Einheit aller christlichen Gläubigen: Neuanfänge und engere Beziehungen
In der laufenden Gebetswoche für die Einheit aller christlichen Gläubigen gibt Prof. Dr. Dirk Lange, der Assistierende Generalsekretär für Ökumenische Beziehungen des LWB, einen Ausblick auf die Arbeitsschwerpunkte im kommenden Jahr.
Gottesdienst für Frieden in Armenien in der Kathedrale St. Peter in Genf. Foto: Ivars Kupcis/ÖRK
Alljährliche Gebetswoche eröffnet Jahr voller Neuanfänge und weiterer Vertiefung der ökumenischen Dialoge
(LWI) – Der Beginn einer neuen Dialogphase mit der Römisch-katholischen Kirche, die Amtseinführung der neuen Erzbischöfin von Canterbury und die Einsetzung des neuen Generalsekretärs der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen: Das sind einige der großen ökumenischen Ereignisse, an denen der Lutherische Weltbund (LWB) im Jahr 2026 teilnehmen bzw. beteiligt sein wird. Geplant sind zudem wichtige Treffen zur Fortführung der Dialoge mit den orthodoxen und anglikanischen Kirchen sowie den Pfingstkirchen.
„In dieser Gebetswoche für die Einheit aller christlichen Gläubigen wenden wir den Blick auf ein Jahr voller Ereignisse und Veranstaltungen, die uns helfen werden, unsere Beziehungen weiter zu vertiefen, gemeinsam neue Wege zu erschließen und bereits erreichte Fortschritte umzusetzen“, erklärte Prof. Dr. Dirk Lange, der Assistierende Generalsekretär für Ökumenische Beziehungen des LWB. Am 25. Januar wird Lange zusammen mit Papst Leo XIV. und Vertreterinnen und Vertretern vieler anderer christlicher Kirchen in Rom einen Gottesdienst zum Abschluss der diesjährigen Gebetswoche feiern. Die Gebete und Impulse stammen in diesem Jahr von christlichen Gläubigen aus Armenien unter der Leitung der Armenisch-Apostolischen Kirche. Die Gebetwoche steht unter dem Leitwort „Ein Leib, ein Geist, eine Hoffnung.“
In der ersten Februarwoche kommen die Mitglieder der Internationalen Lutherisch/Römisch-katholischen Kommission für die Einheit zusammen, um die lang erwartete sechste Dialogphase offiziell zu eröffnen. Gastgeberin dieses Auftakttreffens ist die Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Slowenien. Bei dem Treffen im nordostslowenischen Moravske Toplice vom 2. bis 8. Februar geht es vor allem um die Vorbereitung einer gemeinsamen Erklärung zum 500-jährigen Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses im Jahr 2030.
Confessio Augustana als Rüstzeug für ökumenischen Weg
„Wir freuen uns sehr, nach einer langen Vorbereitungszeit in diese neue Phase des Dialogs mit der Römisch-katholischen Kirche einzutreten“, sagte Lange. „Bei einem Treffen mit LWB-Leitungsverantwortlichen hat der verstorbene Papst Franziskus die Hoffnung geäußert, dass das bevorstehende Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses unserem gemeinsamen ökumenischen Weg zugutekommen kann. Er erinnerte daran, dass das Dokument ursprünglich als Instrument der Versöhnung gedacht war. Nun freuen wir uns darauf, gemeinsam zu erschließen, was es heute für lutherische und katholische Gläubige bedeuten kann.“
Auch die Beziehungen zur anglikanischen Kirchengemeinschaft werden in diesem Jahr eine wichtige Rolle spielen: Am 25. März wird Sarah Mullally als erste Frau in das Amt der Erzbischöfin von Canterbury eingeführt. Zudem treffen sich die Mitglieder der Lenkungsgruppe der Internationalen Anglikanisch-Lutherischen Kommission für Einheit und Mission vom 4. bis 8. März in London. Teil dieses Treffens ist auch ein Online-Gipfel, an dem Tandems aus anglikanischen und lutherischen Bischöfinnen und Bischöfen teilnehmen, die in verschiedenen Regionen der Erde in Zweipaaren eng zusammenarbeiten, um die volle Gemeinschaft zwischen den beiden Glaubensgemeinschaften weiter zu vertiefen.
