Botschaft der Hoffnung in unruhigen Zeiten
LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt beendet ihren einwöchigen Besuch bei den südafrikanischen Mitgliedskirchen mit einer Predigt voller Hoffnung.
23. August 2026, KwaZamokuhle, KwaZulu-Natal, Südafrika: Abendmahlsprozession beim Sonntagsgottesdienst in der Gemeinde Ephangweni in der Südöstlichen Diözese der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Südlichen Afrika (ELCSA). Foto: LWB/Albin Hillert
LWB-Generalsekretärin predigt in südafrikanischer Mitgliedskirche
In KwaZulu-Natal, Südafrika, beendete LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt am Sonntag ihren einwöchigen Besuch bei LWB-Mitgliedskirchen in Südafrika. Gemeinsam mit dem Leitenden Bischof Nkosinathi M. Myaka nahm sie am Gottesdienst in der Gemeinde Ephangweni in der Südöstlichen Diözese der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Südlichen Afrika (ELCSA) teil.
Burghardt predigte in Ephangweni vor einer Gemeinde, deren Gottesdienststätte auf die Hermannsburger Mission zurückgeht, die sich dort in den 1870er Jahren niederließ. Heute zählt die gleichnamige Kirchengemeinde rund 2.000 Mitglieder aus der Umgebung.
In ihrer Predigt über Römer 12,1–8 sprach Burghardt darüber, wie wichtig es für Menschen und für Kirchen sei, den Mut zu haben, gegen den Strom zu schwimmen und sich gegen gesellschaftliche Strömungen und „Geister“ zu stellen, die Selbstbezogenheit und Angst fördern.
Gottesdienstbesucherinnen und -besucher singen und tanzen während des Sonntagsgottesdienstes in der Gemeinde Ephangweni. Foto: LWB/Albin Hillert
LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt predigt während des Sonntagsgottesdienstes in der Gemeinde Ephangweni. Foto: LWB/Albin Hillert
Gottesdienstbesucherinnen und -besucher – darunter viele Mitglieder des ELCSA-Frauengebetsbundes – singen und beten in den Kirchenbänken während des Sonntagsgottesdienstes in der Gemeinde Ephangweni. Foto: LWB/Albin Hillert
„Wir dürfen uns nicht vom Geist der Angst gefangen halten lassen. Wo immer wir Geister wahrnehmen, die dem Willen Gottes zuwiderhandeln, müssen wir uns widersetzen“, sagte Burghardt. Die Kirche dürfe keine Angst davor haben, mit einer anderen Botschaft voranzugehen.
Wenn wir die Worte des Apostels hören, so Burghardt, sollten wir uns „stets fragen, was in Gottes Augen gut und wohlgefällig ist, was Gottes Reich aufbaut und dem Nächsten dient“.
„Bitten wir um die Führung des Heiligen Geistes, damit wir inmitten der Umbrüche unserer Zeit weiterhin ein lebendiges, gottgefälliges und gutes Leben führen können – gemeinsam als Kirche, als Leib Christi, und jede und jeder Einzelne von uns im täglichen Leben“, appellierte sie an die Zuhörenden.
Kirche und Gesellschaft im ständigen Wandel
Im Laufe von sieben Tagen besuchte Generalsekretärin Burghardt LWB-Mitgliedskirchen im ganzen Land. Begleitet wurde sie von Bischof Kenneth Sibanda aus Simbabwe, dem Präsidenten der Lutherischen Gemeinschaft im Südlichen Afrika (LUCSA), sowie von Mitarbeitenden der Geschäftsstelle des LWB-Unterregionalverbands. Der Besuch bot dem gesamten Team eine gute Gelegenheit, mehr darüber zu erfahren, wie der LWB als Kirchengemeinschaft vor Ort sowie auf nationaler und regionaler Ebene Gestalt annimmt.
Im Austausch mit Stimmen aus vier LWB-Mitgliedskirchen rückten die Folgen von Kolonialismus und Apartheid in den unterschiedlichen Kontexten und Geschichten der Kirchen immer wieder in den Mittelpunkt. Dieses Erbe hat die Zusammensetzung der verschiedenen Mitgliedskirchen innerhalb der südafrikanischen Gesellschaft geprägt.
Bei allen Unterschieden in Geschichte und Kontext wurde zugleich deutlich, dass sich alle LWB-Mitgliedskirchen in einem Prozess des Wandels befinden, während sie in einer sich verändernden, vielfältigen und heute multikulturellen südafrikanischen Gesellschaft Zeugnis ablegen.
