Unternehmerische Fähigkeiten machen Gemeinschaften resilienter
In Sambia schaffen kirchliche Schulungen und Kleinstzuschüsse neue Chancen für Frauen und junge Menschen in ländlichen Gebieten, die mit schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen konfrontiert sind.
Mitglieder einer Frauengruppe in der ELCZ-Gemeinde Zambezi zeigen Tomaten, die sie in ihrem Gemüsegarten angebaut haben. Foto: ELCZ / Collins Chinsembu
Lutherische Kirche in Sambia gibt ländlichen Gemeinden neue Impulse
(LWI) – Frauen aus ländlichen Gemeinden der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Sambia (ELCZ) bewirtschaften Gemüsebeete in der Nordwestprovinz des Landes. Die kleinen Gärten versorgen die Familien mit frischen Lebensmitteln und bringen durch den Verkauf auf lokalen Märkten ein bescheidenes Einkommen ein.
Noch vor wenigen Monaten hätten sich viele von ihnen kaum zugetraut, ein Unternehmen zu gründen und zu führen. Heute dokumentieren sie ihre Einnahmen und Ausgaben und wenden dabei die Buchführungskenntnisse an, die sie in einem ELCZ-Projekt zur Sicherung der Lebensgrundlagen von benachteiligten Frauen und jungen Menschen erworben haben. Unterstützt wird die Schulungsmaßnahme durch das Programm für Projekte von Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes (LWB).
Wie viele Länder im südlichen Afrika kämpft auch Sambia weiterhin mit einer hohen Inflation und wiederkehrenden Dürren infolge des Klimawandels. Diese Belastungen haben die Beschäftigungsmöglichkeiten verringert und viele Familien noch tiefer in die Armut gedrängt. Fast 60 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Für immer mehr Haushalte wird es daher zunehmend schwieriger, ihre Grundbedürfnisse zu decken.
Die LWB-Mitgliedskirche setzt einen Schwerpunkt auf die wirtschaftliche Stärkung der Menschen in den Gemeinschaften vor Ort. Dadurch soll es benachteiligten Gruppen ermöglicht werden, technische und berufliche Kompetenzen zu erwerben. „Wir begegnen diesen Herausforderungen mit Schulungen zu unternehmerischen Fähigkeiten, nachhaltiger Existenzsicherung und Gendergerechtigkeit. So helfen wir den Teilnehmenden, finanziell unabhängig und widerstandsfähiger zu werden“, sagte Bernard Kubemba Mapulanga, Projektleiter der ELCZ.
Fast 450 Frauen und junge Menschen haben bislang an den Schulungen teilgenommen. Sechs Gruppen erhielten Startzuschüsse in Höhe von insgesamt 50.000 sambischen Kwacha (2.268 Euro), um Kleinunternehmen neu zu gründen oder bestehende auszubauen.
Diese Aktivitäten seien mehr als nur eine zusätzliche Einkommensquelle, erklärte Mapulanga. Sie sorgen für mehr Ernährungssicherheit, verringern den finanziellen Druck und eröffnen Familien die Chance auf größere Selbstständigkeit.
Wenn Menschen die richtigen Fähigkeiten erwerben können, wenn sie Ermutigung und Unterstützung erfahren, können sie den Wandel in ihren Familien und Gemeinschaften aktiv mitgestalten.
Keisha Nakamendu, Projektkoordinatorin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Sambia
Von Abhängigkeit zu Selbstvertrauen
Projektkoordinatorin Keisha Nakamendu hat die Veränderungen miterlebt. „Die größte Wirkung zeigt sich darin, dass Abhängigkeit durch Selbstvertrauen, Eigeninitiative und Selbstständigkeit abgelöst wird. Wenn Menschen die richtigen Fähigkeiten erwerben können, wenn sie Ermutigung und Unterstützung erfahren, können sie den Wandel in ihren Familien und Gemeinschaften aktiv mitgestalten“, sagte sie.
In der Riverside-Gemeinde der ELCZ in Chongwe haben Gemeindemitglieder ein Geflügelzuchtprojekt ins Leben gerufen. „Das hat unseren Blick auf uns selbst nachhaltig verändert. Wir sehen uns nun als Unternehmerinnen und Unternehmer, die eigene Betriebe gründen und dauerhaft führen können. Wir haben gelernt, verantwortungsvoll mit unseren Ressourcen umzugehen und sie sinnvoll einzusetzen“, sagte Sostein Nyirenda, Laienprediger und ehrenamtlicher Projektleiter.
Mehr als unternehmerische Fähigkeiten
Die Kirche fördert zudem das Bewusstsein für Gendergerechtigkeit und Gleichberechtigung, indem sie die Teilnehmenden dazu ermutigt, die gemeinsame Verantwortung von Frauen und Männern für den Unterhalt der Familien und den Beitrag zur Weiterentwicklung der Gemeinschaft anzuerkennen.
„Indem wir Frauen und jungen Menschen Kenntnisse zur Sicherung ihrer Lebensgrundlagen vermitteln, geben wir den ländlichen Gemeinden Hoffnung. Trotz begrenzter Mittel erleben wir positive Veränderungen. Mit einer langfristig angelegten Finanzierung und dem weiteren Ausbau von Kompetenzen können wir noch viel mehr Menschen erreichen“, ergänzte Pfarrer Collins Chinsembu, Bezirkspfarrer der ELCZ im Distrikt Zambezi.