Stellungnahme: Die Erklärung des LWB-Rates zu anhaltenden Krisen und menschlichem Leid anzunehmen
Der Rat des Lutherischen Weltbundes, der unter dem Thema „dass ich zusammen mit euch getröstet werde durch euren und meinen Glauben, den wir miteinander haben.“ – Römer 1,12 – tagte, gibt folgende Erklärung ab:
Erklärung des LWB
Der LWB-Rat äußert tiefe Besorgnis über die wachsende Zahl von Krisen weltweit, die weiterhin unermessliches menschliches Leid verursachen, während sie international nur unzureichende Beachtung und Reaktion erfahren. Selbst wenn menschliches Leid von den meisten vergessen oder an geopolitischen Interessen, Rentabilität oder Sichtbarkeit in den Nachrichten gemessen wird, vergisst Gott es nicht. Die Normalisierung des Leidens und die selektive Aufmerksamkeit, die Krisen zuteilwird, untergraben die Prinzipien der Menschenwürde, der Gerechtigkeit und der gemeinsamen Verantwortung.
Die humanitären Krisen unserer Zeit sind langwieriger, weitreichender und komplexer als jemals zuvor in der jüngeren Vergangenheit. Besonders alarmierend sind die zunehmenden Folgen dieser Krisen: die Vertreibung von Millionen von Menschen; Angriffe auf Zivilpersonen, Krankenhäuser, Schulen und Gebetsstätten; Ernährungsunsicherheit und Hungersnöte; Menschenhandel und Ausbeutung; sowie schwindende Handlungsräume für Demokratie, Zivilgesellschaft und Religionsfreiheit.
Der Rat beklagt die Marginalisierung und gezielte Verfolgung bestimmter Gruppen während Konflikten und humanitärer Krisen. Frauen, Mädchen und Jungen tragen unverhältnismäßig stark die Last von Vertreibung, Armut, sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt, des Verlustes ihrer Lebensgrundlagen sowie des ungleichen Zugangs zu Bildung, Gesundheitsversorgung und Schutz. Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen, Geflüchtete, indigene Völker und Binnenvertriebene gehören zu den am stärksten gefährdeten und am häufigsten vergessenen Gruppen.
Der Rat steht in Solidarität mit den betroffenen Menschen in Afghanistan, Burundi, Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik, dem Tschad, Kolumbien, Kuba, der Demokratischen Republik Kongo, Äthiopien, Haiti, Indien, dem Libanon, Mosambik, Myanmar, Nicaragua, Nigeria, Palästina, Somalia, dem Südsudan, dem Sudan, Syrien, der Ukraine, Venezuela, dem Jemen und anderen Orten, an denen die Menschenwürde seit Jahrzehnten durch Gewalt, Unterdrückung, Katastrophen, Besatzung und Vernachlässigung bedroht ist, und gedenkt ihrer im Gebet.
Der Rat dankt Gott für das treue und mutige Zeugnis und den Dienst der LWBMitgliedskirchen, des Weltdienstes, der ökumenischen Partner, anderer Glaubensgemeinschaften und Akteure der Zivilgesellschaft, die die betroffenen Menschen mit Seelsorge, humanitärer Hilfe und Fürsprache begleiten.
Der Rat fordert die internationale Gemeinschaft, Regierungen, multilaterale Institutionen und humanitäre Organisationen auf:
- ihre Anstrengungen zur Bewältigung langwieriger Krisen und Konflikte zu verdoppeln, die nur begrenzte politische oder mediale Aufmerksamkeit erhalten und insbesondere in den oben genannten Ländern oft ignoriert werden, unter anderem durch die dringende Schließung der gravierenden Finanzierungslücke im humanitären Bereich.
- sicherzustellen, dass Politik und Praxis in der humanitären Hilfe, der Entwicklungshilfe sowie der Friedensarbeit den Bedürfnissen und Rechten aller schutzbedürftigen und von Krisen betroffenen Menschen ohne Diskriminierung gerecht werden
- das humanitäre Völkerrecht und die internationalen Menschenrechtsnormen sowie ihre rechtliche Verantwortung zum Schutz der von Krisen betroffenen Menschen zu wahren.
Der Rat ruft die Mitgliedskirchen dazu auf:
- in Fürbitten an die verschiedenen Krisen und Länder zu denken und sie zu Gott zu erheben, während sie sich weiterhin einsetzen und solidarisch mit jenen handeln, deren Leid allzu oft unsichtbar und ungehört bleibt.