18. August 2026, Johannesburg, Südafrika: LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt besucht gemeinsam mit dem LWB-Regionalsekretär für Afrika, Pfarrer Dr. Samuel Dawai, und Bischof Kenneth Sibanda, dem Präsidenten der Lutherischen Gemeinschaft im Südlichen Afrika (LUCSA) und ehemaligen Leitenden Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Simbabwe, die Friedenskirche und die Outreach Foundation der Nordöstlichen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Südafrika (NELCSA) in Hillbrow, Johannesburg. Foto: LWB/Albin Hillert
19. August 2026, Kapstadt, Südafrika: Der Präsident der Brüder-Unität in Südafrika, Lizwi Mtumtum, heißt die LWB-Generalsekretärin, Pfarrerin Dr. Anne Burghardt, bei einem Besuch in seiner Kirche willkommen. Foto: LWB/Albin Hillert
20. August 2026, Kapstadt, Südafrika: Bischof Gilbert Filter von der Evangelisch-Lutherischen Kirche im südlichen Afrika (Kapkirche) empfängt LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt und weitere Delegierte der LWB und der LUCSA. Foto: LWB/Albin Hillert
Beim Empfang der LWB-Generalsekretärin in der Johannesgemeinde in Pretoria beschrieb Bischof Theodor Jäckel von der Nordöstlichen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Südafrika (NELCSA) den Wandel in seiner Kirche: Aus einer ehemals ausschließlich deutschsprachigen Kirche werde zunehmend eine vielfältigere Kirche.
Eine Person, die diesen Wandel tagtäglich miterlebt, ist Lonia Mathinga aus der NELCSA-Gemeinde North Rand in Johannesburg. Sie ist Mitglied im Kirchenvorstand der Gemeinde, die inzwischen deutsch-englisch zweisprachig ist. Diese Entwicklung hat der Gemeinde vor Ort in vielerlei Hinsicht neue Impulse gegeben.
„Ich finde es sehr gut, dass sich die Mitglieder einer Gemeinde gegenseitig verstehen, auch wenn es zwei unterschiedliche Gruppen gibt“, sagte Mathinga und betonte: „Schließlich gehören wir derselben Kirche an und beten zu demselben Gott.“
Jäckel betonte, wie wichtig Einheit innerhalb der Kirchen und zwischen den Kirchen sei: „Eine Kirche, die nicht geeint ist, kann das Evangelium nicht verkündigen. Ich denke, das muss ganz klar sein. Wenn wir gespalten sind, können wir nichts verkünden, wofür wir gemeinsam eintreten müssen. Aber für mich bedeutet Einheit nicht Gleichförmigkeit. Da gibt es einen großen Unterschied. Wir müssen unterschiedliche Entwicklungen, unterschiedliche Geschichten, unterschiedliche Gottesdienstformen und unterschiedliche Kontexte anerkennen.“
Gemeinsam der Gemeinschaft dienen
So unterschiedlich Geschichte, Identität und Organisationsstruktur der LWB-Mitgliedskirchen in Südafrika auch sein mögen: Mit ihrem Bestreben, in einer sich fortwährend verändernden Gesellschaft Zeugnis abzulegen, verbindet sich die Verpflichtung zur Zusammenarbeit. Dabei geht es nicht nur darum, ein gemeinsames theologisches Verständnis zu entwickeln, sondern den Glauben auch gemeinsam und konkret zu leben.
In Philippi, einem weniger wohlhabenden Stadtteil am Rande Kapstadts, haben sich drei LWB-Mitgliedskirchen zusammengeschlossen, um gemeinsam das diakonische Projekt iThemba Labantu zu betreiben. Dieses lutherische Gemeindezentrum wird gemeinsam von der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Südlichen Afrika (Kapkirche), der Brüder-Unität in Südafrika und der Diözese Cape Orange der ELCSA getragen.
Was einst als einfache Suppenküche begann, bietet heute fast 300 Kindern und jungen Menschen im Alter von drei Jahren bis zum jungen Erwachsenenalter Bildung und berufliche Qualifizierung sowie Sportangebote und weitere Aktivitäten.
