Lutherische Kirchenleitende bei Amtseinführung der neuen anglikanischen Erzbischöfin in Canterbury
Lutherische Kirchenleitende bei Amtseinführung der neuen anglikanischen Erzbischöfin in Canterbury
Bei der Amtseinführung von Erzbischöfin Sarah Mullally, der ersten Frau an der Spitze der Anglikanischen Kirchengemeinschaft, in der Kathedrale von Canterbury waren auch zahlreiche lutherische Kirchenleitende aus aller Welt zugegen.
Die Gemeinde applaudiert der neuen Erzbischöfin von Canterbury, Erzbischöfin Sarah Mullally, im Gottesdienst zu ihrer offiziellen Amtseinführung. Foto: Neil Turner/Lambeth Palace
LWB gratuliert Erzbischöfin Sarah Mullally, der ersten Frau an der Spitze der Kirche von England
(LWI) – Unter den rund 2.000 Gästen, die am 25. März in der historischen englischen Kathedrale von Canterbury zur offiziellen Amtseinführung der anglikanischen Erzbischöfin Sarah Mullally, der ersten Frau, die an die Spitze der Kirche von England gewählt wurde, versammelt waren, waren auch die Generalsekretärin des Lutherischen Weltbundes (LWB), Pfarrerin Dr. Anne Burghardt, und der Assistierende LWB-Generalsekretär für ökumenische Beziehungen, Prof. Dr. Dirk Lange.
„Dies ist ein Moment von historischer Bedeutung und wir freuen uns sehr, bei der Einführung von Erzbischöfin Sarah in ihr Amt und ihren Dienst in der Diözese Canterbury, der Kirche von England und der anglikanischen Kirchengemeinschaft insgesamt dabei sein zu dürfen und die weltweite lutherische Kirchengemeinschaft zu vertreten“, sagte Burghardt. „Anglikanische und lutherische Kirchen sind in engen und fruchtbaren Beziehungen miteinander verbunden, in verschiedenen Weltregionen zum Teil sogar durch Übereinkommen über volle Kirchengemeinschaft, und wir freuen uns sehr, mit anderen ökumenischen Abordnungen hier beten und Erzbischöfin Sarah beim Antritt ihres neuen Amtes Gottes Segen wünschen zu können“, führte sie aus.
Mullally war im Dezember nach achtjähriger Amtszeit als anglikanische Bischöfin von London in das Leitungsamt der Anglikanischen Kirche gewählt worden. Vor ihrer Ordination 2002 hatte sie eine erfolgreiche berufliche Karriere in der Krankenpflege und war zur jüngsten so genannten Chief Nursing Officer in England – der leitenden Verantwortlichen für die Krankenpflege im Gesundheitsministerium – aufgestiegen. Nach ihrer Wahl zur neuen Bischöfin von Canterbury erklärte sie, dass sie in ihrem neuen Amt danach streben wolle, „die Fürsorge und das Mitgefühl, die meine Tätigkeit in der Krankenpflege geprägt haben, in die neue Tätigkeit einfließen zu lassen“.
Bischöfin Paulina Hlawiczka-Trotman von der Lutherischen Kirche in Großbritannien (rechts) und Pfarrerin Dr. Tessa Henry-Robinson, Vorsitzende der Freikirchen, zusammen mit Erzbischöfin Sarah Mullally bei der Unterzeichnung eines ökumenisches Pakts im Rahmen des Gottesdienstes zur offiziellen Amtseinführung. Foto: Neil Turner/Lambeth Palace
LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt zieht zusammen mit anderen ökumenischen Delegierten für den Gottesdienst zur Amtseinführung in die Kathedrale von Canterbury ein. Foto: Neil Turner/Lambeth Palace
Der Assistierende LWB-Generalsekretär für ökumenische Beziehungen, Prof. Dr. Dirk Lange, mit Priesterin Dr. Natasha Klukach vom Globalen Christlichen Forum, Pfr. Dr. David Wells von der Weltgemeinschaft der Pfingstkirchen und der lutherischen Bischöfin Cindy Halmarson, Co-Vorsitzende der Internationalen Anglikanisch-Lutherischen Kommission für Einheit und Mission. Foto: LWB
Pilgerweg mit vielen gemeinsamen Gebeten und Begegnungen
Im Vorfeld ihrer Amtseinführung war Mullally in der letzten Woche 140 km auf einem alten Pilgerweg von der St. Paul‘s Cathedral in London bis nach Canterbury gewandert, wo der heilige Augustinus von Canterbury 597 n. Chr. eine Kirche gründete und deren erster Erzbischof wurde. Entlang des Pilgerwegs, den schon ihr Amtsvorgänger Thomas Becket im 12. Jahrhundert gegangen sein soll, machte sie in vielen Gemeinden, Schulen und bei ökumenischen Organisationen Halt, um die Menschen kennenzulernen und mit ihnen zu beten.
