Tansania: Junge Menschen sollen wissen, dass die Kirche auch ihre Heimat ist

21 Okt 2026

In dieser Ausgabe der „Stimmen aus der Kirchengemeinschaft“ spricht die Laborwissenschaftlerin, Autorin und Jugendreferentin der Lutherischen Gemeinschaft in Zentral- und Ostafrika (Lutheran Communion in Central and Eastern Africa, LUCCEA) Bupe Kibiki, über ihren Weg in die Kirchenleitung und ihre Hoffnungen auf eine inklusive, generationenübergreifende Kirche. 

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Bupe Kibiki spricht auf der Regionalkonferenz für Kirchenleitende in Afrika im Mai 2025 in Kigali, Ruanda. Foto: Foto LWB/ E. Kinyanguli und C. Boshielo

Bupe Kibiki spricht auf der Regionalkonferenz für Kirchenleitende in Afrika im Mai 2025 in Kigali, Ruanda. Foto: Foto LWB/ E. Kinyanguli und C. Boshielo

Bupe Kibiki, Jugendreferentin der Lutherischen Gemeinschaft in Zentral- und Ostafrika 

(LWI) – „Man kann nicht von Frieden in der Bevölkerung oder von Frieden in einer Nation sprechen, ohne auch die psychische Gesundheit des Einzelnen im Blick zu haben.“ Für Bupe Kibiki von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania war eine Schulung für Friedensbotschafterinnen und -botschafter des Lutherischen Weltbundes (LWB), die diesen Sommer in Johannesburg, Südafrika, stattfand, eine gute Gelegenheit, ihren Beruf als medizinisch-technische Laborfachkraft mit ihrem Engagement für junge Menschen und mehr Generationengerechtigkeit zu verbinden. 

Als Jugendreferentin der Lutherischen Gemeinschaft in Zentral- und Ostafrika (LUCCEA) setzt sich Kibiki intensiv für die Stärkung der lutherischen Identität unter jungen Menschen in ihrem Land und ihrer Region ein. Zudem ist sie auch immer stärker eingebunden in andere weltweite Programme des LWB: von Friedensarbeit über Klimaschutz bis hin zu den Vorbereitungen für die Vierzehnte LWB-Vollversammlung reichen, die im Juni 2030 in Augsburg, Deutschland, stattfinden soll. 

In ihrer Freizeit schreibt und veröffentlicht Kibiki Bücher und möchte damit andere junge Menschen dazu anregen, ihre Möglichkeiten zu nutzen, um andere Menschen in ihrem Umfeld positiv zu beeinflussen. Außerdem hat sie eine Online-Bewegung namens Growing Together ins Leben gerufen. Diese organisiert monatliche Schulungs- und Diskussionsrunden für junge Menschen aller Kirchen und verschiedener Glaubensrichtungen in Tansania. Hier spricht sie darüber, was sie motiviert und über ihre Hoffnung, dass sich alle jungen Menschen in der Kirche wirklich zu Hause fühlen können. 

Erzählen Sie uns etwas über ihren familiären Hintergrund! 

Sowohl mein Vater als auch meine Mutter waren Landwirte und Unternehmer, heute sind sie im Ruhestand und im Vorstand ihrer Kirchengemeinde. Als ich ein Kind war, nannte mich mein Vater immer „Doktor“. Schon deshalb wollte ich immer Ärztin werden. Nach meinem Schulabschluss sprachen eine meiner Schwestern und ich über verschiedene Studienfächer wie Medizin, medizinisch-technische Fächer, eine Pflegeausbildung oder ähnliches. Sie empfahl mir, auch medizinisch-technische Laborwissenschaften zu studieren, da sie selbst diesen Studiengang belegte und fand, dass er auch gut zu mir passen würde. Ich befolgte ihren Rat und entschied mich für dieses Studium.  

Wir sind im Süden des Landes aufgewachsen, aber ich bin zum Studium in den Norden gegangen. Jetzt arbeite ich im Kilimanjaro Christian Medical Center, einem regionalen Fachkrankenhaus in Moshi, das zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania gehört. Diese Arbeit macht mir wirklich Spaß, weil sie mir auch Zeit lässt, meine Gaben und Talente in der Kirche einzubringen und als Autorin zu arbeiten.  

Sind Sie in der lutherischen Kirche groß geworden? 

Ja, ich bin lutherisch aufgewachsen. Meine Mutter war zwar praktizierende Katholikin, aber in unserer Tradition ist es so, dass man sich bei der Heirat der Konfession des Ehemanns anschließen kann. Das hat sie getan, und so wurden meine Geschwister und ich in der lutherischen Kirche getauft und erzogen. 

Wie wirkt sich Ihr Glaube auf Ihre Arbeit als Ärztin aus? 