Im Februar begrüßt auch die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) ein neues Oberhaupt: Pfr. Dr. Philip Peacock tritt nach seiner Wahl im vergangenen September sein Amt als Generalsekretär an. Bei der Generalversammlung der WGRK in Thailand im Oktober wurde außerdem eine neue Präsidentin gewählt: Pfarrerin Dr. Karen Georgia Thompson. In einer Botschaft an die künftige Präsidentin sagte LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt, lutherische und reformierte Christinnen und Christen „sind gemeinsam auf einem Pilgerweg unterwegs, vertiefen das Zusammengehörigkeitsgefühl, insbesondere auf lokaler Ebene, und bekämpfen gemeinsam die vielen Ursachen von Ungerechtigkeit in dieser Welt.“
In einer Zeit, in der Polarisierung und Fundamentalismus zunehmen, ist es wichtiger denn je, dass unsere Kirchen Gemeinsamkeiten finden und einen anderen Weg vorleben, einen Weg des gemeinsamen Zeugnisses und der Zusammenarbeit.
Prof. Dr. Dirk Lange, Assistierender Generalsekretär für Ökumenische Beziehungen des LWB
Auf dem zweiten Treffen der 19. Plenartagung der Gemeinsamen Internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen dem LWB und der Orthodoxen Kirche, das vom 10. bis 16. Mai in der südfranzösischen Hafenstadt Sète stattfindet, werden die lutherische und die orthodoxe Glaubensgemeinschaft ihre fruchtbaren Gespräche über Synodalität und Primat fortsetzen. „Aufbauend auf einem sehr positiven und anregenden Vorbereitungstreffen am Straßburger Institut für Ökumenische Forschung im vergangenen November werden wir weiter erkunden, wie in unseren beiden Kirchen im Lauf der Jahrhunderte Autorität ausgeübt und Entscheidungen getroffen wurden“, erzählte Prof Lange.
Die lutherisch-pfingstkirchliche Dialogkommission wird ihre Auseinandersetzung mit den Themen Gottesdienst und Glaubenserziehung fortsetzen, die im Mittelpunkt der zweiten Dialogphase zwischen dem LWB und der Weltgemeinschaft der Pfingstkirchen stehen. Die Teilnehmenden werden vom 10. bis 18. April am Pentecostal Seminary in der indonesischen Hauptstadt Jakarta zu Gast sein. Sie werden lutherischen und pfingstkirchlichen Studierenden begegnen und mit den Menschen vor Ort Gottesdienst feiern.
„Ein entscheidender Teil des Dialogprozesses ist es, die Kirchen und Gemeinden vor Ort an den erzielten theologischen Fortschritten teilhaben zu lassen und sich zugleich ihre Hoffnungen und Sorgen anzuhören“, betonte Lange. „Gleichzeitig fließen ihre Reflexionen und Lebenserfahrungen unmittelbar in unsere theologischen Reflexionen ein. In einer Zeit, in der Polarisierung und Fundamentalismus zunehmen, ist es wichtiger denn je, dass unsere Kirchen Gemeinsamkeiten finden und einen anderen Weg vorleben, einen Weg des gemeinsamen Zeugnisses und der Zusammenarbeit.“
Der LWB ruft alle seine Mitgliedskirchen auf, die alljährliche Gebetswoche für die Einheit aller christlichen Gläubigen zu feiern. In der nördlichen Hemisphäre findet sie vom 18. bis 25. Januar statt, in vielen Kirchen des globalen Südens wird sie rund um Pfingsten gefeiert. Das Material für die Gebetswoche, das hier in sechs Sprachen zur Verfügung steht, wird vom Ökumenischen Rat der Kirchen und dem vatikanischen Dikasterium zur Förderung der Einheit der Christen gemeinsam herausgegeben.