Das „Augsburgische Bekenntnis“ ist Grundlagentext für die lutherische Weltgemeinschaft. Viele Kirchen weltweit führen es im Namen, z. B. die „Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Österreich“. Das Bekenntnis wurde am 25. Juni 1530 in Augsburg an Kaiser Karl V. übergeben. Es sollte nachweisen, dass die reformatorisch gesinnten Fürsten, Theologen, Stadtmagistrate, Pfarrer und Gläubigen nicht von christlicher Lehre abwichen – aber notwendige Reformen in ihren Kirchen durchgeführt hatten. Der Wittenberger Theologe Philipp Melanchthon, ein Kollege und Freund Martin Luthers, hatte das „Augsburgische Bekenntnis“ zusammen mit anderen Theologen auf Deutsch und Latein verfasst. Grundaussagen zu Jesus Christus, zum Glauben, zur Kirche, zu den Sakramenten Taufe und Abendmahl, zu Macht, zu Heiligen u.v.m. sind darin enthalten. Der lateinische Titel ist: „Confessio Augustana“.
2030 jährt sich die Übergabe der „Confessio Augustana“ zum 500. Mal. Viele Aktivitäten werden für das Jubiläum vorbereitet. Die Gemeinschaft des Lutherische Weltbundes (LWB) möchte das Jubiläum zusammen mit ökumenischen Partnerkirchen in Augsburg feiern. 2030 wird auch die LWB-Vollversammlung in Augsburg stattfinden.
Im Zugehen auf das Jubiläum hat die Versammlung des Deutschen Nationalkomitees des LWB eine Exkursion und Tagung in Augsburg stattfinden lassen. Vertreterinnen und Vertreter des LWB und seiner ökumenischen Partnerkirchen, Gäste aus der Weltgemeinschaft des LWB und junge Stimmen, Fachleute u.a. haben sich zum „Augsburgischen Bekenntnis“, zum Jubiläum und zur Vollversammlung geäußert. Die Texte der Tagung sind in einer epd-Dokumentation zusammengestellt, die Sie hier herunterladen können. Im Folgenden sind Auszüge aus dieser Dokumentation zitiert sowie weitere interessante Beiträge zur CA verlinkt. Auf der Tagung wurde auch die geistliche Gemeinschaft gelebt und konnte dank der Gastfreundschaft der Stadt und der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) die Friedensstadt Augsburg erkundet werden.
Grundlegend informierte Prof. Dr. Bernd Oberdorfer über die „Confessio Augustana“. Er lehrt in Augsburg Systematische Theologie, ist an zahlreichen ökumenischen Konsultationen des LWB beteiligt und leitet den Ökumenischen Studienausschuss des DNK/LWB.
"[...] Skepsis und vorbehaltlose Zustimmung [...] – so breit ist das Spektrum der Haltungen und Erwartungen, die sich an die Confessio Augustana knüpfen. Ist sie ein historisches Dokument des »Altprotestantismus«, das sich unter »neuprotestantischen« Bedingungen – um eine berühmte Antithese des in Augsburg aufgewachsenen Ernst Troeltsch aufzugreifen – allenfalls noch als Etikett konfessioneller Klassifizierung eignet, ohne zur inhaltlichen Bestimmung etwas beizutragen? Oder ist sie ein Text, der über seinen Entstehungskontext hinaus auch heute noch theologisch orientierend und geistlich inspirierend wirken kann? Nur wenn das zweite zutrifft und sich konstruktiv und kreativ entfalten lässt, dann lohnt es sich, das Jubiläum 2030 nicht als eines von vielen im ununterbrochenen Fluss von 500- Jahr-Feiern vorüberziehen zu lassen, sondern ihm eine herausragende Rolle für lutherische Selbstverständigung und Selbstrepräsentation zu geben. Wenn ich recht sehe, geht die Entwicklung derzeit, nach zögerlichen Anfängen, sehr vehement in diese Richtung. Der LWB hat mit seiner Entscheidung, die nächste Vollversammlung 2030 hier in Augsburg zu veranstalten, ein klares Ausrufezeichen gesetzt. Allein in Deutschland sind mehrere Studien zur CA im Entstehen, u.a. im Ökumenischen Studienausschuss (ÖStA) des DNK (zum Thema Sünde, Schuld, Böses). [...]
Geschichtlichkeit und Geltung, Verbindlichkeit und Kritik: Die CA heute
Ich gehe in Thesenform vor:
- Hinter die neuzeitliche Entstehung eines geschichtlichen Bewusstseins führt kein Weg zurück. Die CA ist ein Produkt des 16. Jahrhunderts und kann nicht einfach normativ ins 21. Jahrhundert übertragen werden.
- Eine schlichte wortwörtliche Übernahme würde auch weder der Selbstrelativierung lutherischer Bekenntnistradition im Namen der Heiligen Schrift noch der schon im 16. Jahrhundert erkannten Aufgabe entsprechen, die Bekenntnistradition im Blick auf neue Konstellationen je neu auszulegen.
- Die normative Stellung der Bekenntnistradition (und in ihr besonders der CA) impliziert aber einen Vertrauensvorschuss, dass die Reformatoren im Kern das Wesentliche des Evangeliums so erfasst haben, dass es auch für die Gegenwart Erschließungskraft hat.
- Für den hermeneutischen Umgang mit der CA folgt daraus: Die CA kann und muss daran gemessen werden, inwieweit ihre eigenen Formulierungen dem von ihr selbst erfassten Verständnis der doctrina evangelii entsprechen bzw. genauer: ob, inwieweit und wie die sprachliche Gestalt der CA heute geeignet ist, den ihr selbst gemäß für kirchliche Identität und katholische Einheit erforderlichen Konsens zu artikulieren. [...]"
Hier den ganzen Beitrag lesen.
Eine internationale Perspektive auf das „Augsburgische Bekenntnis“ bot Prof. Dr. Dirk Lange. Er ist Assistant General Secretary des LWB, lehrt am Luther Seminary in St. Paul MN/USA Theologie und leitet ab Januar 2027 das Institut für Ökumenische Forschung in Straßburg.
"The reception of the Augsburg Confession (CA) internationally poses very exciting challenges for us. Already 50 years ago, preparing for the 450th anniversary, a cursory study was made of the CA in Africa, Asia, and Latin America. It noted several issues that, in certain ways, still confront us today. But before I dive into those issues let me say that even an in-depth study of the status of the CA in all member churches today would be of great benefit for us. A Lutheran Identity Survey was conducted a few years ago and responses, even from Germany, indicated that the CA was not widely used or known. In the introductory materials to this study, it is also noted that all LWF member churches subscribe to the CA, which technically, is not correct. One of ourlargest group of member churches, in Indonesia, has written its own Confession. They were nonetheless accepted into LWF membership because their confession is very similar to the CA though it also has a structure and influence of Reformed confessions. Again, an indepth study, if such a thing is even possible in the four short years we have is a question. [...]
A question that could be posed for the preparations of the 500th Anniversary will ask about the application of the CA to the immediate problems different societies and cultures face. Many theologians and church leaders are continually engaged in translating the Gospel for their congregations but does the CA serve as a lens for this translation? Should it? And how? [...]
The CA invites us, invites the church into an encounter. But, and again in a sweeping brushstroke, the approach many theologians and church leaders have taken is an anthropological focus to the CA. Perhaps the CA itself encourages such an approach by placing original sin – the human situation – in Article II, right at the beginning. But in fact, the CA is also and primarily about God’s inbreaking. It is about Article III and Jesus Christ and the work of the Holy Spirit. It is about Article IV and V and VII further emphasizing the work of the Holy Spirit, who in the words of the SC, gathers us, enlightens us, and makes us holy. The CA is about God and God’s immeasurable goodness towards us. The main articles are in fact attempts to give shape, to specify, to transpose that goodness into our lived realities and structures, yes, even into our ecclesial structures. Can our preparations and approach to the CA focus on this immeasurable goodness of God? Can it be therefore a eucharistic approach?"
Der gesamte Beitrag ist hier nachzulesen.
Junge Stimmen und ein Creed Slam boten ungewohnte und weiterführende Perspektiven auf die „C.A.“ (so die Abkürzung für die „Confessio Augustana“). Ein Beitrag, der beides verbindet, ist der von Magar Emmanuel Yayoune aus Togo, Stipendiat des DNK/LWB im Master-Studiengang Interkulturelle Theologie in Göttingen und lange Jugendleiter der evangelischen Kirche in Togo.