Ich glaube, dass es eine enge Verbindung zwischen meinem Beruf und meinem kirchlichen Engagement gibt. Bewusst wurde mir das, als ich zum ersten Mal an einer LWB-Konferenz zum Klimaschutz teilnahm und erkannte, wie eng Gesundheit und die Folgen des Klimawandels miteinander zusammenhängen – wenn Überschwemmungen oder Dürren großes Leid und Krankheiten verursachen.  

In diesem Jahr habe ich auch an einem Programm der LWB-Botschafterinnen und Botschafter des Friedens in Johannesburg teilgenommen. Dabei sollten wir ein Projekt erarbeiten, das in unserem Umfeld etwas bewirken kann. Bei uns in Tansania leiden viele junge Menschen unter Angstzuständen und Depressionen, was zu Missbrauch von Drogen und anderen Substanzen sowie zu Familienkonflikten führt.  

In meinem Umfeld ist das ein sehr ernstes Problem. Mir wurde klar, dass es einen starken Zusammenhang gibt: Man kann nicht von Frieden in der Bevölkerung oder von Frieden in einer Nation sprechen, ohne auch die psychische Gesundheit des Einzelnen im Blick zu haben. Da ich bereits mit Fachleuten für psychische Gesundheit zusammengearbeitet hatte, habe ich einen Projektvorschlag eingereicht, mit dem die psychische Gesundheit von junger Menschen unterstützt werden soll.  

Was sind die Ursachen für die Ängste, unter denen junge Menschen in Tansania leiden? 

Das kommt auf die Altersgruppe an. Jugendarbeitslosigkeit ist sicher eine der größten Herausforderungen in meinem Land. Die unsichere Zukunft und die schwierige Arbeitssuche verursachen Ängste, Stress und Depressionen. Diese Probleme können sich auf das Familienleben auswirken und unter Umständen zu Drogenmissbrauch führen.  

In einigen Gebieten, wie im Bezirk Hanang in der Region Manyara, haben Erdrutsche und Überschwemmungen in den letzten Jahre viele junge Menschen zur Flucht gezwungen. Sie haben ihre Schulbildung abgebrochen, mit negativen Folgen auf ihr Leben und ihr Wohlergehen. 

Sie engagieren sich sehr stark in der Bewegung für Klimagerechtigkeit, richtig? 

Ja, ich habe zum ersten Mal an der COP29-Konferenz in Aserbaidschan als Online-Delegierte des LWB teilgenommen, und das hat mir wirklich die Augen geöffnet. Vorher dachte ich immer, Klimagerechtigkeit sei ein politisches Thema, das mit der Kirche nichts zu tun hat. Doch schon vor der COP29 gab es hier in Tansania einen Workshop, bei dem LWB-Kirchenleitende erklärten, dass Klimagerechtigkeit für uns Christinnen und Christen alle ein Aufruf zur Bewahrung von Gottes Schöpfung ist, und das hat mich wirklich tief bewegt.  

Von dem Moment an wusste ich, dass ich Teil dieser Bewegung sein wollte. Aso nahm ich an der COP29 und auch an der COP30 teil. Ich bin so froh, dass der LWB jungen Menschen die Möglichkeit gibt, an diesen Veranstaltungen teilzunehmen, und dass er versteht, welche Rolle junge Menschen bei dieser Advocacy-Arbeit spielen.  

Wann haben Sie zum ersten Mal vom LWB gehört?  

Ich weiß es nicht mehr genau, aber ich glaube, es war in meinem ersten Jahr an der Universität, als es ein Online-Treffen des LWB für junge Menschen gab, zu dem mir der Jugendreferent in meiner Kirche einen Link mit einer Einladung schickte. Ich habe an dem Treffen teilgenommen und mich danach auf Instagram über die Arbeit des LWB informiert. Von diesem Tag an habe ich mich an verschiedenen Aktivitäten für junge Menschen und auch an verschiedenen Programmen für Leitungspersonen beteiligt und so mehr über die Schwerpunkte des LWB erfahren. Es war also wirklich eine wunderbare Reise! 

Und dann wurden Sie in den Planungsausschuss für die nächste LWB-Vollversammlung berufen. 

Ja, Gott sei Dank. Wir hatten bereits eine Online-Sitzung, bei der wir uns über unsere Aufgaben informieren und unsere Hoffnungen und Erwartungen besprechen konnten. Das wird meine erste Vollversammlung sein, daher freue ich mich sehr darauf, mehr über die weltweite Kirchengemeinschaft, die Herausforderungen und das, was diese Treffen bewirken können, zu erfahren. Ich werde dort als Vertreterin von jungen Menschen dabei sein, was für mich eine sehr spannende Gelegenheit ist.  

