Casita Nazareth: Begleitung und Hoffnung für Kinder in Argentinien
In Humboldt, Santa Fe, haben Ehrenamtliche ein 100 Jahre altes Pfarrhaus in einen Ort für Spiele und Workshops verwandelt, der über 20 Kindern Unterstützung und Hoffnung bietet.
Sonia Lugrin hilft den Kindern bei den Hausaufgaben und unterstützt diejenigen, die Schwierigkeiten haben. Foto: Rubén Mohr
Ehrenamtliche verwandeln ein ehemaliges Pfarrhaus in einen Ort, an dem Kinder aus der Umgebung lachen und lernen können
(LWI) – Vor 100 Jahren lebten hier der Pfarrer der Evangelischen Gemeinde Humboldt im Norden der argentinischen Provinz Santa Fe und seine Familie. Später zog die Familie aus und das Haus stand leer. Heute ist es wieder erfüllt von Leben und Lachen, Spielen und Lernen. Die Casita Nazareth, wie sie heute heißt, ist ein diakonisches Projekt der Evangelischen Kirche am La Plata (Iglesia Evangélica del Río de la Plata – IERP). Sie bietet Kindern und Jugendlichen aus der Gemeinde wertvolle Unterstützung, Begleitung und Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung.
Getragen wird die Initiative von ehrenamtlichem Engagement und den großzügigen Spenden von Einzelpersonen, Menschen aus der Umgebung und örtlichen Unternehmen. Gemeinsam ermöglichen sie die verschiedenen Aktivitäten und den Unterhalt der Räumlichkeiten.
Dieses Projekt begann, ohne dass wir es überhaupt bemerkten. Es war eine Aufgabe, die Gott uns anvertraut hat, und heute fühlen wir uns sehr gesegnet, dass wir sie weiterführen können.
Diakon Rubén Mohr, Evangelische Kirche am La Plata in Humboldt, Argentinien
Das Projekt wurde auf Initiative von Diakon Rubén Mohr ins Leben gerufen, der vorschlug, dem ehemaligen Pfarrhaus, das der Kirchengemeinde rund 100 Jahre lang gedient hatte, eine neue Bestimmung zu geben. Ein örtliches Gemeindegremium unterstützte den Vorschlag und begann mit der Renovierung des Gebäudes, um daraus einen speziell für Kinder konzipierten Raum zu machen. Seitdem begleitet Mohr die Entwicklung der Casita Nazareth intensiv und spielt eine aktive Rolle in ihrem täglichen Betrieb. „Dieses Projekt begann, ohne dass wir es überhaupt bemerkten. Es war eine Aufgabe, die Gott uns anvertraut hat, und heute fühlen wir uns sehr gesegnet, dass wir sie weiterführen können“, sagte Mohr.
Edit Weder, eine der ehrenamtlich Mitarbeitenden des Projekts, war zunächst nicht davon überzeugt, dass Humboldt eine solche Initiative brauchte. Sie dachte, die Kinder hätten bereits zahlreiche Möglichkeiten, Vereine, Sprachschulen, Theatergruppen und andere Angebote zu besuchen. Dennoch nahm sie die Herausforderung an, ohne zu ahnen, welche Auswirkungen dies auf ihr eigenes Leben und das vieler Familien in der Gemeinde haben würde.
Renovierung, Wachstum und Workshops für die Gemeinschaft
Zunächst wurde das alte große Haus mit den vorhandenen Mitteln gereinigt, aufgeräumt und so hergerichtet, dass dort mit dem Bibelunterricht begonnen werden konnte. Schon bald traten bauliche Probleme zutage, die den Träumen der Gruppe Grenzen zu setzen schienen. Doch zugleich meldeten sich immer mehr Menschen, die bereit waren, mit Baumaterialien, Arbeitskraft und Spenden zur Renovierung des Gebäudes beizutragen. „Auch heute gibt es noch viel zu tun, aber das Wichtigste ist fertig und bereits in Betrieb“, sagt Weder. Sie betont, dass die Solidarität der Gemeinschaft entscheidend für das Wachstum des Projekts war.