Slam Bare Faith
Magar Emmanuel Yayoune
Versammlung des DNK/LWB, Augsburg,
1. Dezember 2025
»Bare Faith, True Faith«
In a world where plastic truths are more important
than real ones,
where miracle-dealers shout louder than prophets
and pastors,
where fear is traded for grace, and faith for burning
bills,
I hear an old voice...
A voice that has traveled through time, across
oceans, kingdoms, and even our sleepless nights.
This voice says:
»Grace has no price, salvation has no lock, and
Christ doesn’t need anything else.«
It sounds like the Augsburg Confession.
An old piece of writing? Maybe.
But the fire inside it never gets old.
It says: The Gospel doesn‘t need makeup,
Faith doesn‘t need chains,
and truth doesn‘t need a store.
It says that the Church is not a market, an empire,
or a castle for the rich.
The Church is a group of people who breathe the
Word, who baptize, who break bread, and who
walk.
They can walk barefoot if they must, but they are
free.
Without fear, without being controlled, and without
traditions that hold you back and make you
feel bad.
Real freedom isn’t a slogan; it’s an empty cross,
an open tomb, and a living Christ who says, »I
am enough.« For you
For our loud cities, our villages that get hit by the
wind, and our churches that grow faster than
their roots?
This text isn’t a museum.
It’s a compass.
A reminder that our faith doesn’t come from feelings,
famous prophets, or politics that look like
prayer.
It tells us to be strong, love deeply, and have
faith.
To tell the difference between God and Caesar,
heaven and earth, and politics and the Kingdom.
It says: »Don’t mix up the spotlight with the
Light.«
I hear and understand that faith is not a show but
a trust.
A bare trust, a real trust, given like air, like forgiveness,
like a hand reaching out.
So, I talk, I put words down, not to sound nice,
but to remind you of this:
In a world that shakes, in a Church that runs,
Christ remains.
Grace alone
Faith alone
Scriptures alone
Christ alone
Yes, for the CHRISTOCENTRIQUE CHURCH &
GOSPEL!!!!
Der gesamte Beitrag ist hier nachzulesen.
Tiefes Grundanliegen des LWB ist es, das Jubiläum der „C.A.“ in ökumenischer Geschwisterlichkeit zu feiern. Dankbar wurde deshalb auf der Tagung in Augsburg die mennonitische Perspektive aus einer der Kirchen, die sich mit dem LWB auf einen Versöhnungsweg eingelassen haben, nachdem die „C.A.“ ihne gegenüber Verdammungsurteile enthalten hatte, gehört – und ebenso dankbar die Perspektive des Augsburger römisch-katholischen Bischofs Bertram Meier.
Bischof Bertram Meier verbindet seine Gedanken mit solchen, wie sie auch Papst Leo XIV. oder der Leiter des Dikasteriums (Ministeriums) für die Einheit der Christen Kurt Kardinal Koch jüngst geäußert haben.
von Bischof Dr. Bertram Meier
"Sehr geehrte, liebe Mitglieder des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes, liebe Schwestern und Brüder,
als römisch-katholischer Diözesanbischof von Augsburg heiße ich Sie herzlich willkommen in einer Stadt, die mit zentralen Momenten der katholisch-evangelischen Beziehungen unmittelbar verbunden ist, von der Übergabe der Confessio Augustana 1530 bis zur Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre 1999. Nicht nur evangelische Christinnen und Christen dürfen sich auf den Weg zum großen Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses im Jahr 2030 freuen, einen Weg, der ökumenisch, geschwisterlich und ertragreich sein möge. Ich werde im Folgenden in aller gebotenen Kürze die Confessio aus römisch-katholischer Perspektive kommentieren, um anschließend einige Überlegungen zu den Planungen des Jubiläums zu formulieren. Das Augsburger Bekenntnis ist für das Verhältnis zwischen den römisch-katholischen und den evangelischen Christinnen und Christen zentral – aus historischer Perspektive, aber vor allem angesichts der ökumenischen Zukunft, die wir gemeinsam gestalten wollen. [...]