Unter den Insignien, die die neue Erzbischöfin für den Gottesdienst zu ihrer offiziellen Amtseinführung wählte, war ein Bischofsring, den Papst Paul VI einem ihrer Amtsvorgänger 1966 als Zeichen der wachsenden Freundschaft zwischen der Anglikanischen Kirchengemeinschaft und der Römisch-katholischen Kirche geschenkt hatte. Der Gottesdienst war von historisch wichtigen liturgischen Elementen und historisch wichtiger Symbolik geprägt, aber es gab auch zeitgenössische Musik, Gebete und Lesungen in Urdu, Kisuahili, Bemba und auf Spanisch, um die Menschen in einer kleinen Auswahl der vielen verschiedenen Glaubenstraditionen abzubilden, aus denen sich die weltweite Anglikanische Kirchengemeinschaft heute zusammensetzt.
Prof. Lange unterstrich, dass auch zahlreiche lutherische Führungspersonen aus anderen Ländern zugegen gewesen seien, insbesondere aus den nordischen Ländern, baltischen Staaten, Kanada, den USA und anderen Ländern, in denen volle Kirchengemeinschaft zwischen anglikanischen und lutherischen Kirchen bestünde. „In den letzten 50 Jahren haben wir viele der theologischen Fragenklären können, die uns gespalten haben, und konzentrieren uns nun darauf, wie wir die wiederhergestellte Einheit in den verschiedenen lokalen Kontexten mit Leben füllen können“, erklärte er. „Bei einem Treffen in London Anfang des Monats haben wir uns intensiv darüber ausgetauscht, dass die volle Kirchengemeinschaft unter unseren Kirchen kein statischer Zustand ist, sondern vielmehr ein Verhältnis, das sich mit der Zeit verändert und an unterschiedlichen Orten unterschiedlichen Formen annimmt“, sagte er weiter.
Ich freue mich sehr darauf, eng mit Erzbischöfin Sarah zusammenzuarbeiten, um das christliche Zeugnis zu kräftigen und auf die Bedürfnisse der Menschen im ganzen Vereinigten Königreich und darüber hinaus einzugehen.
Bischöfin Paulina Hlawiczka-Trotman von der Lutherischen Kirche in Großbritannien
Bischöfin Paulina Hlawiczka-Trotman von der Lutherischen Kirche in Großbritannien, eine der Präsidentinnen und Präsidenten des Netzwerks Churches Together in England, hat den Gottesdienst zur Amtseinführung mitgestaltet und war eine der Kirchenleitenden, die die neue Erzbischöfin von Canterbury aufgefordert haben, einen ökumenischen Pakt zu unterzeichnen.
„Bei den Vorbereitungen für den Gottesdienst“, sagte sie, „habe ich die historische Rolle des Erzbischofs von Canterbury in Bezug auf ökumenische Beziehungen recherchiert und herausgefunden, dass es eine ausdrückliche Aufgabe in diesem Amt ist, nicht nur die eigene Kirche von England zu leiten, sondern sich darüber hinaus für die Einheit der gesamten Kirche einzusetzen. Ich freue mich sehr darauf, eng mit Erzbischöfin Sarah zusammenzuarbeiten, um das christliche Zeugnis zu kräftigen und auf die Bedürfnisse der Menschen im ganzen Vereinigten Königreich und darüber hinaus einzugehen“, erklärte sie.
An dem Gottesdienst, der am diesjährigen Hochfest der Verkündigung des Herrn gefeiert wurde, nahmen verschiedene Mitglieder der britischen Königsfamilie, politische Führungspersonen, Mitglieder aller großen Kirchen und Glaubensgemeinschaften im Vereinigten Königreich sowie Vertreterinnen und Vertreter von Schulen, gemeinnützigen Organisationen und Gesundheitseinrichtungen teil.