Stellungnahme: Die Erklärung des LWB-Rates zum Krieg gegen die Ukraine anzunehmen

17 Jun 2026

Der Rat des Lutherischen Weltbundes, der unter dem Thema „dass ich zusammen mit euch getröstet werde durch euren und meinen Glauben, den wir miteinander haben“ – Römer 1,12 – tagte, gibt folgende Erklärung ab:

Image
Erklärung des LWB

Erklärung des LWB

Der Rat bringt seine tiefe Trauer und Besorgnis darüber zum Ausdruck, dass mehr als vier Jahre nach dem großangelegten Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 die Zivilbevölkerung weiterhin unerbittlichen Angriffen, Vertreibung, Traumata und der Zerstörung von Häusern, Schulen, Krankenhäusern, Energiesystemen und anderer ziviler Infrastruktur ausgesetzt ist.

Millionen von Menschen erleben weiterhin verheerendes Leid und benötigen dringend humanitäre Hilfe, während weitere Millionen weiterhin als Geflüchtete oder Binnenvertriebene leben.

Der Rat verurteilt Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht und die internationalen Menschenrechtsnormen einschließlich Angriffen auf Zivilisten und zivile Infrastruktur. Der zunehmende Einsatz von Raketen, Drohnen und anderen Waffen in besiedelten Gebieten hat die Zahl der zivilen Opfer erhöht und Angst, Unsicherheit sowie psychische Traumata verstärkt, auch in den Nachbarländern.

Russland muss sich aus den ukrainischen Gebieten zurückziehen, und Verstöße gegen das Völkerrecht sowie alle im Rahmen dieses Krieges begangenen Verbrechen müssen unabhängig untersucht und strafrechtlich verfolgt werden. Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und der Schutz der Menschenrechte sind unverzichtbare Grundlagen für einen nachhaltigen und gerechten Frieden.

In dem Bewusstsein, dass Hunderte von Kirchen, vor allem orthodoxe, und andere religiöse Stätten vom russischen Militär als Ziele ausgesucht und zerstört wurden, bestärkt der Rat mit alle Entschlossenheit die Aussage des Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus I., der diese Gewalt öffentlich und wiederholt verurteilt hat. Der Rat bekräftigt erneut, dass er jegliche theologische oder religiöse Rechtfertigung für Krieg, Gewalt oder territoriale Aggression ablehnt. Der Glaube darf niemals dazu benutzt werden, Zerstörung, Hass oder Herrschaft zu legitimieren. Vielmehr sind die Kirchen dazu aufgerufen, Stimmen der Versöhnung, des Mitgefühls, der Wahrheit und der Hoffnung zu sein.

Der Rat dankt für die Arbeit des Weltdienst--Programms in der Ukraine sowie für das Zeugnis und den Dienst der LWB-Mitgliedskirche, der Deutschen Evangelisch Lutherischen Kirche in der Ukraine, und der Mitgliedskirchen in den Nachbarländern. Durch ihre humanitäre Hilfe, seelsorgerische Begleitung, Traumabehandlung, Unterstützung bei der Unterbringung, Interessenvertretung und die Aufnahme von Geflüchteten bezeugen die Kirchen Gottes Barmherzigkeit und Gegenwart unter den Leidenden.

Der Rat fordert Regierungen und die internationale Gemeinschaft auf:

  • die diplomatischen Bemühungen zur Beendigung des Krieges gegen die Ukraine und zur ausnahmslosen Einhaltung des humanitären Völkerrechts und der Menschenrechte zu verstärken;
  • die humanitäre Hilfe und den Schutz der betroffenen Bevölkerung aufrechtzuerhalten und zu verstärken; Geflüchtete, Binnenvertriebene und Gemeinwesen beim Wiederaufbau ihres Lebens zu unterstützen;
  • standhaft solidarisch mit den vom Krieg gegen die Ukraine betroffenen Menschen zu bleiben, in dem Bewusstsein, dass Schweigen und Gleichgültigkeit angesichts des Leidens unsere gemeinsame Menschlichkeit untergraben.
Thematiken:
Land:
Schweiz
Region: