Aufbau einer engeren Gemeinschaft der Kirchen Südostasiens
Der Zusammenschluss Evangelisch-Lutherischer Kirchen in Malaysia und Singapur organisiert eine Reise nach Indonesien, um die Beziehungen zu stärken und mehr über die lutherischen Kirchen in dem mehrheitlich muslimischen Land zu erfahren.
Kirchenleitende aus Malaysia und Singapur besuchen „Rumah Eco“, ein ökotheologisches Projekt der Indonesischen Christlichen Kirche (HKI). Foto: LWB/T. Aritonang
Kirchenleitende aus Malaysia und Singapur besuchen die indonesische Provinz Nordsumatra
(LWI) – Eine „äußerst bereichernde und inspirierende Erfahrung“. So beschrieb Bischof Thomas Kok Chan Low, Vorsitzender des Zusammenschlusses Evangelisch-Lutherischer Kirchen in Malaysia und Singapur (FELCMS), einen kürzlich erfolgten Besuch lutherischer Führungskräfte in der indonesischen Provinz Nordsumatra, bei dem sie mehr über die Kirchen in diesem Nachbarland erfahren wollten.
Der FELCMS ist ein regionaler ökumenischer Zusammenschluss, der die Lutherische Kirche in Malaysia, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Malaysia, die Lutherische Kirche in Singapur, die Basler Christliche Kirche in Malaysia und die Protestantische Kirche in Sabah vereint, um die Ausbildung für den Dienst sowie Missionspartnerschaften zu koordinieren. Der Verband leitet das Lutherische Studienzentrum in Sabah, das 2012 gegründet wurde, um theologische Ausbildung, Ressourcen und Schulungen für Ordinationskandidaten und -kandidatinnen aus der gesamten Region durchzuführen.
Mitte Juli reisten Führungskräfte der FELCMS-Kirchen zusammen mit dem Direktor des Studienzentrums und dem Rektor des Theologischen Seminars von Sabah nach Nordsumatra, um sich mit ihren Amtskollegen und -kolleginnen aus den Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Indonesien zu treffen. Ziel des fünftägigen Besuchs war es, die Beziehungen zwischen den Kirchen zu stärken, sich über Herausforderungen auszutauschen und eine engere Gemeinschaft unter den Menschen lutherischen Glaubens in der südostasiatischen Region aufzubauen.
Kirchenleitende in Diskussionen und im Gedankenaustausch im Bischofshaus der Christlich-Protestantischen Kirche in Indonesien (GKPI). Foto: LWB/T. Aritonang
Die Delegation des Zusammenschlusses Evangelisch-Lutherischer Kirchen in Malaysia und Singapur trifft sich mit Mitarbeitenden und Studierenden des Theologischen Instituts der Protestantisch-Christlichen Batak-Kirche (HKBP). Foto: LWB/T. Aritonang
Der Reichtum der Batak-Kultur und des christlichen Glaubens
Im Rückblick auf den Besuch vom 16. bis 20. Juli sagte Bischof Low, Leiter der Lutherischen Kirche in Malaysia: „Es war wunderbar, das Wirken Gottes unter den lutherischen Batak mitzuerleben und zu sehen, wie ihr Glaube durch den Reichtum und die Einzigartigkeit der Batak-Kultur zum Ausdruck kommt. Gleichzeitig halfen uns die Berichte über die Herausforderungen, denen sich die Ortskirchen gegenübersehen, ihre Kontexte besser zu verstehen, und stärkte unser Gefühl der Solidarität als Mitglieder einer Gemeinschaft.“
Das Volk der Batak ist die größte ethnische Gruppe in Nordsumatra und bekannt für seinen starken christlichen Glauben sowie für seine unverwechselbare Architektur, Trachten, Musik und andere kulturelle Traditionen. Sie leben vor allem rund um den Tobasee und zählen etwa 8,5 Millionen Menschen, das sind etwa 3,5 Prozent der überwiegend muslimischen Bevölkerung Indonesiens.
Die Delegation begann ihren Besuch in der Stadt Pematang Siantar, wo sich die Hauptsitze von drei LWB-Mitgliedskirchen befinden – der Protestantisch-Christlichen Simalungun-Kirche (GKPS), der Christlich-Protestantischen Kirche in Indonesien (GKPI) und der Indonesischen Christlichen Kirche HKI) – sowie das LWB-Nationalkomitee in Indonesien, das Lutherische Studienzentrum und ein theologisches Institut, das von der Protestantisch-Christlichen Batak-Kirche (HKBP) betrieben wird. Die Delegierten führten Gespräche mit zahlreichen lokalen Kirchenleitenden, besuchten von den Kirchen betriebene Einrichtungen, darunter ein Waisenhaus der GKPI, und das Projekt „Creative House“ zur Vermittlung praktischer Fertigkeiten, ein Haus für Frauen in Not der GKPS sowie ein ökotheologisches Projekt der HKI, und trafen sich zudem mit Mitarbeitenden und Studierenden des Theologischen Instituts der HKBP.
Gemeinschaft wird gelebt, wenn wir gemeinsam unterwegs sind, einander aufmerksam zuhören und an den Freuden, Herausforderungen und Diensten des anderen teilhaben.
Pfarrerin Dr. Rospita Siahaan, LWB-Regionalsekretärin für Asien
Die zweite Station der Delegation war die Kleinstadt Balige am Ufer des Tobasees, des größten Vulkansees der Welt. Dort besuchten sie eine Ausbildungsstätte für Diakonissen und eine HIV/AIDS-Seelsorgeeinrichtung, die beide von der HKBP betrieben werden, der größten der 14 LWB-Mitgliedskirchen in Indonesien. Schließlich reisten die Delegierten in die am See gelegene Stadt Parapat, wo sie gemeinsam mit Mitgliedern der örtlichen HKBP-Gemeinde den Sonntagsgottesdienst besuchten.
In ihrer Reflexion über die Bedeutung des Besuchs sagte die LWB-Regionalsekretärin für Asien, Pfarrerin Dr. Rospita Siahaan, die fünf Tage, die sie mit der Delegation unterwegs war, hätten sie daran erinnert, „dass die Stärkung der Gemeinschaft in unserer Region weit mehr ist als nur eine der strategischen Prioritäten des LWB. Vielmehr ist es eine Art, Kirche zu sein, die gelebt wird, wenn wir gemeinsam unterwegs sind, einander aufmerksam zuhören und an den Freuden, Herausforderungen und Diensten der anderen teilhaben.“
Kirchenleitende aus Malaysia und Singapur nehmen am Sonntagsgottesdienst in der Stadt Parapat am Ufer des Tobasees teil. Foto: LWB/T. Aritonang
Mitarbeiterinnen des Hauses für Frauen in Not der Protestantisch-Christlichen Simalungun-Kirche (GKPS) in Pematang Siantar, Indonesien. Foto: LWB/T. Aritonang
Durch Besuche bei Gemeinden und diakonischen Diensten, so sagte sie, „wurde die Gemeinschaft nicht nur bekräftigt, sondern vorgelebt, da jede Begegnung zu einem Raum des gemeinsamen Lernens, der gegenseitigen Ermutigung und der neuen Inspiration für alle Teilnehmenden wurde.“