Unterwegs zum CA-Jubiläum
Auf der Basis der vorherigen Überlegungen möchte ich nun einige Gedanken auf dem Weg zum Jubiläum mit Ihnen teilen, freilich auch in Vorfreude auf all das, was auf Weltebene gerade in Vorbereitung ist. I. Christus als Zentrum unserer Einheit In diesem Jahr feiert die weltweite Christenheit das 1700. Jubiläum des Konzils von Nizäa, das im Augsburger Bekenntnis ausdrücklich erwähnt wird. Die christologische Leistung der nizänischen Väter kann man nicht genug hervorheben. Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist sowohl Zentrum als auch Ziel der Ökumene; je mehr wir uns Christus annähern, desto tiefer wird unsere Gemeinschaft zueinander. Aber auch umgekehrt: Je mehr wir uns einander annähern, desto tiefer wird unsere Beziehung zu Jesus Christus. Die Entscheidung, 2017 als Christusfest zu gestalten, war m. E. richtungsweisend für alle weiteren Schritte im katholisch-lutherischen Dialog. Die ersten Artikel der Confessio und vor allem die Nr. 3 haben ein großes ökumenisches Potenzial. Schauen wir zusammen auf die Zukunft, nämlich auf Christus hin! [...]
Liebe Schwestern und Brüder, 1530 hat man in Augsburg daran gearbeitet, »damit durch uns alle eine gemeinsame wahre Religion angenommen und gehalten wird und wir so, wie wir alle unter einem Christus stehen und streiten, auch alle in einer Gemeinschaft und Kirche in Einigkeit leben«, so der kursächsische Kanzler Brück in der Vorrede zum Augsburger Bekenntnis, in der er das Einladungsschreiben von Kaiser Karl V. anklingen ließ. In diesem sozusagen Alpha der Confessio steht das Omega, das Ziel, dem wir uns auch heute verpflichtet wissen. Arbeiten wir geschwisterlich daran, uns diesem Ziel anzunähern! Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit."
Der gesamte Beitrag ist hier nachzulesen.
von PD Dr. Astrid von Schlachta
"Ja, sind wir denn eingeladen, um unsere eigene Verdammung zu feiern? So begann es in gewisser Weise. Diese freundliche Frage stellte nämlich der Regensburger Mennonitenpastor Willi Wiedemann, als er eine Einladung für die Feierlichkeiten zum 450. Jubiläum der CA erhielt – 1980. Damit lenkte er den Blick auf die »Verdammungen« oder »Verwerfungen«, mit denen die Autoren der CA sich bekanntlich von den Täufern abgrenzten, und in deren Tradition die Mennoniten stehen. Willi Wiedemann nahm trotz seiner kritischen Reaktion an den Feierlichkeiten teil und hielt eine Rede, die eine Tür aufstieß: Heraus aus der konfrontativen Vergangenheit, hinein in den innerökumenischen Diskurs. Sein Grußwort würzte er mit den Worten: »Nicht unsere eigene Verdammung zu feiern sind wir hier, sondern um das Gespräch neu aufzunehmen.«
Welche Perspektiven eröffnen sich für das Jahr 2030?
- Eine gemeinsame Erklärung zur CA:
Es wäre sicherlich eine zielführende Idee, aus verschiedenen Perspektiven auf die CA zu schauen und neueste Forschungsergebnisse einzubeziehen. Doch diese Erklärung müsste gleichzeitig mehr sein, nämlich ein Diskussions- und Arbeitspapier für die Gemeindearbeit. Denn 2030 muss es um Vermittlung, Diskussion und Gespräch gehen – in der kirchlichen und säkularen Öffentlichkeit und nicht nur unter Experten und Expertinnen. - Vermittlung, Diskussion und Gespräch:
Die CA spricht ihre Sprache; eine Sprache des 16. Jahrhundert. Wie kann diese Sprache in die heutige Zeit übersetzt werden? Und wie kann die CA nutzbar gemacht werden für den ökumenischen Dialog oder auch für Debatten innerhalb der einzelnen Kirchen; für Gespräche darüber, wer sie eigentlich sind. Zum Täufergedenken haben die Evangelische Kirche in Bayern und die bayerischen Mennoniten eine Lesereise veranstaltet: 8 Stationen an 8 Orten – ökumenisch ins Gespräch kommen auf der Ebene der Gemeinden. Die Geschichte anschauen, Handlungsmuster und Mechanismen des Umgangs miteinander identifizieren und fragen, was dies für uns heute bedeutet. Und dabei sollten alle Interessierten mit einbezogen werden. Dazu müsste auch gehören, dass es eine kommentierte Version im Gesangbuch bräuchte. Oder es könnte bedeuten, ein gemeinsames Studienmaterial zu publizieren – für Gruppen innerhalb der Gemeinde generell und/oder für die Jugendarbeit.[...] "
Der gesamte Beitrag ist hier nachzulesen.