Simbabwe: Missbrauch wirksam bekämpfen und verhindern
Der LWB unterstützt Kirchen und ihre Einrichtungen dabei, sichere Orte für alle zu werden. Erfahren Sie, wie die Kirche in Simbabwe Betroffene von Missbrauch begleitet und ein Schutzkonzept für alle Menschen in ihrer Obhut entwickelt hat.
Teilnehmende einer von den Lutheran Development Services in Simbabwe organisierten Schulung zum Thema Missbrauchsprävention. Foto: LDS
Online-Veranstaltung zeigt, wie Kirche Betroffene unterstützt, Vertrauen wiederherstellt und Schutzmaßnahmen umsetzt
(LWI) – Kirchen, kirchliche Schulen und andere kirchliche Einrichtungen müssen sichere Orte für alle sein. Doch wie sollten Verantwortliche reagieren, wenn sie erfahren, dass einem Kind oder einer schutzbedürftigen Person Schaden zugefügt wurde, dass sie ausgebeutet oder missbraucht wurde? An wen können sie sich wenden? Was können sie tun, um Betroffene und ihre Familien zu unterstützen? Wie können sie Vertrauen wiederherstellen und verhindern, dass sich solche Tragödien wiederholen?
Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Veranstaltung, die vom Lutherischen Weltbund (LWB) organisiert und von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Simbabwe (ELCZ ) gemeinsam mit ihrer diakonischen Organisation Lutheran Development Services (LDS) geleitet wurde. Die Kirche musste sich kürzlich mit einem Missbrauchsfall an einer kirchlichen Schule auseinandersetzen.
„Im März 2025 haben wir zum ersten Mal davon erfahren“, sagte der ehemalige leitende Bischof der ELCZ, Kenneth Sibanda . „Wir waren sehr schockiert und wussten nicht, was wir tun und wo wir anfangen sollten“, erinnerte er sich.
Angesichts der großen Unruhe unter den Schülerinnen und Schülern, ihren Familien und im örtlichen Umfeld entsandte Bischof Sibanda umgehend ein Team der Diözese, um mit allen Beteiligten zu sprechen und die Fakten zu klären. Anschließend veröffentlichte er eine Erklärung, in der er Verantwortung übernahm, sein tiefes Bedauern zum Ausdruck brachte und den Betroffenen Unterstützung und Beratung anbot.
Vor allem habe er deutlich machen wollen, „dass es uns als Kirche, als Gemeinschaft von Gläubigen, aufrichtig leidtut und dass wir weiterhin gemeinsam mit den Betroffenen, den Eltern und der lokalen Gemeinschaft unterwegs sein werden.“
Der Schulleiter informierte die Polizei, die eine umfassende Untersuchung einleitete. Gleichzeitig wandte sich der Bischof an die LDS und über diese an Childline Zimbabwe, eine landesweit tätige Organisation, die mit der Regierung zusammenarbeitet, um Missbrauch vorzubeugen und ein sicheres Umfeld für alle jungen Menschen zu schaffen.
Gemeinsam entwickelten sie ein Schutzkonzept mit dem Ziel, die Verarbeitung der Vorfälle zu unterstützen, Vertrauen wiederherzustellen und das Bewusstsein dafür zu stärken, wie Schülerinnen und Schüler künftig Vorfälle oder Verdachtsfälle melden können.
Sorgen ansprechen, Schutz erfahren
„Unser Schutzkonzept wurde Ende letzten Jahres verabschiedet und wird derzeit in allen 16 kirchlich geführten Einrichtungen im ganzen Land umgesetzt“, erklärte Bongiwe Mavuwa, LDS-Referentin für Gerechtigkeit und Frieden, die über langjährige Erfahrung in den Bereichen Genderfragen, psychosoziale Unterstützung, Katastrophenvorsorge und Nothilfe verfügt.
„Zu den wichtigsten Maßnahmen gehörten neben dem Schutzkonzept und seiner Umsetzung auch Schulungen für Mitarbeitende sowie Schülerinnen und Schüler, psychosoziale Unterstützung für Betroffene und der Aufbau wirksamer Meldewege“, fuhr sie fort. „Wir haben eine gebührenfreie Hotline eingerichtet, die rund um die Uhr erreichbar ist, sowie Kummerkästen, die regelmäßig geleert werden, damit auf Hinweise rasch reagiert werden kann.“
Im Bereich Schulung und Sensibilisierung berichtete Mavuwa, dass mehr als 60 Mitarbeitende fortgebildet und Präventionsbeauftragte benannt wurden. Fast 1.000 Schülerinnen und Schüler seien darin geschult worden, Gleichaltrige zu unterstützen und psychologische Erste Hilfe zu leisten. Dabei lernen sie, „Sorgen anzusprechen und sich zu schützen, indem sie hinschauen, zuhören und Kontakt zu Menschen und Diensten aufzunehmen“, die professionelle Unterstützung bieten können, fügte sie hinzu.
Die Erfahrungen und das Fachwissen aus der Arbeit zur Missbrauchsprävention können innerhalb der weltweiten Kirchengemeinschaft weitergegeben werden, um andere Kirchen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen, zu ermutigen und zu unterstützen.
Rebekka Meissner, LWB-Referentin für Diakonie und Projekte von Mitgliedskirchen
Die Ergebnisse seien positiv, berichtete Mavuwa. Die betroffenen Kinder seien in die Schule zurückgekehrt, und bei den Familien der Schülerinnen und Schüler sowie in der weiteren Gemeinschaft sei Vertrauen wiederhergestellt worden. „Das Problembewusstsein und die Offenheit sind gewachsen. Regelmäßige Präventionsgespräche wurden institutionell verankert, und in der gesamten ELCZ wurden formelle Richtlinien verabschiedet. Heute bestehen starke Partnerschaften zwischen Schulen, Kirche, Childline Zimbabwe, der Polizei und dem Bildungsministerium. Dadurch sind gemeinsame Verantwortung und ein abgestimmtes Vorgehen gewährleistet“, sagte sie.
„Der Schwerpunkt auf Transparenz und Rechenschaftspflicht sowie das rasche Handeln von Bischof Sibanda und den Mitarbeitenden der Lutheran Development Services waren entscheidend, um auf diese schreckliche Situation zu reagieren“, sagte Rebekka Meissner, LWB-Programmreferentin für Diakonie und Projekte der Mitgliedskirchen, die das Webinar am 23. Juni moderierte. „Der LWB hat diese Schutzmaßnahmen unterstützt und wird Kirchen auch weiterhin in ihren Bemühungen begleiten, den Schutz vor Missbrauch zu stärken – auch durch Peer-Learning-Initiativen wie diese. Im Mittelpunkt stehen für uns vor allem die Sicherheit, das Wohlergehen und die Würde der Betroffenen. Wir sind überzeugt, dass die Erfahrungen und das Fachwissen aus der Arbeit zur Missbrauchsprävention innerhalb der weltweiten Kirchengemeinschaft weitergegeben werden können, um andere Kirchen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen, zu ermutigen und zu unterstützen.“
An der Online-Veranstaltung, während der das Schutzkonzept der ELCZ vorgestellt wurde, nahmen mehr als 40 Personen aus LWB-Mitgliedskirchen in Ländern aus aller Welt teil. Die Veranstaltung endete mit einem Moment des Gebets und der Solidarität mit den Betroffenen, geleitet vom ehemaligen Leitenden Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Kolumbien, Atahualpa Hernández, der den LWB-Ausschuss für Projekte der Mitgliedskirchen leitet.