Diakon Rubén Mohr macht ein Selfie mit einigen der am Projekt beteiligten Kinder und Erwachsenen. Foto: Rubén Mohr
Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen Marina Hunzicker und Araceli Brechbühl mit den Kindern bei einer Bastelaktion. Foto: Rubén Mohr
Die Casita Nazareth öffnete am 5. November 2024 mit nur sechs Kindern ihre Türen. Heute kommen jeden Dienstag und Donnerstag 22 Mädchen und Jungen. Weitere stehen auf einer Warteliste, weil der Platz nicht mehr ausreicht, um die wachsende Nachfrage zu decken. Das ehrenamtliche Team bietet Workshops zu Kochen, Recycling, Gemüseanbau, Gartenarbeit, Spielen und Musik an. So entsteht ein Ort, an dem die Kinder lernen, kreativ sein, Gemeinschaft erleben und neue Fähigkeiten entdecken können.
Die Beteiligten betonen jedoch, dass der größte Erfolg des Projekts nicht in den Aktivitäten selbst liegt, sondern in der Atmosphäre, die dort entstanden ist. „Wir haben einen Ort geschaffen, an dem wir alle uns ausdrücken, lernen, miteinander teilen, spielen und lachen können; einen Ort, an dem alle wertgeschätzt werden und an dem wir lernen, Unterschiede anzunehmen und zugleich das Wohl der Gruppe im Blick zu behalten“, sagt Weder. Einen Ort, an dem jedes Kind gehört und respektiert wird und dazugehört.
Ganzheitliche Unterstützung und gelebter Glaube
Weder erklärt, dass viele der jungen Menschen ihre eigenen Geschichten, Schwierigkeiten und Herausforderungen mitbringen. Im Alltag gehe es darum, ihnen zu helfen, ihre Begabungen zu entdecken, ihr Selbstvertrauen zu stärken, und sie zu ermutigen, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. „Wir möchten ihnen vermitteln, dass sie sehr wertvolle Menschen sind, dass sie sich weiterentwickeln können und auch ihren Freundinnen und Freunden dabei helfen können, dasselbe zu tun. Das gibt ihnen Selbstvertrauen, Freiheit und Freude“, sagt sie.
In einer von Individualismus und Egoismus geprägten Gesellschaft müssen wir uns einbringen. Es gibt so viel zu tun. Wir dürfen nicht erwarten, dass immer andere die Arbeit übernehmen.
Edit Weder, Mitarbeiterin der Casita Nazareth
Die Erfahrungen in der Casita Nazareth haben auch diejenigen tiefgreifend verändert, die sich hier engagieren. Wenn Weder auf den bisherigen Weg zurückblickt, erkennt sie, dass Gott etwas anderes mit ihr vorhatte. „In einer von Individualismus und Egoismus geprägten Gesellschaft müssen wir uns einbringen. Es gibt so viel zu tun. Wir dürfen nicht erwarten, dass immer andere die Arbeit übernehmen“, sagt sie nachdenklich. Das Projekt hat in ihr die von ihren Eltern vermittelte Nächstenliebe neu entfacht und sie eine neue Form gelebten Glaubens entdecken lassen.
Die Casita Nazareth ist so zu einem konkreten Ausdruck des diakonischen Dienstes des IERP geworden. In einem ehemaligen Pfarrhaus, das eine neue Bestimmung gefunden hat, erinnern jede Begegnung, jeder Workshop und jedes Lächeln daran, dass die Kirche das Evangelium auch dadurch verkündet, dass sie ihre Türen öffnet, sich um junge Menschen kümmert, sie begleitet und ihnen Hoffnung schenkt.
Ein besonders aussagekräftiges Foto der Casita Nazareth. Die Ehrenamtlichen Edit Weder, Laureana Kühl und Mateo Mohr mit den Kindern. Foto: Rubén Mohr
Der ehrenamtliche Mitarbeiter Mateo Mohr bastelt mit den Kindern, die am Programm der Casita Nazareth teilnehmen. Foto: Rubén Mohr