den vergangenen 60 Jahren umzusetzen und stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Es stellt Material bereit und führt Schulungsseminare durch und bietet damit einen wichtigen Raum, in dem junge Menschen lernen und sich mit anderen Menschen vernetzen können, die sich ebenfalls für die Einheit der Kirche engagieren.
Wir waren uns einig, dass ein neuerlicher Fokus auf die Implementierung und die Rezeptionsprozesse entscheidend ist, um in allen LWB-Mitgliedskirchen ein Bewusstsein für die Ökumene zu wecken und zu fördern.
Prof. Dr. Dirk Lange, geschäftsführender Direktor des Instituts für ökumenische Forschung in Straßburg und Assistierender LWB-Generalsekretär für ökumenische Beziehungen
Doch in den vergangenen Jahren ist das Institut auch mit einer Reihe von Herausforderungen wie knapper werdenden Finanzmitteln und Fragen nach seinem Zweck und seinen Zielen in einer digitalen und zunehmend vernetzten Welt konfrontiert worden. „Die Arbeit des Instituts soll die ökumenische Arbeit des LWB und seiner Mitgliedskirchen unterstützen“, erklärte der geschäftsführende Direktor Prof. Dr. Dirk Lange, der auch Assistierender Generalsekretär des LWB für ökumenische Beziehungen ist.
„Auf der jüngsten Sitzung des Kuratoriums haben wir versucht klar zu formulieren, was die Arbeit dieses Instituts auszeichnet – nicht mit Blick auf die Vergangenheit, sondern im Blick darauf, was es zukünftig sein kann“, sagte Lange. „Wir waren uns einig, dass ein neuerlicher Fokus auf die Implementierung und die Rezeptionsprozesse entscheidend ist, um in allen LWB-Mitgliedskirchen ein Bewusstsein für die Ökumene zu wecken und zu fördern. Wir wollen daran arbeiten, den Kirchen die allgemeinere Gesamtentwicklung des Erbes unserer gemeinsamen lutherischen Bekenntnistradition zu vermitteln, die zutiefst ökumenisch geprägt ist“, führte er aus.
Netzwerke für Wissenschaft und junge Ökumenikerinnen und Ökumeniker
Einer der neuen Schwerpunkte, auf den sich der Vorstand geeinigt hat, ist der Aufbau eines Netzwerks von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in allen sieben LWB-Regionen. Sie wollen damit den ökumenischen Horizont erweitern und Perspektiven einbeziehen, die in der Vergangenheit nicht immer Gehör gefunden haben. Ein erstes Treffen des Netzwerks soll in der zweiten Jahreshälfte 2027 in Straßburg stattfinden.
Ein zweite wichtige Initiative ist der Aufbau eines Netzwerks, das junge Ökumenikerinnen und Ökumeniker allgemein und insbesondere auch die jungen Mitglieder in den bestehenden Dialogkommissionen des LWB unterstützen soll. Ein erstes Treffen dieses Netzwerks wird ebenfalls 2027 als neues Sommerseminar stattfinden. Zudem werden die in den letzten Jahren durchgeführten Online-Seminare überarbeitet und im Frühjahr 2027 erneut angeboten. Sie richten sich dann sowohl an ordinierte wie auch an nicht-ordinierte Personen, die sich in ihren Heimatkirchen besonders für die Ökumene engagieren.
Darüber hinaus plant das Institut für 2027 eine Konferenz zum bischöflichen Amt, bei der sich die Mitgliedskirchen erneut mit einer Erklärung über „das bischöfliche Amt im Rahmen der Apostolizität der Kirche“ beschäftigen, sie „diskutieren und neu denken“ sollen. Die Konferenz werde „wichtige Fragen in Bezug auf das bischöfliche Amt in der kirchlichen und ökumenischen Landschaft von heute stellen“, unterstrich Lange.
Auch betonte er, dass das Institut 2025 sein 60-jähriges Bestehen gefeiert habe, und sagte: „Es schlägt nun das Kapitel für die nächsten 60 Jahre auf und richtet dabei schon einmal den Blick auf das Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses, verbindet lutherisches Zeugnis mit Ökumene und bindet die LWB-Mitgliedskirchen in das Streben nach der Einheit der Kirche ein – einen der vier Grundpfeiler des LWB.“