Lutherische und katholische Theologie-Fachleute erkunden großes ökumenisches Potenzial der Confessio Augustana
In Slowenien sind katholische und lutherische Theologie-Fachleute zusammengekommen, um einen ersten Entwurf für eine gemeinsame Erklärung zum 500-jährigen Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses zu erarbeiten.
Mitglieder der sechsten Phase der internationalen Lutherisch/Römisch-katholischen Kommission für die Einheit. Foto: Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Slowenien
Auftakt zur sechsten Phase der internationalen Lutherisch/Römisch-katholischen Kommission für die Einheit in Slowenien
(LWI) – „Wir haben neue Perspektiven herausgearbeitet und das große ökumenische Potenzial der Confessio Augustana hervorgehoben“, erklärte Prof. Dr. Dirk Lange, Assistierender Generalsekretär für ökumenische Beziehungen beim Lutherischen Weltbund (LWB), nach dem Auftakt einer neuen Phase des theologischen Dialogs mit der Römisch-katholischen Kirche.
Die Teilnehmenden an der sechsten Phase der internationalen Lutherisch/Römisch-katholischen Kommission für die Einheit waren vom 2. bis 8. Februar auf Einladung der lutherischen Gemeinde in der Stadt Moravske Toplice im Nordosten Sloweniens zusammengekommen. Sie trafen sich im Laufe der Woche unter anderem mit dem katholischen Erzbischof von Ljubljana, Erzbischof Stanslav Zore, und besuchte die St.-Nikolaus-Kathedrale in der slowenischen Hauptstadt. Zudem fand ein Treffen mit der slowenischen Präsidentin Nataša Pirc Musar statt, die die Kommission in ihrer Arbeit bestärkte und hervorhob, wie wichtig ein solcher Dialog in unserer stark polarisierten Welt sei.
Ein Schwerpunkt dieses ersten Treffens war laut Prof. Lange die Ausarbeitung einer gemeinsamen Erklärung zum bevorstehenden 500-jährigen Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses im Jahr 2030. „Unser Treffen ist sehr gut angelaufen. Die Kommissionsmitglieder haben sich mit zwei wichtigen Präsentationen zur Geschichte und zum Inhalt des Augsburger Bekenntnisses, seinem Entstehungskontext im Jahr 1530 und seiner Rezeptionsgeschichte befasst“, erklärte er.
Fortsetzung einer 60-jährigen Tradition lutherisch/römisch-katholischen Dialogs
Die Kommission wird gemeinsam von Bischöfin Patricia Lull, die die „Saint Paul Area Synod“ der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika leitet, und von Bischof Raimo Goyarrola, dem Leiter der Diözese Helsinki (Finnland), geleitet. Ihr gehören Mitglieder aus allen Teilen der Welt an: von Argentinien bis Australien, von Namibia bis Indonesien, aus Nordamerika und aus den drei europäischen Regionen des LWB.
Sloweniens Präsidentin Nataša Pirc Musar begrüßt eine der Co-Vorsitzenden der Kommission, Bischöfin Patricia Lull. Foto: Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Slowenien
Sloweniens Präsidentin Nataša Pirc Musar hob hervor, wie wichtig ein solcher Dialog in einer zunehmend polarisierten Welt sei. Foto: Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Slowenien
In Bezug die bisherige Arbeit der Kommission unterstrich Lange, dass sie eine lange Tradition lutherisch/römisch-katholischen Dialogs fortsetze, der vor über 60 Jahren nach dem Ende des wegweisenden Zweiten Vatikanischen Konzils der Römisch-katholischen Kirche begonnen hat. „1965 trat der amerikanische lutherische Theologe George Lindbeck an den damaligen Sekretär des vatikanischen Sekretariats zur Förderung der Einheit der Christen, Pater Jan Willebrands, heran“, erinnerte er sich. „Ihre informellen Gespräche führten 1967 zum Beginn des offiziellen Dialogs zwischen dem LWB und der Römisch-katholischen Kirche.“
Unsere Gespräche in Slowenien waren lebendig und produktiv und geben uns große Hoffnung für die kommenden Sitzungen und die vor uns liegende Arbeit.
Prof. Dr. Dirk Lange, Assistierender LWB-Generalsekretär für ökumenische Beziehungen
Die erste Phase dieses Dialogs brachte den Malta-Bericht hervor, der „in seiner Absicht visionär war und mehrere Entwicklungslinien und Fragen skizzierte, die die folgenden Arbeitsphasen der Kommission bestimmen sollten“, so Lange weiter. Das Ergebnis der sehr produktiven zweiten Phase waren sechs Dokumente, darunter das Dokument „Alle unter einem Christus“ von 1980 zur Feier des 450-jährigen Jubiläums der Confessio Augustana.
„Eine Schlüsselfrage, mit der sich die nun sechste Phase unserer Kommission zu beschäftigen begann, waren die Veränderungen, die seit 1980 stattgefunden haben“, erklärte Lange. Dazu gehören die wegweisende „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“, die 1999 unterzeichnet wurde, und das Dokument „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“, das den Weg für die gemeinsamen Feierlichkeiten zum 500-jährigen Reformationsjubiläum im Jahr 2017 ebnete. „Unsere Gespräche in Slowenien waren lebendig und produktiv“, schloss Lange, „was uns große Hoffnung für die kommenden Sitzungen und die vor uns liegende Arbeit gibt.“
Der Auftakt der sechsten Phase der internationalen Lutherisch/Römisch-katholischen Kommission für die Einheit fand vom 2. bis 8. Februar statt. Gastgeberin war die Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Slowenien, deren derzeitiger Bischof Aleksander Erniša sowie Altbischof Leon Novak das Treffen begleiteten. Die nächste Tagung ist für Februar 2027 geplant.