„All das“, so die Leiterin von iThemba Labantu, Sophia Zittel, „begann mit der Frage: Was können wir als Kirche über das Gebet hinaus noch tun?“
Sophia Zittel, Leiterin von iThemba Labantu, berichtet bei einem Rundgang von ihren Erfahrungen und begrüßt LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt im Gemeindezentrum iThemba Labantu. Foto: LWB/Albin Hillert
Teilnehmende an einer Ausbildung im Bereich Mechanik während des Unterrichts im Gemeindezentrum iThemba Labantu. Foto: LWB/Albin Hillert
LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt und die LWB-Delegation treffen eine Gruppe von Grundschulkindern im Gemeindezentrum iThemba Labantu. Foto: LWB/Albin Hillert
Lizwi Mtumtum, Präsident der Brüder-Unität in Südafrika, erklärt, dass in seiner Kirche nicht ordinierte und ordinierte Leitungspersonen gleichberechtigt zusammenwirken.
Mtumtum selbst leitet als nicht ordinierte Person die Kirche. „Als Brüder-Unität begrüßen wir dieses Modell, weil es unterschiedliche Menschen in die Kirche einbindet und sowohl zum Wachstum der Kirche beiträgt als auch neue Wege und Arbeitsweisen eröffnet, ohne dass wir uns dabei von unserer Lehre und unserem theologischen Fundament entfernen“, sagte er.
Mtumtum wies darauf hin, dass das Zusammenspiel nicht ordinierter und ordinierter Leitungspersonen sowohl zur Vielfalt als auch zur Einheit der Kirche beitrage, auch innerhalb der weltweiten LWB-Kirchengemeinschaft.
„Ich verwende gerne das Beispiel der Hand, die ja bekanntlich fünf Finger hat, von denen aber keiner dem anderen gleicht. So bringen auch wir alle ganz unterschiedliche Aspekte ein, um Gott zu verherrlichen“, sagte er.
Bischof Gilbert Filter von der Kapkirche erinnerte an die komplexe Geschichte seiner eigenen Kirche, die sich angesichts wechselnder Realitäten während Kolonialismus und Apartheid immer wieder anpassen, neu ausrichten und ihren Platz finden musste. Dieser Wandel dauere bis heute an, während die Kirche fortwährend die Gaben neuer und unterschiedlicher Mitglieder für die Gemeinschaft vor Ort entdecke.
Auch die Kapkirche bemüht sich heute gezielt darum, nicht ordinierte Leitungspersonen in der Kirche auszubilden und ihre Kompetenzen zu stärken. Darüber hinaus führt sie Programme zur Gendergerechtigkeit durch.
„Es reicht nicht aus, als Kirche in unserem Gemeinwesen zu existieren. Wir müssen auch eine Kirche für unser Gemeinwesen sein“, sagte Filter und unterstrich dabei die Bedeutung der kirchenübergreifenden Verbindungen als lutherische Familie.
„Wir sind zutiefst dankbar für die ermutigende Begleitung durch den LWB über die Jahrzehnte hinweg, die uns darin bestärkt, das Wort Gottes in den Mittelpunkt zu stellen und davon Zeugnis abzulegen“, erklärte Filter.
„Letztlich sind wir alle stets auf ökumenische und kirchenübergreifende Beziehungen angewiesen, denn wir können diese Arbeit nicht allein bewältigen“, sagte er.
Theologische Ausbildung ist „unverzichtbar für die Verwirklichung der Einheit“
Im Laufe der Woche besuchte die LWB-Delegation verschiedene theologische Bildungseinrichtungen, darunter das Theologische Zentrum der Brüder-Unität, die Theologische Fakultät der Universität Stellenbosch und das Lutherische Theologische Seminar der ELCSA. Jede dieser Einrichtungen setzt eigene Schwerpunkte und hat besondere Stärken, aber auch Herausforderungen. Viele dieser Einrichtungen sind oder waren im südafrikanischen Kontext besonders mit der Herausforderung konfrontiert, ihre Arbeit langfristig aufrechtzuerhalten.
Der amtierende Geschäftsführer der LUCSA, Pfarrer Dr. Morekwa, drückte es so aus: „Die theologische Ausbildung befindet sich in einer Krise, wenn Bildungseinrichtungen Schwierigkeiten haben, sich langfristig zu finanzieren, denn ein Mangel an Pfarrpersonen kann unmittelbar dazu führen, dass Gemeindemitglieder zu anderen Kirchen abwandern.“
Daher arbeiten die LWB-Mitgliedskirchen intensiv daran, die Ausbildung von Theologinnen und Theologen sowie künftigen Pfarrpersonen zu gewährleisten.
