Christliche Kirchen in Italien schließen ökumenischen Pakt

09 Feb 2026

Achtzehn christliche Glaubensgemeinschaften aus Italien – darunter auch die lutherische Kirche – haben sich jüngst darauf verständigt, ihren theologischen Dialog, das gemeinsame Zeugnis und die Zusammenarbeit für das Gemeinwohl zu vertiefen.

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Leitungsverantwortliche aus allen christlichen Kirchen und Glaubensgemeinschaften Italiens

Leitungsverantwortliche aus allen christlichen Kirchen und Glaubensgemeinschaften Italiens versammeln sich während des zweitägigen ökumenischen Symposiums in der Kathedrale von Bari zum Gottesdienst. Foto: Francesco Frascella

Symposium in Bari mit lutherischer Beteiligung über Ausbau der Beziehungen und Förderung der christlichen Werte in Gesellschaft

(LWI) – Wie können die christlichen Kirchen in Italien ihre Beziehungen untereinander ausbauen und in einer zunehmend säkularen Gesellschaft zugleich authentische christliche Werte fördern? Mit diesen zwei zentralen Fragen beschäftigte sich jüngst ein Symposium in süditalienischen Bari, bei dem 18 Kirchen und christliche Glaubensgemeinschaften einen ökumenischen Pakt schlossen, in dem sie sich zu Dialog, gemeinsamem Zeugnis und engerer Zusammenarbeit zum Wohl aller verpflichten. 

Auch der Dekan der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien, Pfr. Carsten Gerdes, nahm an dem zweitägigen Symposium in der süditalienischen Hafenstadt Bari teil, in deren Rahmen die mutige neue Vereinbarung zwischen der katholischen, der orthodoxen und der anglikanischen Kirche, den evangelischen Kirchen sowie den Pfingst- und Freikirchen aus ganz Italien unterzeichnet wurde.

Pfr. Gerdes, der in der Gemeinde Ispra-Varese nahe der Schweizer Grenze tätig ist, berichtete, an dem Symposium am 23. und 24. Januar unter der Überschrift „Die italienische Art des Dialogs“ hätten rund 100 Teilnehmende von allen Ebenen des kirchlichen Lebens, von den obersten Kirchenleitungen bis hin zu Gemeindevertretungen teilgenommen. „Am Ende dieses Treffens habe ich bei den Teilnehmenden einen starken Wunsch nach ökumenischer Zusammenarbeit gespürt, und ich hoffe, dass wir ihn lebendig halten und bis an die Basis weitertragen können“, sagte er. 

In dem Pakt, der während der Eröffnungsfeier in der altehrwürdigen Kathedrale von Bari offiziell geschlossen wurde, verpflichten sich die kirchlichen Leitungsverantwortlichen, gemeinsam für Gerechtigkeit, Frieden und Solidarität einzutreten und dabei einen besonderen Schwerpunkt auf den Schutz der Menschenwürde, die Förderung des Dialogs zwischen Kulturen und Religionen, eine Willkommenskultur gegenüber Migrantinnen und Migranten und marginalisierten Bevölkerungsgruppen, die Bewahrung von Gottes Schöpfung und den Kampf gegen Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und alle anderen Formen religiöser Diskriminierung zu legen.

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Leitungspersonen, die am Symposium in Bari teilgenommen haben

Pfr. Carsten Gerdes, Dekan der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien (zweiter von links), war eine der kirchlichen Leitungspersonen, die am Symposium in Bari teilgenommen haben. Foto: Francesco Frascella

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Führungspersonen aller christlichen Kirchen und Glaubensgemeinschaften in Italien

Führungspersonen aller christlichen Kirchen und Glaubensgemeinschaften in Italien sind in der Hafenstadt Bari zusammengekommen, um über eine engere Zusammenarbeit und ein stärkeres gemeinsames Zeugnis in der Öffentlichkeit zu beraten. Foto: Francesco Frascella

„Natürlich ist nichts erreicht, wenn man nur ein Stück Papier unterschreibt und dann zu den Akten legt“, betonte Gerdes. „Doch in diesem Pakt verpflichten wir uns auch, unseren Dialog lebendig zu halten, unsere Beziehungen zu vertiefen, theologische Fragen gemeinsam zu erörtern und Trennendes zu überwinden. Dieses Versprechen geben wir nicht nur uns selbst, sondern allen unseren Kirchen und Gemeinden, und wir hoffen, in einigen Jahren mit einem zweiten Symposium daran anknüpfen zu können.“ 

Im Rahmen des Treffens in Bari kamen die Teilnehmenden auch in einer Reihe kleinerer Arbeitsgruppen zusammen, um sich mit den Themen Friedensarbeit, Spiritualität, Engagement im öffentlichen Raum, interkonfessionelle Ehen und mit der Möglichkeit der gemeinsamen Abendmahlsfeier zu beschäftigen. „Ich war bei der Arbeitsgruppe zu letztgenanntem Thema dabei“, erzählte Gerdes. „Da uns dieses Thema ja aber nun schon seit 500 Jahren begleitet, haben wir nicht erwartet, es in den uns zur Verfügung stehenden vier Stunden zu lösen. Jedoch konnten wir über den weiteren Weg nachdenken, darüber, wo die Schwierigkeiten liegen und wie die Taufe, die uns ja allen gemein ist, es uns vielleicht ermöglichen könnte, gemeinsam am Tisch des Herrn Platz zu nehmen.“ 

Wir wissen, dass es der richtige Weg ist, und […] wir sehen, dass es im öffentlichen Leben heute an authentischen christlichen Werten mangelt.

Pfr. Carsten Gerdes, Dekan der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien

Wie in vielen anderen europäischen Ländern gehen auch in Italien die Mitgliederzahlen der traditionellen Volkskirchen deutlich zurück. „Einzig die pfingstkirchlichen und charismatischen Gemeinden sind eine Ausnahme: Sie werden immer größer und jünger“, berichtete Gerdes. „Doch bei unseren gemeinsamen Bemühungen geht es gar nicht darum, mehr Menschen in unsere Kirchen zu locken. Vielmehr gehen wir diesen Weg, weil wir wissen, dass er der richtige ist, und weil wir sehen, dass es im öffentlichen Leben heute an authentischen christlichen Werten mangelt.“ 

Ähnlich wie in seinem Heimatland Deutschland, so Gerdes, gebe es auch in Italien „Gruppen, die über die Bedeutung des christlichen Glaubens sprechen, was jedoch mit Vorsicht zu genießen ist, weil es ihnen womöglich eher um politische Stimmen als um authentische religiöse Werte geht“. Der im Rahmen des Symposiums geschlossene Pakt unterstreicht daher die Bedeutung von Religionsfreiheit und die Achtung der Gewissensfreiheit jedes einzelnen Menschen. 

Auch wenn der Pakt keine konkreten Vorschläge für die nächsten Schritte auf diesem ökumenischen Weg enthält, verpflichtet er jede Kirche dazu, „Initiativen zu fördern, die den Wissenszuwachs und die gegenseitige Wertschätzung zwischen Gläubigen der verschiedenen christlichen Konfessionen begünstigen“. Gerdes sagte, er sei „sehr froh über den starken Impuls vonseiten der katholischen Kirchenleitung, die in Italien weiterhin die Mehrheitskirche ist“. Abschließend betonte er: „Nicht nur die kirchlichen Leitungspersonen, sondern alle Teilnehmenden sind nun aufgerufen, die nächsten Schritte zu tun, um diesen Impuls weiterzutragen.“ 

LWB/P. Hitchen
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Italien