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Vertriebene Frauen in Kolumbien

"Wir haben alles verloren, aber das Leben muss weitergehen!"

"Pa'lante pa'ya!", sagt Gladys, wenn sie über das Leben der Frauen in Kolumbien spricht: Das Leben muss weitergehen! Frauen sind in Kolumbien am stärksten von dem bewaffneten Konflikt betroffen.

Der Konflikt zwischen Militär, Paramilitär und Guerilla-Gruppen hält das Land schon sechs Jahrzehnte in Atem. Gladys hat ihren Ehemann, fünf ihrer Brüder und einen Stiefsohn durch ihn verloren. Viermal wurde sie aus ihrer Heimat vertrieben und zu einem Flüchtling im eigenen Land. Deshalb passt der Spruch zu ihr: Das Leben muss weitergehen!

Bei der 53-jährigen Marta Elvia Caña war es das staatliche Militär: "Mein Mann war dabei eine Mauer zu streichen, als die Soldaten in die Stadt kamen. Sie bedrohten die Menschen und als er nicht schnell genug auf dem Boden war, haben sie ihn verprügelt. In das angrenzende Haus haben sie eine Granate geworfen, weil der 80-jährige Bewohner angeblich ein Guerilla-Kämpfer war", erzählt Marta gefasst. Als man später die Leiche ihres Mannes fand, war sie voller Machetenschnitte und Einschusslöcher. Seine inneren Organe drangen am Rücken aus dem Körper. Marta floh mit ihren Kindern.

Auf der Flucht wurde ihr Bus von Soldaten aufgehalten. Die Menschen aus Martas Dorf, alles Zeugen, wurden von den Soldaten mitgenommen und später umgebracht. "Ich überlebte nur, weil ich ihnen sagte, ich sei aus einem anderen Ort", berichtet sie mit stockender Stimme. Sie war damals 29 Jahre und hatte sieben Kinder zu versorgen.

Alle Frauen in Silvania bei Bogotá haben in ihrem Leben ähnliche Erfahrungen von Gewalt und Willkür gemacht. Die meisten von ihnen haben ihren Mann verloren und sind seitdem alleine für ihre Familie verantwortlich. Wie viele Flüchtlinge landeten sie irgendwann in den slum-ähnlichen Außenbezirken oder Vororten der Hauptstadt. Dort sind sie erst einmal in Sicherheit, aber es fehlt die Existenzgrundlage.

Um sich in dieser Situation gegenseitig zu unterstützen, haben die Frauen von Silvania mit dem Lutherischen Weltbund (LWB) eine Gruppe gegründet. Neben gegenseitiger Unterstützung wollen sie ihre Rechte als Vertriebene und Opfer des Konfliktes durchsetzen. Der Staat Kolumbien anerkennt seit Kurzem die Rechte der Vertriebenen, wie z. B. den Anspruch auf Kompensation für verlorenes Land, aber nur selten werden diese auch tatsächlich umgesetzt.

Wegen der drängensten Herausforderungen, Hunger oder Arbeitslosigkeit, hat die Frauengruppe mit einem lokalen Partner des LWB ein Landwirtschaftsprogramm gestartet. Es unterstützt die Frauen dabei, Gemüse nach biologischen Standards anzubauen und Hühner zu züchten. "Jetzt haben wir sauberes und gesundes Essen für unsere Familien und seit Kurzem haben wir auch noch etwas mehr, das wir verkaufen können", erklärt Gladys.

Sie ist sichtbar stolz auf diesen Erfolg. Frauen haben es nicht leicht in Kolumbien, aber wie viele ist Gladys eine starke Frau geworden. Das täglich Brot und der Einsatz für Frauenrechte gehören für sie zusammen. "Es ist nicht leicht so etwas zu machen", sagt sie nachdenklich. "Man kann bedroht werden, man kann umgebracht werden!" Aber das Leben muss ja weitergehen: Pa'lante pa'ya!

Hilfe für Frauen in Kolumbien - jetzt online spenden oder auf unser Konto 419 540 bei der EKK Hannover (BLZ 52060410)

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Mehr Informationen über den LWB in Kolumbien hier.

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Publikationsdatum dieser Seite: 12.04.2017 14:31