Studierende am Theologischen Zentrum der Brüder-Unität. Die Theologiestudentin Cleo Sauls (rechts) im Gespräch mit Benito Jantjies (links), einem Teilnehmer des Studienprogramms Youthology. Foto: LWB/Albin Hillert
LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt und ihre Delegation treffen zu einem Besuch an der Theologischen Fakultät der Universität Stellenbosch ein. Foto: LWB/Albin Hillert
Studierende singen in der Kirche während eines Besuchs der LWB-Generalsekretärin, Pfarrerin Dr. Anne Burghardt, am Lutherischen Theologischen Seminar der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Südlichen Afrika (ELCSA). Auf dem Foto ist unter anderem der Theologiestudent und LWB-Stipendiat Thakgatso Maimels zu sehen. Foto: LWB/Albin Hillert
Das Theologische Zentrum der Brüder-Unität verfolgt heute das Ziel, jährlich zehn Studierende aufzunehmen. Mit innovativen Ansätzen möchte die Kirche die nächste Generation von Pfarrerinnen und Pfarrern für den Dienst begeistern. Neben klassischen theologischen Studiengängen bietet sie eigens entwickelte Programme wie Youthology an, bei dem Theologie mit jungen Menschen und durch junge Menschen betrieben wird.
An der Universität Stellenbosch hat sich die Theologische Fakultät zur vielfältigsten Fakultät des Campus entwickelt. Unter den über 700 im Jahr 2026 eingeschriebenen Studierenden sind Frauen knapp in der Mehrheit, und der Anteil von Studierenden aus Familien ohne akademischen Hintergrund nimmt stetig zu.
„Unser Traum ist es, dass sich diese Entwicklung auch in weiterführenden Studiengängen niederschlägt und dass aus diesen Studierenden die nächste Generation von Professorinnen und Professoren sowie ökumenisch orientierten kirchlichen Leitungspersonen hervorgeht“, sagte Dekan Prof. Reginald Nel und brachte gleichzeitig den Wunsch zum Ausdruck, die Partnerschaft auch mit dem LWB weiter zu stärken.
In KwaZulu-Natal und der Südöstlichen Diözese der ELCSA wurde erst im Jahr 2024 ein lutherisches theologisches Seminar wiedereröffnet, an dem derzeit 50 Studierende in drei Jahrgängen eingeschrieben sind.
In einer Gesellschaft, die vom Erbe des Kolonialismus und der Apartheid geprägt ist, kommt der theologischen Ausbildung eine Schlüsselrolle bei der Förderung eines Lebens in Einheit zu, erklärte der Leitende Bischof der ELCSA, Nkosinathi M. Myaka, der selbst aus dieser Diözese stammt.
„Ein grundlegendes Prinzip der Kolonialisierung und des Kolonialismus war: ‚Teile und herrsche‘. Apartheid und Homelands waren die Folgen. Dies verstärkte die Überzeugung, wir kämen am besten allein zurecht und es gehe um ‚wir gegen die‘“, sagte Myaka.
Mit Blick auf die Studierenden am Seminar werde jedoch deutlich: „Wenn Menschen mit dem Grundsatz der Einheit vertraut gemacht werden, fällt es ihnen leichter, die Mauern einzureißen, die sie voneinander trennen. Wenn unsere Studierenden anschließend in ihre eigenen Gemeinschaften zurückkehren, um dort zu wirken, bringen sie ein neues Verständnis davon mit, dass ein Zusammenleben in versöhnter Vielfalt möglich ist.“
LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt und der Leitende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Südlichen Afrika (ELCSA), Nkosinathi M. Myaka, stellen sich bei einem Besuch des Lutherischen Theologischen Seminars gemeinsam mit Studierenden zu einem Gruppenfoto auf. Foto: LWB/Albin Hillert
LWB-Generalsekretärin Pfarrerin Dr. Anne Burghardt besucht vom 17. bis 24. August LWB-Mitgliedskirchen in Südafrika. Der Delegation gehören der LWB-Regionalsekretär für Afrika, Pfarrer Dr. Samuel Dawai, und Bischof Kenneth Sibanda an, Präsident der Lutherischen Gemeinschaft im Südlichen Afrika (LUCSA) und ehemaliger Leitender Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Simbabwe.