Stellungnahme: Die Erklärung des LWB-Rates zu Gerechtigkeit und Frieden in Palästina anzunehmen
Der Rat des Lutherischen Weltbundes, der unter dem Thema „dass ich zusammen mit euch getröstet werde durch euren und meinen Glauben, den wir miteinander haben“ – Römer 1,12 – tagte, gibt folgende Erklärung ab:
Erklärung des LWB
Der Rat ist zutiefst besorgt über die anhaltende Besetzung palästinensischer Gebiete durch Israel, den Ausbau der Siedlungen, die Gewalt durch Siedler und Siedlerinnen, Angriffe auf Kirchen und religiöse Stätten sowie militärische Operationen im Gazastreifen und im Westjordanland einschließlich Ostjerusalems. Diese Handlungen verstoßen gegen das Völkerrecht und zahlreiche Resolutionen der Vereinten Nationen.
Der Rat ist zutiefst besorgt über den willkürlichen Einsatz von Administrativhaft ohne Anklage oder Gerichtsverfahren sowie über die Behandlung palästinensischer Gefangener. Der Rat schließt sich dem Aufruf der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land an und fordert die Freilassung von Natalie Abu Dayyeh und anderen Palästinenserinnen und Palästinensern, die ohne ordentliches Gerichtsverfahren inhaftiert sind. Der Rat ist zudem besorgt über die anhaltende Bedrohung der christlichen Präsenz im Heiligen Land und im Nahen Osten.
Der Rat bekräftigt seine Solidarität mit all jenen, die im Heiligen Land leiden, und betet für die Hinterbliebenen, die Verwundeten, die Vertriebenen und alle, die in Angst leben. Der Rat bekräftigt sein Engagement, das von Gewalt und Besatzung betroffene palästinensische Volk auf dem Weg zu Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung zu begleiten und unsere gemeinsame Menschlichkeit zu bekräftigen.
Der Rat würdigt und bekräftigt das mutige Zeugnis und den Dienst der Leitenden und Gemeinden der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land. Der Rat dankt zudem für die Arbeit des LWB-Jerusalem-Programms, einschließlich des Auguste-Viktoria-Krankenhauses, für die humanitäre Hilfe, die medizinische Versorgung und die berufliche Ausbildung, die es dem palästinensischen Volk bietet.
Der Rat fordert:
- den Rückzug des israelischen Militärs aus dem Gazastreifen
- ein Ende der israelischen Besetzung palästinensischer Gebiete, der Landannektierung und der Gewalt durch Siedler und Siedlerinnen im Westjordanland und in Ostjerusalem
- uneingeschränkten humanitären Zugang zum Gazastreifen und zu allen besetzten palästinensischen Gebiete, den Schutz der Zivilbevölkerung gemäß dem Völkerrecht, die Evakuierung von Patientinnen und Patienten, die dringend medizinische Versorgung benötigen, sowie die Eröffnung eines humanitären Korridors, um den Zugang zu medizinischer Behandlung zu ermöglichen
- ein erneutes, stärkeres und substanzielleres Engagement der internationalen Gemeinschaft, um die Zwei-Staaten-Lösung für Palästina und Israel voranzubringen und Gerechtigkeit, Frieden und Rechenschaftspflicht zu gewährleisten
- dass die israelische Regierung sicherstellt, dass alle Gefangenen und Inhaftierten in voller Übereinstimmung mit dem humanitären Völkerrecht und den internationalen Menschenrechtsnormen behandelt werden
- Unterstützung für Initiativen religiöser und zivilgesellschaftlicher Akteure in Palästina und Israel, die sich bereits für ein friedliches Zusammenleben und die Versöhnung von Menschen unterschiedlicher ethnischer, religiöser oder nationaler Zugehörigkeit einsetzen.