Sie erwähnten, dass Sie neben Ihrem kirchlichen Engagement auch als Autorin tätig sind. 

Ja, ich habe bisher sechs Bücher geschrieben und drei davon veröffentlicht. Lesen und Schreiben sind für mich eine echte Leidenschaft. Die meisten meiner Bücher handeln davon, wie junge Menschen gestärkt werden können. Das erste Buch habe ich geschrieben, als ich noch an der Universität war. Es ging um Themen wie Zeitmanagement und die Auswirkungen von Gruppenzwang. Während meines einjährigen Praktikums habe ich ein weiteres Buch verfasst, von dem ich hoffte, dass es junge Leute in meinem Alter dazu inspirieren könnte, einen Sinn in ihrem Leben zu erkennen und das Leben anderer Menschen positiv zu beeinflussen. 

Nach meinem Abschluss im Jahr 2023 habe ich mir überlegt, ein weiteres Buch schreiben, um Studierenden im ersten Jahr einen Einblick in das Universitätsleben zu geben. Jetzt schreibe ich gerade an einem neuen Buch, das im Dezember erscheinen wird: Sein Titel lautet „Can we find another like this? (Deutsch etwa: Können wir noch so jemanden finden?), es basiert auf dem Leben des Josef aus dem Alten Testament. Darin rege ich junge Menschen dazu an, sich selbst zu hinterfragen und darüber nachzudenken, welchen Einfluss sie auf andere haben können. Was braucht es, um eine gute Führungskraft, eine loyale Mitarbeiterin, ein guter Autofahrer zu sein oder Kinder gut zu erziehen? 

Und Sie haben eine WhatsApp-Gruppe gegründet, um junge Menschen zu stärken. 

Ja, sie heißt Growing Together, und es sind etwa 900 junge Menschen unterschiedlicher Herkunft und Glaubensrichtung in Tansania dabei. Es ist eine Plattform, auf der ich Menschen verschiedener Fachrichtungen einlade, über Leitungsverantwortung, Finanzielles, Klimawandel oder Menschenrechte zu sprechen. Wir haben jeden Monat Schulungen und diskutieren anschließend die Fragen, die uns gemeinsam beschäftigen, da sie uns ja alle betreffen – ganz gleich, welcher Kirche oder welchem Glauben wir angehören. 

Was motiviert Sie am meisten bei all diesen Aktivitäten, an denen Sie beteiligt sind? 

Ich liebe meine Arbeit und es motiviert mich, wenn ich im Leben anderer Menschen etwas Positives bewirken kann. Ich bin Jugendreferentin für unsere LUCCEA-Unterregion und sorge dafür, dass wir alle paar Monate ein Jugendtreffen veranstalten, damit wir mehr über unsere lutherische Identität und die Jugendthemen des LWB erfahren, und wie wir uns in diesen wichtigen Themenbereichen engagieren können.  

Die Teilnehmenden geben uns positives und auch negatives Feedback, damit wir für Verbesserungen sorgen können. Zu sehen, wie das Leben anderer junger Menschen gestärkt und bereichert wird, wenn sie mehr über die Kirche und unseren lutherischen Glauben erfahren, inspiriert mich. 

Was bedeutet es für Sie, Teil der größeren Kirchengemeinschaft zu sein? 

Zunächst einmal glaube ich, dass ich es dem LWB, also den Führungskompetenzen, den Reisemöglichkeiten und anderen Erfahrungen, die ich sammeln durfte, verdanke, dass ich heute hier bin. Es ist mir auch sehr wichtig, mich mit Jugendreferentinnen und -referenten in Asien oder Lateinamerika und anderen LWB-Regionen zu vernetzen, um zu erfahren, was in ihren Regionen so passiert, Erfahrungen auszutauschen und neue Kulturen und Traditionen kennenzulernen. 

Sehr dankbar bin ich für den Prozess der Generationengerechtigkeit, der jungen Menschen wirklich hilft, sich als Teil ihrer Kirche und der größeren Kirchengemeinschaft zu fühlen. Ich weiß, dass ich mich an meine Pfarrerin oder meinen Pfarrer oder meinen Bischof wenden kann, und dass es Mentorenprogramme gibt, um Brücken zwischen den verschiedenen Generationen zu bauen.  

Ich freue mich, dass das ein Schwerpunktthema der Kirche ist, denn je näher wir unseren Kirchenleitenden sind, desto besser verstehen wir, was die Kirche tut und wie wir teilhaben können. Wenn wir das Gefühl haben, dazuzugehören, werden wir auch gerne unsere Zeit, unsere Ressourcen, unsere Energie und alles, was wir haben, für die Kirche einsetzen, denn sie ist auch unser Zuhause.

LWB/P. Hitchen
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Tansania
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