Chile: Das Erbe der Menschenrechte für künftige Generationen bewahren

07 Okt 2026

Eine Vereinbarung mit dem Museum der Erinnerung soll zum Erhalt der Archive der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Chile beitragen. Diese dokumentieren die Rolle der Kirche beim Einsatz für die Menschenrechte während der Militärdiktatur.

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Bischöfin Izani Bruch (links) von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Chile mit Vertreterinnen des staatlichen Museums der Erinnerung und Menschenrechte. Foto: IELCH

Bischöfin Izani Bruch (links) von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Chile mit Vertreterinnen des staatlichen Museums der Erinnerung und Menschenrechte. Foto: IELCH

Das prophetische Zeugnis der Kirche festhalten und den Blick in die Zukunft richten 

(LWI) – Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Chile (IELCH) hat eine Kooperationsvereinbarung mit dem Museum der Erinnerung und Menschenrechte (MMDH) unterzeichnet. Diese soll helfen, Zeugnisse der sozialen Arbeit der Kirche und ihres Engagements für Grundrechte während der Militärdiktatur im Land zu wahren und bekannt zu machen. 

Vereinbart wurde u.a., dass die Kirche dem Museum verschiedene Aufzeichnungen über ihre Arbeit in diesen Jahren zur Verfügung stellen wird. Diese sollen digitalisiert und in das historische Erbe des staatlichen Museums MMDH in der Hauptstadt Santiago de Chile aufgenommen werden.

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Im Hintergrund sind Hunderte von Fotos von Menschen zu sehen, die während der Militärdiktatur in Chile inhaftiert wurden und verschwanden.

Im Hintergrund sind Hunderte von Fotos von Menschen zu sehen, die während der Militärdiktatur in Chile inhaftiert wurden und verschwanden.

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Die Vereinbarung hilft dabei, Zeugnisse, Dokumente und Berichte über die Arbeit der IELCH zum Schutz der Menschenrechte zu bewahren. Foto: IELCH

Die Vereinbarung hilft dabei, Zeugnisse, Dokumente und Berichte über die Arbeit der IELCH zum Schutz der Menschenrechte zu bewahren. Foto: IELCH

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Izani Bruch, Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Chile, zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern des staatlichen Museums der Erinnerung und Menschenrechte bei der Sichtung historischer Dokumente. Foto: IELCH

Izani Bruch, Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Chile, zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern des staatlichen Museums der Erinnerung und Menschenrechte bei der Sichtung historischer Dokumente. Foto: IELCH

Eine Geschichte von Glauben, Durchhaltevermögen und Engagement  

Dokumente wie Hirtenbriefe, Berichte, Zeugenaussagen, Anzeigen, Protokolle der Gemeindearbeit und Zeugnisse von Verfolgten, die die Kirche dem Museum zur Aufbewahrung übergeben hat, seien ein geistliches und moralisches Erbe und zeugten von der prophetischen Arbeit der Kirche in einer von Tod, Folter, Leid, erzwungenem Schweigen und der systematischen Verletzung von Grundrechten geprägten Zeit, erklärte IELCH-Bischöfin Izani Bruch.  

Die Unterzeichnung fand nach dem Besuch der Bischöfin im Museum im August statt. Dort zündete sie zum Gedenken an Herbit Ríos Soto eine Kerze an. Der Sohn von Yolanda Soto, die der IELCH-Gemeinde La Paz angehört, wurde damals verhaftet und verschwand spurlos. Einer der vom Museum aufbewahrten historischen Gegenstände ist etwa die Schreibmaschine des lutherischen Bischofs Helmut Frenz, der sich aktiv für Menschenrechte einsetzte, bis ihm nach einer Reise nach Deutschland die Rückkehr nach Chile untersagt wurde. 

Während der dunklen Zeit der Diktatur in Chile von 1973 bis 1990 bot die IELCH den Opfern und ihren Familien seelsorgerische Begleitung, prangerte Missstände an und schuf Schutzräume und Orte, an denen Gerechtigkeit gefordert wurde, so Bruch. „Diese prophetische diakonische Arbeit war weder parteipolitisch noch ideologisch geprägt: Vielmehr war sie Ausdruck unseres lutherischen Bekenntnisses, das den Glauben in der Geschichte gelebt sieht und erkennt: Nächstenliebe verpflichtet uns, das Leben der Menschen, ihre Würde, Freiheit und Unversehrtheit zu verteidigen“, betonte sie. 

Auf dem Weg zu einer gerechteren Gesellschaft 

„Durch die Aufbewahrung dieser Dokumente im Museum der Erinnerung stellen wir sicher, dass diese Zeugnisse nicht verloren gehen, verfälscht werden oder in Vergessenheit geraten. So können auch künftige Generationen – in Chile und auf der ganzen Welt – erfahren, wie eine kleine, aber zutiefst engagierte Kirche zu einem Ort ethischen Widerstands, zu einem Ort des Trostes und zu einer prophetischen Stimme angesichts von Unrecht wurde," so Bruch. 

Die Vereinbarung würdigt auch das öffentliche Zeugnis der Kirche und ihr Engagement für Menschen, die in einer der schwierigsten Phasen der jüngeren Geschichte Chiles Verfolgung und Unterdrückung erlitten haben, so Bruch. Sie sei „ein Akt der Treue zum Evangelium, ein Dienst für das Land und ein Beitrag zum Aufbau eines kollektiven Gedächtnisses, das uns helfen kann, eine gerechtere, bewusstere und menschlichere Gesellschaft zu schaffen.“ Sie schloss mit den Worten: „Das Gedenken ist Teil des Auftrags der Kirche: erinnern, um zu heilen, erinnern, um zu lernen, erinnern, damit niemals wieder Menschenrechte und die Menschenwürde in unserem Land verletzt werden.“

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Vertreterinnen des Museums der Erinnerung und Menschenrechte mit Izani Bruch, Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Chile. Foto: IELCH

Vertreterinnen des Museums der Erinnerung und Menschenrechte mit Izani Bruch, Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Chile. Foto: IELCH

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Besuch einiger wichtiger Bereiche des Museums. Foto: IELCH

Besuch einiger wichtiger Bereiche des Museums. Foto: IELCH

Dank der Vereinbarung kann ein großer Teil des institutionellen Gedächtnisses der IELCH im MMDH erhalten bleiben. Gleichzeitig können diese Materialien nun leichter für Bildungszwecke, für Diskussionen und für die Menschenrechtsarbeit genutzt werden. Die Kirche selbst wird bei der Archivierung ihrer eigenen Bestände (Protokolle, Fotos und Dokumente) unterstützt und erhält digitalisierte Kopien, die im Kirchenarchiv aufbewahrt werden.  

Die LWB-Regionalsekretärin für Lateinamerika, die Karibik und Nordamerika, Pfarrerin Sonia Skupch, betonte die Bedeutung des Abkommens für die gesamte lutherische Gemeinschaft. „Würde und Gerechtigkeit sind Kernwerte des LWB. Damit erkennen wir an, dass alle Menschen nach Gottes Ebenbild geschaffen und daher in Gottes Augen Würde haben und Menschenrechte nicht verhandelbar sind“, sagte sie.

„Das Foltern und Töten während der Diktatur in Chile darf sich niemals wiederholen. Die Erinnerung daran ist Teil des Weges hin zu einer gerechteren Gesellschaft, die in Frieden leben kann“, fügte Skupch hinzu.

LWB/E. Albrecht
Thematiken:
Land:
Chile